Kleve: Skulpturen von Pierre Theiunissen im Museum Kurhaus

Klever Kultur : Pierre Theunissen im Kurhaus

In der neu geordneten ständigen Sammlung des Museums Kurhaus haben jetzt die Skulpturen des in Frankreich lebenden Bildhauers aus Kleve einen festen Platz. Sie sind im Außenraum und im Innenhof zu sehen.

Die Skulptur ist wie für die Wand gemacht: Mitten unter den beiden Bogenfenstern auf der waldseitigen Wand des Museums Kurhaus fingern rhythmisch-beschwingt verschieden dicke Bohlen in den Raum. Geschichtet wie ein kantiges Gestrüpp und doch wohl geordnet sitzen sie auf einem schwarzen Rechteck. Auch die Bohlen sind geschwärzt dort oben überm Kopf des Betrachters. Am besten sieht man die Wandskulptur vom Wald aus, oder unten von der Galerie des Museums. Denn das Werk des in Frankreich bei Grasse lebenden Bildhauers Pierre Theunissen scheint sich diesen Platz gesucht zu haben. Skulpturen des 1931 in Keeken geborenen Bildhauers Pierre Theunissen sind jetzt in der Sammlungsausstellung „Wasser&Wein“ zum festen Bestandteil der ständigen Ausstellung geworden. Als Werke im Außenraum.

Das struppig störrische Werk auf der Wand aus späteren Jahren ebenso, wie jene einfache wie klare Faltung aus verrostetem Stahl auf dem Dach der Säulengalerie. Schön, dass Theunissen jetzt den Platz im großen Museum in seiner Heimatstadt bekommen hat. In Frankreich hatte man ihm vor zehn Jahren im „Centre d’Art la Mailmaison“ eine große Retrospektive mit seinen Werken eingerichtet. In dem Ausstellungspalais auf Cannes’ Flaniermeile wurden zuvor der große Arman (das Kurhaus ist stolz, eines seiner Werke zu haben) gezeigt, es waren Werke von Miró und André Masson zu sehen, der wilde Szczesny. Und eben Pierre Theunissen.

Zwar lebt Theunissen seit Anfang der 1960er Jahre an der Cote d’Azur und war im Klever Land „weg“ – und doch war er immer da, riss der Kontakt an den Niederrhein nie ab. Er erzählte im Heimatkalender seine Geschichten aus der Zeit nach dem Krieg. In Platt, der Sprache seiner Jugend. Er stellte hier aus – in Moyland, in Kranenburg, in Kleve. Seine wunderschönen Holzarbeiten gehören wie selbstverständlich in die Kirchen des Klever Landes, fanden in die Zimmer und Gärten seiner Sammler. Immer war er gern gesehener Gast, so, wie die Avantgarde Gast bei ihm in seinem Haus war. Max Ernst war da und natürlich sein Freund Beuys. Eine umfangreiche Privatsammlung mit seinen Skulpturen kam dann ans Klever Museum, die einen breiten Überblick über sein Werk bieten und die jetzt bei „Wasser & Wein“ zu sehen sind.

Darunter auch typische große Holzskulpturen, eine erinnert an eine Mutter mit Kind, faltet sich als schöne Stele empor mit einem Faltenwurf, der an die alten Meister zwei Säle weiter erinnert und sich doch modern übereinander legt (man möchte die weichen Formen anfassen, doch die Stele steht auf der anderen Seite des Fensters im Außenbereich). Wie in innigere Zweisamkeit umarmt wirkt die andere Skulptur, die an die Holzarbeit „Josephine“ von 1975 erinnert: Hier hat er weiche weibliche Formen aus dem Holz herausgearbeitet.

Hart, kantig dagegen die Stahlarbeiten von Theunissen, von denen er erzählt, dass man weithin im Tal die Schläge des Vorschlaghammers hörte, als er ausrangierten Industriestahl zerschlug und sich daran abarbeitete, um daraus später seine neuen, teils spröden Stahlarbeiten zu machen.

Mit 15 Jahren hatte er beschlossen, Bildhauer zu werden, ging beim Steinmetz Kopetzky in die Lehre und lernte „Fegen, Hühnerställe bauen und das Grobe für den Meister wegschlagen“, wie er sich erinnert. Er arbeitet bei Sabisch in Kalkar, studiert Bildhauerei an der Akademie in Düsseldorf, ist mit Maywald in Paris, trifft die europäische Künstleravantgarde, heiratet 1963 die Malerin Janine Enaudi.

Holzskulptur mit Faltungen im Außenraum. Foto: Markus van Offern (mvo)
 „Josephine“ wie eng umschlungen im Innenhof. Foto: Markus van Offern (mvo)

Kleves Museumsdirektor Harald Kunde ist froh, die Skulpturen des französischen Klevers präsentieren zu können, die als Schenkung nach Kleve gekommen sind: „Drei Skulpturen und eine Wandarbeit stehen prominent im Innenhof des Museums und transformieren ihn in einen regelrechten Skulpturengarten“, sagt Kunde.

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