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Kurhaus Kleve: Sieben Künstlerinnen mit "A hotless Horror Movie" im Park

Museum Kurhaus : Ein Horrorfilm im Park

Sieben Künstlerinnen laden dazu ein, den Park rund um das Museum Kurhaus zu erleben und zum Erlebnis zu machen. So entsteht eine Ausstellung, deren Werke allein in der Vorstellung des Besuchers existieren.

Die Stimme ist ruhig, anleitend: Setze dich behaglich bis es unbehaglich wird, weist sie den Hörer an. Ziehe deine Schuhe aus und gehe barfuß durch einen Streifen des Grases, schließe die Augen und erfahre, wie ganz allein Du bist in diesem Park in dieser Nacht. Es ist die Aufforderung, den Park rund um das Klever Museum Kurhaus zu ergründen. Sich mit dem Behagen der Kur auseinanderzusetzen, die zum Unbehagen werden kann. Es sind die Stimmen des Istanbuler Künstlerkollektivs Queer Art Collective, Tuna Erdem und Seda Ergul, oder der französisch-guayanischen Künstlerin Tabita Rezaire. Wie eine regelrechte Klang-Sprach-Komposition klingt das Hörstück der Autorin und Künstlerin Holly Childs zusammen mit dem Soundkünstler Gediminas Zygus. Die Geschichten schicken den Zuhörer durch den tatsächlichen oder durch einen imaginären Park, ihn zu erleben oder in ihm, wie bei Rezaire, der Natur zu danken.

Die Künstlerinnen haben sechs Hörstücke geschaffen, die einladen, eine Geschichte im Kopf zu erfinden, eigene Bilder vom Park zu schaffen oder, wenn man in Kleve ist, die Blicke in den Barock-Park oder in den Forstgarten auf sich wirken zu lassen. Es entsteht so eine „Ausstellung“, deren Werke allein in der Vorstellung des Besuchers existieren. Und wenn sich der Besucher darauf einlässt, die Schuhe auszuziehen und barfuß das Gras zu erspüren oder einfach die Augen zu schließen, dann entsteht eine Perfomance, wird der Besucher selbst Teil der Ausstellung, sagt Susanne Figner vom Museum Kurhaus. Und weil es immer ein gewisses Unbehagen sein soll, dessen man sich vergegenwärtigen möchte, wie die Stimmen suggerieren, titelt die neue Ausstellung des Museums Kurhaus „A plotless Horror Movie“. Ein softer Horrorfilm, dessen Handlung man noch erfinden muss.

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 Die sechs Hörstücke kann man per QR-Code, den man am Eingang des Museums einscannen kann, auf sein Smartphone laden. „Deshalb funktioniert diese Ausstellung auch, wenn Corona-Maßnahmen unser Haus wieder schließen sollten“, sagt Kleves Museumsdirektor Harald Kunde. Es sei ein Experiment, auf das sich das Museum gerne eingelassen habe. Es ist ein Experiment zusammen mit „Residence NRW+“, ein Förderprogramm des Landes für Bildende Künstler und Kuratoren. Museum Kurhaus hat für dieses Programm das Friedrich-Wilhelm-Bad für Nachwuchskuratorinnen aufgemacht. Die Medien- und Kulturwissenschaftlerin Marie Sophie Beckmann aus Berlin und die Kunsthistorikerin Julie Robiolle bekommen „Carte blanche“ (so Kunde), also die unbeschränkte Vollmacht, hier ihre Ausstellung einzurichten.

Beckmann und Robiolle suchten die Künstler aus und schufen mit ihnen jenes imaginäre Werk vom Horrorfilm ohne Plot in sechs Hörstücken. Abgerundet wird das Hören aber auch vom Handeln und vom Sehen. Die Künstlerin Liv Schulmann gibt dem Besucher eine Handlungsanweisung mit, hinauszugehen in den Park. Und selbst ein Hörspiel zu machen, indem man beispielsweise ins Smartphone spricht, wie Schulmann es fordert: „Während Du zum Eukalyptusbaum läufst, sag: Vor 164 Jahren wurden in Chile und Argentinien ... Eukalyptusbäume aus Spanien eingepflanzt...“. Oder auf der Suche nach einer Palme, die es nur in der Imagination gibt, soll man ein „Foto“ machen. Schulmann: „Mache ein Klickgeräusch“. Die so entstandenen Tonstücke kann man als mp3 in eine Cloud schicken. Schulmann möchte die eingesendeten Stücke teils verändert zu einer Operette bauen.

Bleiben die Räume im Friedrich-Wilhelm-Bad: Her irritiert die Schweizerin Sarah Margnetti mit einer Vorhang-Textileinrichtung die Ausblicke, lässt die Räume und Wände aber sonst leer, still. Ein bisschen Unbehagen gegenüber der feinen Tapisserie, die mit Trompe-l’oeil Elementen von Dingen erzählt, die nur zu sein scheinen. Wie die beiden Hände, die den Vorhang öffnen oder der Körper, dessen Teile sich in einem Ohr befinden.

So geht’s: Die Texte sind englisch, aber sehr gut zu verstehen. Man sollte sich auf jeden Fall das deutsch-englische Begleitheft zur Ausstellung beim Kurhaus-Empfang abholen. Es begleitet Hörende wie ein Libretto im Park und übersetzt die Texte. In diesem Heft ist auch noch einmal der QR-Code und auch die Mail-Adresse, an die man seine Hörstückchen für die „Operette“ schicken kann.