Kleve Theater mit Mariele Millowitsch und Walter Sittler

Theater in Kleve : Liebe wird niemals alt

Sittler und Millowitsch begeisterten in der Klever Stadthalle

Auch eine Lesung kann ein Theaterstück sein, mit Darstellern, Dialogen, Humor, Dramatik, und verschiedenen Schauplätzen, die  im Kopf der Zuhörer entstehen. Mariele Millowitsch und Walter Sittler lasen in Kleve aus dem Roman „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder. Die Stadthalle war voll besetzt, denn alle wollten die beiden beliebten Schauspieler sehen, die unter anderem als „Traum-Duo“ in der Comedy-Serie „Nicola“ zwischen 1996 und 2005 begeistert hatten.

Millowitsch und Sittler sind „Lore“ und „Harry“, ein Ehepaar, das auf vierzig gemeinsame Jahre zurückblicken kann. Aktuell sind sie eingeladen zur Hochzeit ihrer Tochter Gloria, die nach zwei gescheiterten Ehen nun anscheinend ihr Glück bei einem steinreichen Industriellen aus Leipzig gefunden hat. Die Eltern, über Jahre geplagt durch berufliche und private Fehlschläge der Tochter, finden diese bevorstehende Hochzeit einfach „idiotisch“. Nur Lore fühlt sich verpflichtet, hinzugehen. Harry, der seit zwei Jahren glücklicher Rentner ist und in seinem Garten Erfüllung gefunden hat, möchte am liebsten zu Hause bleiben. Im witzigen Streit der beiden kommt Einiges zur Sprache, worüber sie uneins sind. Lore ist Bibliothekarin, eigentlich wollte sie zusammen mit Harry in Rente gehen, aber es fällt ihr so schwer, sich von ihrem Beruf zu trennen. Und Lore hat ein Problem: „Altwerden ist nicht einfach, all die Verluste – Verluste von Kraft, Haaren, Zähnen, Schönheit, Libido, Verluste von Freunden und Leidenschaft“, sagt sie und stimmt dem Schriftsteller Philip Roth zu: Alter sei kein „Kampf“, es sei ein „Massaker“. Harry ist aus Lores Sicht zwar ein „Kulturbanause“, der lieber Weißbier trinkt, als Kirchen zu besichtigen, jedoch hat er den gelassenen, klaren Blick, erkennt, worunter Lore leidet und sagt dennoch: „Wie alt muss man werden, um seine Frau zu verstehen?“ Sie überredet ihn, an der Hochzeit teilzunehmen, denn man könne ja gemeinsam „lästern“. Das gelingt perfekt. Nach einem Tanz verschwinden sie in ihr Hotelzimmer und entdecken die Liebe neu. Lore ist völlig glücklich: „Wie frisch verliebt. Sind wir alte Leute? Nix da!“

Millowitsch und Sittler erwiesen sich als ideale Besetzung für den Dialogroman. Es gab viel Szenenapplaus, es wurde oft gelacht, doch die leicht erzählte Ehegeschichte hatte ein tragisches Ende – für viele Zuhörer ein spürbarer Schock, ein Raunen ging durch den Zuschauerraum. „Wer bleibt übrig?“, hatte Harry heimlich gehofft, er wäre es nicht. Lore aber geht zuerst, stirbt, kurz bevor sie in Rente geht. Walter Sittler beendete die Lesung mit einer berührenden Darstellung des verwitweten Harry, allein mit Lores Büchern, die ihr so viel bedeuteten. Einziger Trost: die „alte“ Liebe hatten sie wieder „neu“ gemacht, denn Liebe ist eben niemals alt. 

„Alte Liebe“ von Elke Heidenreich, Carl Hanser Verlag.