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Mataré-Kopf für Kurhaus gesichert

Museum Kurhaus Kleve : Mataré-Kopf für Kurhaus gesichert

Die Skulptur drohte verkauft zu werden. Mit der Hilfe dreier Stiftungen ist es dem Freundeskreis der Klever Museen gelungen, den Ankauf des Kunstwerkes zu finanzieren. Der Marktwert liegt bei 100.000 Euro.

Annemarie Mummenhoff erkannte sich nicht so recht wieder in dem hölzernen Kopf. Die Schauspielerin war 23 Jahre alt, als der Bildhauer Ewald Mataré ihren Kopf ins Holz schnitt. Das war 1926, die goldenen Zwanziger standen vor ihrem Höhepunkt. Mataré reduzierte das Abbild der jungen Dame radikal. Es blieb so etwas wie der Schatten ihres schmalen Gesichtes, die Augenhöhlen, die Andeutung von Nase, Mund und Wangenknochen. Alles ist Andeutung, zunächst kaum wahrnehmbar, doch beim richtigen Licht auf den hölzernen Kopf wird alles sofort gegenwärtig, wirkt geradezu archetypisch. Meisterhaft spielte der Bildhauer zudem mit der Maserung des Holzes, das die Form des Kopfes unterstreicht. „Zu sehen ist der Kopf einer schönen Frau in aufrechter Haltung und in völliger Stille, unprätentiös, aber gerade dadurch sensationell“, sagt Valentina Vlasic vom Museum Kurhaus.

Museumsdirektor Harald Kunde unterstreicht das: „Es ist einer der extremsten Punkte im Bemühen Matarés um die Abstraktion.“ Es zeige, dass der Maler Mataré über den Holzschnitt bei der Skulptur angekommen sei und 1926 noch experimentierte. Es zeige auch, wie Mataré, der später zum künstlerischen Einzelgänger werden sollte, in seiner Kunst geistig in der Nähe zum rumänisch-französischen Bildhauer Constantin Brancusi stehe, der zu den prägenden Bildhauern des 20. Jahrhunderts zählt. „Weiblicher Kopf“ titelt das Werk, das zunächst bei Mataré blieb und jetzt für Kleve gesichert werden konnte.

 Mataré: Weiblicher Kopf aus dem Jahr 1926. Das Kunstwerk gehört jetzt endgültig zur Sammlung des Klever Museums.
Mataré: Weiblicher Kopf aus dem Jahr 1926. Das Kunstwerk gehört jetzt endgültig zur Sammlung des Klever Museums. Foto: Matthias Grass
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Der Kopf kam zwar zunächst durch einen Nachlass an das Museum Kurhaus, zusammen mit Werken von Pierre Theunissen. Das Erbe hatte aber die Bedingung, all diese Werke, den weiblichen Kopf Matarés und die Arbeiten Theunissens, ständig zu zeigen. Letzteres kann das Museum aber nicht leisten, erklärt Kunde. Der Nachlassverwalter forderte also die Werke zurück, weil die Bedingung nicht erfüllt sei: Die Kunst sollte zugunsten der Gmeiner-Stiftung für die SOS-Kinderdörfer versteigert werden. Damit wäre der weibliche Kopf in den Kunsthandel gegangen und für das Museum Kleve, das den Nachlass des Künstlers verwaltet und in seiner Sammlung und in Sonderausstellungen zeigt und aufarbeitet, verloren gewesen. Immerhin beträgt der Marktwert der Skulptur rund 100.000 Euro.

Zusammen mit dem ehemaligen Museumsdirektor Guido de Werd nahm das Kurhaus Verhandlungen mit dem Nachlassverwalter auf und man konnte den Kopf vor dem Kunsthandel erwerben: Er ging an den Freundeskreis der Klever Museen und dieser gibt es als Dauerleihgabe an das Museum. Zu sehen ist er neben einer weiteren Kopfskulptur „Hanna“, die Mataré später schuf und die weit weniger abstrahiert ist.

Finanziert wurde die Summe für das Kunstwerk zu über 90 Prozent von drei für das Museum Kurhaus immer wichtigeren Stiftungen. Die Kulturstiftung der Länder, die Ernst-von-Siemens-Stiftung und die Kunststiftung NRW gaben jeweils ihren Anteil, einen kleinen Rest übernahm der Freundeskreis. Alle drei Stiftungen sprangen ein, um das bedeutende Kunstwerk für Kleve zu retten und zu zeigen, dass es lohnt in Kleve zu investieren, weil hier gute Museumsarbeit gemacht wird.

Zusammen mit dem weiblichen Kopf entstand ein ebenso reduzierter männlicher Kopf: Der ging irgendwann an die Nationalgalerie in Berlin und ist dort derzeit in der ständigen Ausstellung zu sehen. Für Kunde gibt es damit ein Projekt für die Zukunft: Beide Köpfe nebeneinander zeigen zu können. Von Theunissen hat das Museum Grafiken und eine Palmenholzskulptur, sagt Vlasic.