Kleve: XOX mit Garcia Lorcas "Bernarda Albas Haus"

Neues Stück beim XOX-Theater : Fesseln einer unmenschlichen Moral

Am kommenden Freitag spielt das XOX-Theater unter der Regie von Wolfgang Paterok die Tragödie „Bernarda Albas Haus“ von Frederico García Lorca.

„Acht Jahre, das ist die Trauerzeit, und solange kommt mir nicht einmal der Wind von der Straße ins Haus. Wie hinter vermauerten Fenstern und Türen werden wir leben.“ So spricht Bernarda Alba, gerade Witwe geworden, zu ihren fünf Töchtern, alle im heiratsfähigen Alter und voll Sehnsucht nach einem Mann. Nur eine der Töchter, Angustias, die älteste, erhält die Erlaubnis zu heiraten, weil sie nicht die leibliche Tochter des Verstorbenen ist. In ihren Verlobten aber, den gutaussehenden Pepe el Romano, sind mindestens zwei ihrer Schwestern ebenfalls verliebt.

Dies ist die Ausgangslage des dramatischen Geschehens, das Frederico García Lorca in seinem Theaterstück „Bernarda Albas Haus“ erzählt. Das Ensemble des Klever XOX-Theaters hat es auf seinen aktuellen Spielplan gesetzt, Premiere unter der Regie von Wolfgang Paterok, assistiert von Ernst Hanßen, ist am kommenden Freitag um 20 Uhr.

Beim Besuch einer Probe im Obergeschoss des Fabrikgebäudes an der Briener Straße fiel sogleich das Bühnenbild auf. Schwarze und weiße Vorhänge von der Decke bis zum Boden lassen die tiefe Bühne höher erscheinen. Spärliches und schmuckloses Mobiliar unterstreicht die Strenge, mit der Bernarda, gespielt von Wencke de Jong, den Raum betritt und ihn gleichsam beherrscht, dabei nicht selten die Gertenpeitsche schwingt. Alle agierenden Frauen tragen Schwarz, die Farbe der Trauer ist hier auch Symbol für die Fessel der überlieferten aber verstörenden alten Moralvorstellung, nach der Witwe und Töchter acht lange Jahre isoliert von der Außenwelt leben müssen. Jede von ihnen versucht auf ihre Art auszubrechen. Die jüngste, Adela, zeigt ihr neues Kleid den Hühnern im Stall. Martirio leidet – ihr Name verdeutlicht es –, weil sie sich genau wie Adela ebenfalls in Pepe verliebt. Konflikte der Frauen entzünden sich auf engem Raum, Langeweile und Verzweiflung wechseln sich ab. Bernardas erbarmungslose Härte dominiert die Szenerie. Es gibt keine Männerrolle in dem Stück, nicht einmal der umschwärmte Pepe tritt leibhaftig auf. Jedoch das überkommene Bild vom Ehemann, der die Frau beherrscht, den „sie“ nur anschauen darf, wenn „er“ sie anschaut, und dem man – wie Bernarda betont – niemals seine Tränen zeigen darf, ist umso gegenwärtiger. „Den Konterpart zu Bernarda spielt Brigitte van Gemmeren in der Rolle der Magd Poncia“, erklärt Regisseur Paterok. Sie versucht zwischen Mutter und Töchtern zu vermitteln, übt eine bestimmte Art pragmatischer Diplomatie.

García Lorca beendete das Stück zwei Monate bevor er am 19. August 1936 durch spanische Faschisten im Alter von 38 Jahren ermordet wurde. Im Untertitel nennt er es eine „Tragödie von den Frauen in den Dörfern Spaniens“. Ganz bewusst kritisiert er damit frauenfeindliche und unmenschliche Moralvorstellungen der spanischen Gesellschaft der 30er Jahre. Das Stück gehört zum Repertoire vieler internationaler Schauspielhäuser. Hervorgehoben wird stets die klare Struktur und die schnörkellose Sprache (die deutsche Übersetzung stammt von Hans Magnus Enzensberger), die umso deutlicher macht, wie hart das erzählte Frauenschicksal ist und wie tragisch es enden muss. Wolfgang Paterok freut sich über sechs Neuzugänge im Ensemble, darunter auch Studentinnen der Hochschule Rhein Waal. „Das ist eine großartige Situation für unsere Arbeit“, sagt er.

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