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Kleve: Wolfgang Paterok verschenkt sein XOX-Theater

Theater in Kleve : Paterok will das XOX-Theater verschenken

Das Klever Theater mit seinem treuen Stammpublikum soll weiter existieren. Trotz des drohenden Umzugs innerhalb der XOX-Fabrik. Der Intendant will einen Aufruf an den Schauspielschulen NRW starten: Wer gutes Theater verspricht, bekommt eine Bühne.

Es klingt drastisch, nach Aufgabe, nach dem Ende. Und doch soll ein Neuanfang darin stecken: „Ich verschenke mein Theater“, sagt der Mann, der seit 1997 Jahr für Jahr mit seinen Inszenierungen die 100 Plätze in seinem Haus füllt. Mit der Inszeniereung von spannenden, unterhaltsamen, witzigen und nachdenklichen Stücken. Wolfgang Paterok sucht für sein XOX-Theater einen Nachfolger. Doch ihm geht die Zeit aus: Das Gebäude, in dem das Klever Haus sein Zuhause hat, soll abgerissen werden. Bis August 2021 kann er noch spielen. Dann muss er raus, wenn die Anrissbirne anrückt und Platz macht für ein Integrations-Hotel.

Was Paterok als Geschenk anbietet ist ein zwar kleines aber ausgewachsenes Theater. Die Bühne ist ein großer leerer Raum der sich in alles verwandeln kann: In den fernen Süden mit einem von Palmen überstandenen Haus am Meer, in eine Blockhütte irgendwo im Nirgendwo, in die Baustelle einer Bauherrengemeinschaft voller Fliehkräfte, in Bernarda Albas Haus ebenso, wie in einen modernen Salon, in dem sich drei Männer über ein Bild streiten. Ein weißes Bild.

Wolfgang Paterok lädt ins Theater (oben) ein. Foto: Markus van Offern (mvo)

Yasmina Rezas wunderbar bissiges Stück „Kunst“ (so der Titel), über Bilder und ihre Sammler, letztlich über den Menschen und seine Möglichkeit, zu lachen, eröffnete vor fast einem Vierteljahrhundert das ambitionierte Amateurtheater in der alten XOX-Fabrik. Ein Riesenerfolg, der nicht der letzte sein sollte. Trotz der Decken, in die man sich hüllen musste bei kalten Wetter, weil es keine Heizung gab, trotz der langen Winterpause. Das Haus hat Atmosphäre.

Wolfgang Patereok, der Jahrzehnte lang  zuvor im Konrad-Adenauer-Gymnasium Schülertheater inszenierte, hatte sich den Traum vom eigenen Theater und eigenen Inszenierungen erfüllt. Mit der großen Bühne hinter elektrisch betriebenem Vorhang, mit Reihen von auf Stufen montierten tiefen Plüschsesseln, mit Stoff-bespannten Wänden, mit einem kleinen Regieraum, mit professionellem Licht und vor allem mit Stücken, die begeisterten.

Das XOX-Theater hat von Beginn an ein treues Stammpublikum und wurde zur Institution. Und bekam den Kulturpreis der Stadt Kleve Doch jetzt steht das Haus, das als eines der wenigen Amateurtheater regelmäßig von Verlagen die Freigabe zur Aufführung von Stücken bekommt, die sonst nicht für Amateurtheater freigegeben werden, vor einem großen Umbruch.

Dass er das Gebäude würde verlassen müssen, war länger bekannt, sagt Paterok. Doch jetzt geht es Schlag auf Schlag. Und die Ruhe, mit der der heute 77-Jährige seine Nachfolger-Suche anging, ist perdu. Also was tun: Aufhören? „Das möchte ich eigentlich nicht, nach fast 25 Jahren einfach sang- und klanglos zumachen. Das muss erhalten blieben“, sagt Paterok. Aber mit 77 Jahren mit einem ganzen Theater in die versprochenen neuen Räume ziehen? „Richtig realistisch ist das auch nicht, wenn man mit 80 Jahren warum auch immer aufhören muss“, sagt der Theatermann. Hinzu kommt, dass die Corona-Krise die Rücklagen für den Umzug aufgefressen hat.

Auf der anderen Seite brennt in Paterok weiter das Feuer des Theatermannes, der nicht aufhören kann, der die Bühne und vor allem den Regiestuhl braucht. „Wenn wir in den neuen Räumen im Winter durchspielen könnten, wäre das auch wirtschaftlich besser“, sagt er. Eigentlich gute Aussichten. Deshalb seine Idee: Er verschenkt das Theater. Einfach so. Und auch nicht einfach so. „Ich denke da an Absolventen der hiesigen Schauspielschulen. Junge Schauspieler, die sich hier ihr eigenes Haus mit Renomee aufbauen können. Sicher, Kleve ist in der Peripherie, aber Kleve ist spannend“, sagt Paterok.

„Die könnten hier Avantgarde-Theater machen, was sie wollten. Ich hatte auch immer wieder Anfragen nach Tagungen in meinen Räumen gehabt, das könnte man auch machen. Für mich allein war das zu viel Arbeit, aber in einem Team ginge das“, sagt Paterok. Tagungen wären der Wirtschaftlichkeit zuliebe. Wenn man dann einen Förderverein hätte, der einen großen Teil der Betriebskosten (rund 10.000 Euro im Jahr) übernähme. wäre das ein weiteres Puzzle-Teil zur großen Lösung. „Wir bräuchten dazu 200 Mitglieder, die einen Jahresbeitrag von 50 Euro zahlen“, rechnet er vor. Neben den dann professionellen Inszenierungen der jungen Schauspieler könnten die Amateure weiter arbeiten, er stünde einige Jahre bereit, wenn man wolle.

„Hier sind alle Möglichkeiten offen, das ist doch spannend“, sagt er. Aber es sollte seriös sein. deshalb hat der Klever Kontakt mit den Schauspielschulen aufgenommen. Jetzt sollen dort Aufrufe folgen. Auf dass es weiter ambitioniertes Theater in Kleve gibt. Mit Yasmina Reza, Bernarda Albas Haus und neuem Theater.