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Kranenburge: Der Klever Block von Maler Horst Keining aus Düsseldorf

Galerie Ebbers in Kranenburg : Horst Keinings Klever Block

Der Düsseldorfer Künstler zeigt in der Ausstellung „Coupe de Creme“ in der Galerie Ebbers in Kranenburg neue Bilder, die er in Kleve auf mittlerem Format in Öl auf Leinwand malte.

Schick ist die junge Dame im schulterfreien Abendkleid und den langen Handschuhen über Hände und Arme. Im eleganten Schwung hält sie eine Zigarette zwischen den schmalen langen Fingern, der Rauch kreiselt leise nach oben. Man sieht einen Kronleuchter hinter der Schönen, die in einem dunklen Grün auf changierenden ocker-goldfarbenen Untergrund gesetzt ist, zwischen dem der weiße Malgrund durchzuscheinen scheint. Über der Frau steht in geschwungener Reklameschrift „für Anspruchsvolle“. Die Dame stammt wohl aus einer Zigarettenwerbung aus den 1950/60er Jahren. Über dem ganzen Bild zieht sich in roten Buchstaben wie Feuer auf weißer Wand eine Schrift. Es ist kyrillisch, so dass man die Schrift nicht deuten kann.

„Ich weiß auch nicht, was das heißt“, sagt Horst Keining vor dem Bild stehend, das er geschaffen hat. Es könnte vielleicht der Text einer Betriebsanleitung sein, aber sicher sei er sich auch da nicht. Letztlich sei es auch egal, was die Schrift bedeutet, es gehe um die Geschichte, um die Anregung an den Betrachter, sich eine Geschichte um die junge Frau auszudenken, sich ins Bild zu begeben. „Man kann sich fragen, was ist mit der Frau, was passiert da, man nimmt aktiv am Bild teil“, sagt Keining.

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kultur kleve Foto: mgr
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Schrift gehört zu den wichtigen Elementen in Keinings Malerei. Sie wird zum Ornament, bringt Tiefe auf die Leinwand, weil – auch bei der schönen Raucherin – die Wahrnehmung immer springt. Was ist Vordergrund, was Hintergrund. Steht die Dame vor der Schrift oder die Schrift vor der Dame.

Klaus Ebbers zeigt ab Sonntag in seiner Galerie die neue Serie des Düsseldorfer Malers, der Keining den Titel „Klever Block“ gab. Das hat seinen Grund: Es sind „Reisebilder“, 40 mal 50 Zentimeter groß, die er „unterwegs“ malt. Das Format hat er bei einem seiner Parisaufenthalte gefunden und verwendet es, wenn er nicht in seinem eigenen Atelier arbeitet und große Formate, wie sie in seiner Ausstellung in Schloss Moyland zu sehen waren, nicht möglich sind. Die Bilder, die die Galeristen Sharon und Klaus Ebbers am Siep 7 in Kranenburg zeigen, hat Keining in Kleve gemalt. Im Atelier von Maler Gerd Borkelmann, der verreist war und das Haus nicht alleine lassen wollte.

Deshalb sind die kleinen Formate nicht gesprüht, auch wenn sie wieder in verwischt-unscharfer Technik mit sich überlagernden Ebenen wie gesprüht erscheinen mögen. Keining hat in Kleve stark mit Leinöl verdünnte Ölfarbe verwendet und dann mit Papiertüchern die Schichten weg genommen, so dass nur dünne, wie gesprühte Farbebenen entstanden. Es waren Küchentücher und auch Schminktücher, die die Farbe aufsogen und aus dem Bild herausholten. Manche der Tücher haben noch einmal zum floralen Untergrund oder zur Schrift ihr eigenes Muster in diese Farbschichten geprägt.

Natürlich ist auch eines der großen, gesprühten Formate in der Kranenburger Ausstellung zu sehen. Mit Blick darauf erinnert der Maler, wie er 2003 zur Spitzpistole kam, als er Wandbilder im Wasserschloss Mariakirchen in Arnstorf malte. Danach entstanden die gesprühten Bilder des 1949 in Hattingen an der Ruhr geboren Malers, die sein Werk heute bestimmen. In Kleve wiederum waren bis kürzlich frühere Arbeiten zu sehen. Keining untersucht in diesem Block auf dunklem Papier, wie sich der Raumeindruck durch Linien, die auf dem Untergrund gezogen werden, verändert.

Während die schöne Raucherin klar im Bild steht und sich mit den Buchstaben wechselnd um den Vordergrund streitet – das Ganze erscheint ungemein plastisch und tief – verschwimmt auf einem anderen Bild eine Personengruppe unter wunderbarem Blau. Ein anderes Bild spielt mit der Grafik von Nespresso. Man könne seine Bilder auch in der Reihe lesen wie einen Comik, sagt Keining und lacht. Kann man, muss man aber nicht – denn jedes der Bilder aus dem Klever Block lädt auch zu seiner eigenen Geschichte, immer wieder neu, konzentriert auf die abstrakte Farbe oder die Figuren im Vorder- oder Hintergrund.