Klaviersommer Kleve Ein Feuerwerk an Klangfarben

Kleve · 400 Gäste beim zum zweiten Konzert des Klaviersommers im Forstgarten.

 Tobias Borsboom begeisterte beim Klaviersommer.

Tobias Borsboom begeisterte beim Klaviersommer.

Foto: Fischer, Armin (arfi)/Fischer, Armin (afi)

Ein gut aufgelegter junger Pianist aus den Niederlanden, Tobias Borsboom, bestritt das zweite Konzert des Klevischen Klaviersommers. Bei erfrischend milden Temperaturen kam der sehr natürlich wirkende, unprätentiöse Musiker auf die Bühne und spielte ganz ohne große Allüren– sein Spiel vermochte für sich zu wirken.

Rund 400 Zuhörer waren der Einladung in den Forstgarten wieder gefolgt und es ist erfreulich, welch regen Anklang auch die Einladung zu Picknick, Erholung und „Spazierhören“ fand.

Auf dem Programm standen zu Beginn Auszüge aus Franz Liszts „Années de Pélèrinage“, den „Pilgerjahren“, in denen der Komponist seine ganz persönlichen Erlebnisse, Naturerscheinungen und Bilder zu bald kühnen, bald schmeichelnden, in schroffen, aber auch in musikantisch gelassenen Zügen und Formationen festhielt.

Auch den Abschluss des Konzert bildeten Auszüge daraus – und das war recht geschickt, mit der ruhigeren Passage aus dem ersten Buch „Suisse“ – „Vallée d’Obermann“ zu beginnen und mit den „tobenden“ Passagen aus dem zweiten Buch „Italie“ – „I. Gondoliera“, „II. Canzone“ und „III. Tarantella“ zu enden. Borsboom setzte die mal herbe, mal süße Klaviermusik gekonnt im Forstgarten um.

Gerade die Tarantella am Schluss mit ihren furiosen Tonrepetitionen ist zu den schwierigsten Stücken der gesamten Liszt-Literatur zu rechnen; Vorlagen für diese drei Stücke sind italienische Canzonen, die Liszt pianistisch ausgeschmückt und – wie im Fall der Tarantella – bis in virtuose Grenzbereiche ausgeformt hat. Hier konnte Borsboom mit Virtuosität und Ausdrucksstärke glänzen.

Dieselben Hände, die Franz Liszt zum Sprechen brachten, blieben Debussy an Leichtigkeit nichts schuldig. Dessen „Estampes“ (Kupferstiche) wurden von dem Pianisten nicht zum Klangfarbenspiel abgewertet; das würde im Forstgarten unter dem Einfluss der Geräuschkulisse auch gar nicht funktionieren. Im Unterschied zu Liszt hat Debussy die fernen Örtlichkeiten Japans und Spaniens, auf welche in den Sätzen „Pagodes“ und „La soirée dans Grenade“ angespielt wird, niemals bereist. Er verstand es so meisterhaft, die Inspirationen und seinen eigenen Stil zu einer Einheit zu verschmelzen, und Borsboom setze diese inspirierte Komposition ebenso meisterhaft in Musik um.

Eine ebenfalls eigene Klangwelt erschuf Leopold Godowsky mit der „Java Suite“, ein bis dato noch nie gehörtes Werk beim Klaviersommer. Sehr schön hörte man in Borsbooms Spiel die „Chattering monkeys“; auch die exotischen Einflüsse zu „Borobodur in moonlight“ und „In the Kraton“ wurden in ein köstlich-reiches Klanggefüge übersetzt. Ein komplizierte polyphone Herausforderung, die Borsboom sehr gut meisterte.

Minutenlanger Applaus belohnte nach der Zugabe von Debussys Prélude „Feux d’artifice“, „Feuerwerk“, einem Feuerwerk an Klangfarben – so als hörte man es von Weitem – die beeindruckende Darbietung des aufstrebenden Pianisten Tobias Borsboom.