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Kosmetik für die Seele - Klever Ausstellung durchs Schaufenster einsehbar

„A new era of glow“ : Neue Schaufenster-Ausstellung am Bahnhof

Der Klever Kunstverein Projektraum Bahnhof 25 präsentiert „A new era of glow“ der Künstlerin Claudia Reich. Die Ausstellung lässt sich von der Straße aus durchs Schaufenster bestaunen.

„Vorbei sind die Zeiten, in denen deine Seele trübe, befleckt, makelbehaftet und müde erscheint!“ Mit diesem Satz wird eine ganz neue Pflegeserie angepriesen, mit der es gelingen kann, das Innere, die Seele zu reinigen, zu pflegen und zum Leuchten zu bringen. Es erschließt sich ein vielversprechender Markt, denn kaufen geht immer. Und was lockt mehr als das Versprechen, mit diesem „neuen Zeitalter des Glühens“ sein schönes Inneres von jetzt an auch außen zu zeigen?

Die Krefelder Künstlerin Claudia Reich hat die passende Produktserie entwickelt und die beiden Schaufenster des Projektraum Bahnhof 25 in Kleve damit gestaltet. „Ich habe mir die Frage gestellt: Was wäre, wenn es Mode würde, nicht nur ein gepflegtes Äußeres zu haben, sondern auch ein schönes, gepflegtes Inneres?“, erklärt Reich. Sie hat es zu Ende gedacht und das „ironische Spiel“, wie sie es nennt, ausbuchstabiert: obwohl kein Werbeprofi, hat sie sich informiert, wie man ein Produkt entwickelt und ein Werbekonzept dazu erstellt. Daher besteht ihr Kunstprojekt „SeelenPflegeSet“ auch aus einem digitalen und analogen Teil.

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Analog sind die Schaufenster, die sie gestaltet hat. Reich nennt sie „Flagship-Stores“. Dort sind Wachsabdrücke von Kosmetikprodukten zu sehen, gestaltet in feinen, ansprechenden Pastelltönen. Dezent beleuchtet schmeicheln sie und geben dem Betrachter das Gefühl, etwas Wertvolles, sprich: Teures anzuschauen. Digital gibt es eine Homepage, die den Eindruck suggeriert, man könne diese Produkte wirklich kaufen. Mit einem QR-Code, der am Schaufenster angebracht ist, kann der Betrachter die Internetseite öffnen und in dem Pflegeprodukt-Angebot „stöbern“. Sogar Zitate vermeintlicher Verbraucher sind zu lesen, zum Beispiel „Ich wollte meinen holy glow sichtbar machen. Nach der kompletten Seelenreinigung und Pflege genieße ich nun meinen neuen Style.“ Ja, natürlich könne man die Seele nicht mit Kosmetik-Produkten pflegen, natürlich seien ihre angepriesenen Tiegelchen und Fläschchen leer und unverkäuflich, löst die Künstlerin die kleine Verwirrung auf. Sie wolle den Impuls geben für Fragen wie: Was tun wir eigentlich für die Reinheit unseres Innenlebens? Was brauchen wir, um zu leben? Greifen wir gerne schnell zu vorgefertigten und käuflichen „Pflegeserien“? Geht es uns mehr um „Schein“ als „Sein“, mehr um „Außen“ als um „Innen“?

Das Schaufensterprojekt ist „pandemietauglich“ nur von außen zu betrachten. Auch die Eröffnung findet draußen und bei jedem Wetter statt. Steffen Fischer vom Museum Goch wird die Einführung halten. „Die Künstlerin hat es auf den Punkt gebracht. Wir stehen außen und schauen nach Innen gleichsam mit unserem Innern. Der Stoff ist unendlich vielfältig und eine besondere Inspiration“, sagt er. Das Schaufensterprojekt wird am Samstag, dem 29. Januar um 16 Uhr eröffnet. Das „SeelenPflegeSet“ ist bis zum 6. März täglich zu sehen durch die beiden großen Schaufenster an der Bahnhofstraße 25.