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Kleve: Sieben Kunstwerke für die Meinungsfreiheit

Kleve : Sieben Kunstwerke für die Meinungsfreiheit

Zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl stellt die Klever Buchhandlung Hintzen Werke über die Widerstandkämpferin vor. Dazu erschien eine Kunstmappe, die sieben Werke des Kranenburger Galeristen Klaus Ebbers zum Thema Freiheit zeigt.

Orange steht die Schrift auf grauem Grund und kündet von der Freiheit: „Liberté“. Es ist eine schlichte graue Pappmappe, die sieben Blätter mit Linolschnitten birgt, die alle von der Freiheit künden sollen. Es geht um die Freiheit der Meinung in Schrift und Wort. Um die Freiheit, die sich Sophie Scholl nahm und die sie das Leben kostete. Denn Scholl wagte es, in der Diktatur der Nationalsozialisten zum Widerstand gegen das Regime aufzurufen. Sie wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und durch die Guillotine hingerichtet: „Der Volksgerichtshof verurteilte am 22. Februar 1943 im Schwurgerichtssaal des Justizpalastes in München den 24 Jahre alten Hans Scholl, die 21 Jahre alte Sophia Scholl, beide aus München, und den 23 Jahre alten Christoph Probst aus Aldrans bei Innsbruck wegen Vorbereitung zum Hochverrat und wegen Feindbegünstigung zum Tode. Das Urteil wurde am gleichen Tag vollzogen“, berichtete die Salzburger Zeitung am 24. Februar 1943. Am 9. Mai wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden.

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„Wir wollen zusammen mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels an die Charta der Meinungsfreiheit erinnern“, sagt Sigrun Hintzen von der gleichnamigen Buchhandlung in Kleve. Sie sitzt zusammen mit dem Kranenbruger Galeristen Klaus Ebbers auf Corona-Abstand an einem kleinen Tisch in der Buchhandlung, hinter dem sonst Autoren aus ihren Werken lesen. Auf dem Tisch liegen Bücher über Sophie Scholl und eine Mappe von Kaus Ebbers.  Die sieben Werke aus der Mappe sind gegenüber auf kleinen Staffeleien ausgestellt. Von der Mappe, die 390 Euro kostet, gibt es elf Stück. Geschaffen hat die Arbeiten der Galerist persönlich.

  Klaus Ebbers und Sigrun Hintzen mit der neuen Mappe zum Andenken an Sophie Scholl . Die sieben Bilder der Mappe und Bücher zum Thema werden bei Hintzen gezeigt.
Klaus Ebbers und Sigrun Hintzen mit der neuen Mappe zum Andenken an Sophie Scholl . Die sieben Bilder der Mappe und Bücher zum Thema werden bei Hintzen gezeigt. Foto: Matthias Grass

„Ich hatte immer vor, eine Mappe zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl herauszugeben. Wir konnten uns aber nicht auf einen oder mehrere Künstler festlegen“, sagt der Galerist, damit kokettierend, dass Galeristen eher nicht selber die Kunst machen, die sie zeigen. Man habe zwar eine Form vor Augen gehabt, was man in einer solchen Mappe machen wolle, aber nicht, wie sie letztlich aussehen soll und welche Künstler es machen könnten.  „Dann bin ich irgendwann zum Schluss gekommen, es selber zu machen“, sagt Ebbers. Der Kranenburger arbeitet nicht das erste Mal künstlerisch – vor einigen Jahren gab er unter einem Pseudonym Kunstkarten heraus, die auch bei Hintzen zu sehen waren. Zudem ist Klaus Ebbers in dem einen oder anderen Kalender der Gocher Art Connection von Konrad Stüven mit einem Blatt vertreten. Also habe er die Ruhe der Corona-Zeit genutzt, selber zum Messer zu greifen und ins Linoleum zu schneiden. Assoziativ sei das gewesen, die Blätter seien deshalb auch abstrakt zu verstehen, jeder könne die einzelnen Bilder auf seine Weise interpretieren. Er habe intuitiv ins Linoleum geschnitten und die Drucke später aquarelliert. „Wir haben auch viele Blätter verworfen“, fügt er an.

Die einzelnen Blätter haben ungefähr DIN-A-3-Format, die Druckplatten haben unterschiedliche Größen. Es sind Schwünge darauf, die man – an die berühmte Szene zur Weißen Rose denkend – als die Flugblätter interpretieren kann, die durch die Aula der Ludwig-Maximilian-Universität in München schwingend zu Boden taumeln und von der Freiheit künden. Oder auch als Vögel – schließlich sei Fliegen irgendwie das Synonym für Freiheit, sagt Ebbers. Ein rotes Blatt scheint wiederum an den Tag der Bücherverbrennung zu gemahnen: Gerade Balken unterschiedlicher Höhe reihen sich zu einer regelrechten Bücherwand. Ein anderes mahnt an einen Vorhang, der fällt, und ein weiteres an eine Reptilienhaut, von der sich die Schlange befreit hat, so Ebbers. „Mir ist wichtig, dass jeder darüber nachdenkt, wie er sich verhalten hätte, oder wie seine Großeltern sich verhalten haben, wer den rechten Arm gehoben hat, und wer nicht“, sagt Ebbers.

Sigrun Hintzen möchte die Mappe zusammen mit den Büchern über Sophie Scholl, beispielsweise der hervorragenden Scholl-Biographie von Barbara Beuys, vorstellen. Es gehe bei der Aktion des deutschen Börsenvereins um den 100. Geburtstag von Sophie Scholl (9. Mai), den Tag der Bücherverbrennung (10. Mai) und den Tag der Pressefreiheit (3. Mai). Wobei letztere auch heute in Deutschland eingeschränkt wird. Und das nicht von einer Diktatur, sondern von Menschen, die die Pressefreiheit behindern und sich dabei auch noch auf Freiheit berufen.