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Kleve: Theater im Fluss führt Hamlet auf

Theater im Fluss : Liebe, Tod und Rache

Bei der Premiere des Hamlet-Projekts kam eine Live-Kamera zum Einsatz.

Liebe, Tod, Verbrechen aus Machtgier, Rache und der Sinn des Lebens, „Sein oder Nichtsein“ – Hamlet, die Tragödie des jungen dänischen Prinzen, geschrieben von William Shakespeare etwa um 1600, verarbeitet eine Vielzahl menschlicher Gefühle. Das Klever Theater im Fluss hatte das Jahr seines 25jährigen Bestehens zum Anlass genommen, den Klassiker neu zu inszenieren.

Bei der Premiere begeisterten die neun Schauspieler des „Theaterlabors“ mit emotionaler Darstellung, Bewegung als Ausdrucksmittel und eindrucksvollem Textvortrag. „Ich bin deines Vaters Geist, verdammt auf eine Zeitlang nachts zu wandern“ – der Geist des ermordeten Vaters sprach zu Hamlet aus dem Totenreich. Geist und Stimme, eindrücklich gespielt von Tim Elze, erschienen als überlebensgroße Projektion über eine Live-Kamera, und die Zuschauer im vollbesetzten Theater erlebten hautnah, wie erschreckend für Hamlet dies war. Er erfuhr, dass sein Vater von seinem eigenen Bruder ermordet wurde, aus Machtgier und um die Witwe des Königs zu heiraten. Hamlet sollte Rache üben, geriet aber im Verlauf des Dramas immer mehr in innere Konflikte, am Ende starben mit ihm zusammen sechs Menschen. Hamlets treuer Freund Horatio musste schließlich der Welt berichten „Von Taten, fleischlich, blutig, unnatürlich, zufälligen Gerichten, blindem Mord.“

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Alina Krebbers in der Rolle des Hamlet, der aus taktischen Gründen vorgab, wahnsinnig zu sein, zeigte alle Facetten der schillernden Gestalt. Die textgewaltigen berühmten Monologe füllte sie mit Leben und Bewegung. Bewegung als Ausdrucksmittel war Regisseur Harald Kleinecke wichtig bei dieser Neuinszenierung. Vor 14 Jahren standen dem „Jungen Ensemble“ nur 16 Quadratmeter Bühne zur Verfügung. Jetzt wollten er und die Darsteller den größeren Raum nutzen. Selina Koenen als Ophelia, die unglücklich verliebt in Hamlet ist und (echtem) Wahnsinn verfällt, zeichnete mit intensiver Körpersprache die ganze Tragik der Gestalt. Das Bewegungselement während des Vortrags der teils schwierigen Textpassagen forderte Höchstleistung von den Schauspielern. Bis zum Ende der zweistündigen Aufführung hielten sie die Qualität der Darstellung auf hohem Niveau. Lennart Osterkamp überzeugte als Laertes mit flammender Wut und als Rosencrantz zusammen mit Insa Hoeing (Güldenstern) als „Auftragskiller“, die Hamlet nach dem Leben trachteten. Marina Buens als Königin Gertrude, die Mutter Hamlets, und Yannis van Soest als Claudius, der Brudermörder, vermittelten glaubwürdig das perfekte Paar, das verliebt tanzt und alles um sich herum vergisst. Yannis van Soest zeigte die Zerrissenheit zwischen Schuldgefühl und Machtgier deutlich.

Als Hamlet ihm durch ein Schauspiel den Spiegel vorhielt, kam wiederholt die Live-Kamera zum Einsatz. Sie fokussierte die Aufmerksamkeit, wo es nötig war, brach aber auch treffend die Perspektive zum Beispiel beim Wahnsinn der Ophelia. Janis Krebbers als Polonius nutzte ebenfalls intensiv die Körpersprache, um den übertrieben dienstbeflissenen Oberkämmerer des Königs überzeugend darzustellen.

Hamlets verlässlicher Freund Horatio, gespielt von Sophie Blasig, war der einzige Mensch, dem der Prinz vertrauen konnte. Seine Besonnenheit und Ruhe transportierte die Schauspielerin empathisch und mit starker Ausstrahlung.

Als Hintergrundmusik wählte Kleinecke Stücke von Pink Floyd, ACDC, Kurt Cobin, Lou Reed und anderen. Sie setzten besondere Akzente, unterstrichen die Tragik der Geschichte, die, wie der Regisseur betonte, „eine Geschichte des Scheiterns ist.“ Langanhaltender Applaus.

Weitere Aufführungen des Hamlet-Projekts – jedoch ohne die Live-Kamera – sind am 7. Juli um 20 Uhr und am 8. Juli um 18 Uhr in der Schwanenburg.