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Kreis Kleve Brandt Brauer Frick: neues Album

Neue CD erschienen : Brandt Brauer Frick: neues Album

In Haldern: Berliner Trio erzeugt mit klassischen Instrumenten clubtaugliche Beats.

Von Verena Krauledat

Einen Vorgeschmack auf ihr neues Album bietet der vierte Trailer zum Haldern Pop Festival: Die historischen Filmaufnahmen des kohleverqualmten Ruhrgebiets werden untermalt durch den Track „Rest“ von Brandt Brauer Frick. Der passt mit seinem nervösen Beat und düsteren Bassgewaber, über dem sich zunehmend dichte Streicherklänge wölben, perfekt zur Atmosphäre des Zechenpanoramas. „Rest“ ist bereits vor zwei Monaten als Vorab-Single erschienen, nun eröffnet der Track das neue Album „Echo“, das die Band diese Woche herausbringt.

Im Jahr 2008 begann die Zusammenarbeit zwischen Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick, damals Mitte bis Ende zwanzig Jahre alt. Die drei Musiker kombinierten Elemente der klassischen und zeitgenössischen Musik – Instrumentarium, komplexe Rhythmen, Klangexperimente – mit den tanzbaren Beats der Clubszene. Daraus entwickelten sie ein aufregendes neues Genre, eine Art analogen Techno, vielschichtig genug, um „Klassiknerds“ zu begeistern, und groovig genug, um einen Club wie das Berliner Berghain zum Vibrieren zu bringen. Für Live-Auftritte holten sich die drei (die selbst für Klavier, Moog-Synthesizer und verschiedenstes Schlagwerk zuständig sind) Verstärkung durch Instrumentalisten an Geige, Cello, Posaune, Tuba, Harfe und Percussion und erweiterten sich so zum zehnköpfigen Brandt Brauer Frick Ensemble.

Nach Ausflügen in unterschiedliche Genres und der Zusammenarbeit mit diversen Gästen (zuletzt auf dem Album „Joy“ mit dem kanadischen Sänger Beaver Sheppard) haben sich Brandt Brauer Frick mit „Echo“ nun erneut weiterentwickelt. Den gnadenlosen Beat, der in vielen älteren Stücken sofort ins Blut ging, spürt man hier weniger häufig – lediglich „Decades“, „Masse“ und „Fuel“ sind die drei großartigen, bezwingenden Tanzhymnen auf dieser CD. (Im Video zu „Masse“, gedreht in einem stillgelegten Atomkraftwerk, kann man den einzelnen Musikern eindrucksvoll bei der Arbeit zusehen.) Insgesamt dominiert die raumgreifende Klangfülle, der Hörer kann sich staunend in musikalischen Landschaften verlieren und ausgefeilte Details bewundern.

Doch auch hier stellt sich immer wieder der befriedigende Brandt-Brauer-Frick-Effekt ein, der an die „Magic Eye“-Bilder aus den Neunzigern erinnert: Zu Beginn nimmt man nur ein undurchdringliches Dickicht aus Rhythmen und Geräuschen wahr, jedes Instrument ackert kleinteilig vor sich hin. Doch irgendwann setzt der Beat oder eine machtvolle Basslinie ein, und plötzlich bekommt das Chaos eine Struktur, alles rückt an seinen Platz – wie wenn hinter dem farbigen Geflimmer plötzlich ein Delfin, ein Tiger oder eine tanzende Ballerina auftaucht.

Bereits 2011 sind Brandt Brauer Frick in Haldern aufgetreten. Im August kann man die Band erneut beim Popfestival am Niederrhein erleben.