Kranenburg: Lebenslieder - ein Buch des Benediktiner Thomas Quartier

Prof. Thomas Quartier aus Schottheide : Die Lebenslieder des Benediktiners

Der aus Schottheide stammende Benediktinermönch und Theologie-Professor Thomas Quartier hat ein Buch über seine Lieder geschrieben, die als Mönch und die als Jugendlicher. Es ist ein „Gespräch“ über Gott und die Musik.

Die Mundharmonika sollte ihn einholen. Der Blues, der Folk, wie Bob Dylan die Gitarre dazu, die treibenden Texte. Thomas Quartier bekam eine Spielzeugharmonika von seiner Großmutter. Und machte später den Dylan: „Die Mundharmonika wurde für mich zum Melodieträger meiner musikalischen Pubertät. Ich spielte sie auf einem Ständer um meinen Nacken, dazu Westerngitarre. Dazwischen sang ich alle möglichen Lieder: Protestsongs, Arbeiterlieder, Volkslieder“, sagt Quartier. Später sollte die Mundharmonika Staub ansetzen, weggelegt werden: Der Schottheider entschied sich für ein Leben als Mönch, wurde Benediktiner, Gelehrter, ist Professor an den Universitäten Leuven und der Radboud in Nimwegen.

Doch dann war sie wieder da, die Mundharmonika. Ein Freund schenkte ihm eine nach einem Konzert-Besuch. „Sie gehört zu deiner Identität, hat er gesagt“, erinnert sich Quartier an den Tag, als die Harmonika wieder in sein Leben trat und er das selbst auferlegte Embargo aufgab. Und sich die Frage stellte: Kann er das als Mönch, wieder die Harmonika spielen, sich an die Songs seiner Kindheit erinnern. Also setzt er sich mit dieser Musik auseinander und lädt alle zu einem persönlichen wie intensiven und gar nicht langweiligen Gespräch über Musik ein. Und wie diese Musik zum Christsein steht. Zusammengefasst hat er das in einem Buch. „Lebenslieder. Ein Soundtrack für Klosterspiritualität“ heißt das Werk und ist im Kösel-Verlag erschienen. (ISBN 978-3-466-37253-9. 20 Euro)

Der Titel ist da treffend: „Je mehr ich mich wirklich um einen persönlichen Zugang zur Gregorianik bemühte, umso mehr kam es mir komisch vor, dass ich andere Musikformen und Lieder, die sich tief in mir befanden, verdrängt hatte. Ich musste sie wieder spielen, singen und hören. Irgendwann erwachte der Begriff ,Lebenslieder’ tatsächlich zum Leben. Selbst wenn wir wollen, können wir diese Lieder nie ganz verleugnen. Wer hat keine Songs, die mit der Pubertät verbunden sind, dem ersten Kuss, dem ersten Bier oder einer Reise“, begründet Quartier die Suche nach diesen Liedern. Lieder, die nicht aufhören zu klingen und die im Laufe der Jahre immer mehr werden.

Für den Mönch wichtig ist natürlich die Musik im kirchlichen Raum, es geht um Schalmeien und Pauken, das Widderhorn und die Saiten und Flöten, die in der Bibel gepriesen werden. Aber auch um John Lennon, den Quartier, 1972 geboren, als es die Beatles schon nicht mehr gab, durch seinen Englischlehrer kennenlernte. Der schleppte ein Tonbandgerät in den Klassenraum und spielte die Beatles: „Er war ein fanatischer Fan, und die Texte waren für ihn willkommenes Unterrichtsmaterial. Wir sangen mehr schlecht als recht mit“, sagt Quartier. Lennon wurde eine Art Idol, bis er beim Buchhändler seines Vertrauens das Büchlein der Ex von Lennon fand, die ihm eine ganz andere Seiten offenbarte. Von Bob Dylan gab’s die erste Platte. Quartier reflektiert über dessen und die Lieder von Konstantin Wecker und die Songs von Joan Baez, beide Kämpfer für ihr Sache. Interessant, wie der Bruder sie mit seinem Katholizismus, dem Mönchsein konfrontiert, mit den Aussagen des Heligen Benedikt, mit der Suche nach Gott, dem eigentlichen Thema. Aber er vergisst auch nicht, zu erzählen, wie er mit dem Mikrophon, mehr schlecht als recht Lieder aufnahm, die ihm bedeutend erschienen, wie er als Abiturient vor der Pizzaria in der Nachbarstadt als Straßenmusikant sang und überraschend Kasse machte.

„Mein bisheriger Lebensweg kennt Lieder, die kommunikativ sind: sie erzählen von meinen eigenen konkreten Empfindungen. Aber ich habe im Laufe der Zeit auch Lieder kennengelernt, die mythisch sind und von der Geschichte Gottes mit den Menschen erzählen – auch mit mir. Ich wäre ohne meine Jugendlieder wahrscheinlich nicht in der Lage, heute Psalmen zu singen“, resümiert er. Und im Gegenzug: „Ohne das Echo aus den Psalmen wären diese jugendlichen Gesänge für mich heute jedoch auch nur ein Stück Nostalgie, eine tote Vergangenheit“. Musik und Spiritualität gehören eben, so sein Schluss, zusammen wie Körper und Seele.