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Kleve: Verdienstkreuz für Boguslaw Jan Strober

Verdienstkreuz für Musiker : Mit der Musik und Kleve tief verbunden

Boguslaw Jan Strobel bekommt das Bundesverdienstkreuz. Ein Porträt des Musikers.

Prof. Boguslaw Jan Strobel wird das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Der mittlerweile in Belgien wohnende Pianist und emeritierte Professor der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf lebte Jahrzehnte in Kleve und fühlt sich der Stadt tief verbunden. 2012 erhielt er für sein Wirken bereits den Klever Johann-Moritz-Kulturpreis. Geboren in eine Danziger Musikerfamilie – die Mutter Pianistin, der Vater Chordirigent und Geiger – wurde Strobel einerseits musikalisch geprägt, durfte seinen Weg aber ganz frei wählen. So begleitete diesen Weg die Liebe zu zwei Disziplinen gleichermaßen: zur Philosophie und zur Musik. Er legte 1970 sein Konzertexamen an der Chopin-Musikhochschule Warschau ab. Schon als Kind übte er viel und gern am Klavier und las. Im Elternhaus ging es künstlerisch und intellektuell rege zu: Mit Freunden gab es zu Jugendzeiten Haustheater und Diskussionsrunden über soziale und philosophische Themen; so studierte Strobel nicht nur Klavier, sondern auch Philosophie und Ästhetik, war anschließend Dozent dafür an verschiedenen Hochschulen. Von der inneren Spannung, sich für eine der beiden „Lieben“ zu entscheiden, befreite ihn der Zufall: 1978 trat er eine auf drei Jahre befristete Gastprofessur für Klavier an der Robert-Schuman-Hochschule in Düsseldorf an. Die politische Lage in seiner Heimat ließ Strobel in Deutschland bleiben und er verließ 2019 nach 40 Jahren die Düsseldorfer Hochschule, die sein „zweites Heim“ geworden war.

Als Pianist spielt er alles von Barock bis Moderne. Er sagt: „Ein ‚Instrumentalist‘ ist ein Handwerker. Musik ‚machen‘ ist eine außergewöhnliche Begabung. Aber ohne ein perfektes Handwerk ist man als Musiker nur ‚Dilettant‘.“ Und so ist er aufgestellt: Er erkennt den „Erziehungscharakter“ der Musik als das Hineinhören ins innere Potential und Hinführen zur Perfektion – Unterrichten ist seine Berufung.

Die Philosophie wurde seine „Lebensart“, die ihn glücklich macht: „Vielleicht in dem Sinne: viel schenken aber nicht ‚zurückerwarten‘, sonst wird dein Geschenk ein Geschäft“. Und so rief Strobel weit anerkannte und etablierte Kulturprojekte als Ideengeber sowie (bis heute) als Leiter ins Leben – uneigennützig und unbezahlt. Ein für ihn wichtigstes Projekt war im Jahr 2000 der Kompositionswettbewerb „Musik in europäischen Gärten“. Seit 1989 findet jährlich der Klevische Klaviersommer statt; seit 1995 gibt es in Goch die „Kaffeekonzerte“ und im gleichen Jahr wurde zusammen mit der Stadt Goch und der BAG Musik Niederrhein die „St(p)ringtime Streicherakademie“ für hochbegabte Kinder im Alter von elf bis 14 Jahren eingerichtet, das den Preis des Bundespräsidenten „Idee des Jahres“ erhielt. 1996 gründete Strobel im Künstlerhaus ArToll das „ArToll - Ensemble für Neue Musik“.

Eine sehr wertvolle Idee war die Einführung einer „Hohen Klasse“ für die Förderung hochbegabter Kinder an der Kreismusikschule Kleve im Herbst 2001, mit der die Kreismusikschule Pionierarbeit leistet. Der 2008 ins Leben gerufene Musiksommer Campus Cleve mit dem Heinrich-Neuhaus-Meisterkurs für Klavier begann mit drei Konzerten; 2020 werden es 130. Über die Verleihung des Ordens ist Professor Strobel stolz und glücklich: Er habe das nicht erwartet oder all das speziell dafür gemacht, er möchte Menschen den Zugang zur Musik schenken.