Kleve: Reihenkonzert Kleve mit „I Zefirelli“

Reihenkonzert Kleve : Mit Händel beim Bier im Pub

Reihenkonzert mit „I Zefirelli“: Virtuose Leistungen jedes Einzelnen.

„Kommt Herr Händel in einen Pub…“ – so beginnt kein Musikerwitz, sondern der Grundgedanke des Programms, mit dem die Truppe „I Zefirelli“ das vierte Reihenkonzert in der Stadthalle bestritt. Was passiert, wenn Barockmeister der höfischen Musik den Komponisten der Unterhaltungsmusik guter Londoner Tradition ihrer Zeit begegnen? Dieser spannenden Frage gingen die sechs „I Zefirelli“-Mitglieder nach und spielten dafür auf Nachbauten barocker Instrumente mit Barockvioline, Blockflöte, Barockcello, Laute, Barockgitarre, Cembalo und Tambourello.

Beim Lesen des Programms kam viel Vorfreude auf eine unterhaltsame Runde in einem „etwas größeren Pub“ wie der Stadthalle auf; und diese Vorfreude wurde vor allem in der zweiten Konzerthälfte bedient. In der ersten erfreuten zwar die spritzigen Jigs und Figs, während die höfischen Musikanteile sich etwas in die Länge zogen, wie z.B. die (sehr wohl gut gesungene und vorgetragene) „Cantata XXIV“ von Händel. Der Esprit der „barocken Pub-Musik“ hingegen brachte Füße zum Wippen; die Corelli-Improvisationen über den feurig-schnellen Tanz „La Folia“ (folia bedeutet „übermütige Ausgelassenheit“) bewiesen bereits die Spielfreude der jungen Musiker wie im „Pauls Steeple or the Duke of Norfolk“ als schmissiger Übergang zur Pause.

Nach der Pause dann Freude über den Effet von Händels fünfsätziger Sonata d-Moll HWV 367a, den Dowland-Song „Can she excuse my wrongs“ und vor allem das gemeinsam gesungene „Greensleeves“ – auch als Sänger machten sich die Musiker ausgesprochen gut. Das Ensemble „I Zefirelli“, was übertragen „Wirbelwind“ heißt, war dann wohl voll auf der Klever Bühne „angekommen“ und wirbelte schön miteinander ein Mattheis-„Ground after Scotch humour“; vor allem die abschließenden „Old Scot Tunes“ mit Variationen zum Ende des Konzerts begeisterte mit unverblümter Expressivität und mit Charme bei einem verschmitztem musikalischem Schlagabtausch, für den sich „I Zefirelli“ in zwei „konkurrierende“ Truppen aufteilten.

Erwähnenswert wären die virtuosen Leistungen jedes einzelnen – besonders auf den barocken Instrumenten, die in Intonation und Handhabe bekanntermaßen ihre Tücken mitbringen und deren Klangfarben hier wunderbar ausgeschöpft wurden - doch sei an dieser Stelle besonders das Spiel an dem von Georg Neinhuis bereitgestellten Konzertcembalo (und dabei auch das Instrument selbst, das kurz zuvor als Teil eines Konzert von Cecilia Bartoli diente!) hervorgehoben sowie die allgemeine Spielfreude der sechs Künstler, die das Publikum wohl erreichte. Da wurde alte Musik wunderbar entstaubt, das zur Pause angebotene irische Guinness hätte nicht passender sein können – lobenswert also auch die Liebe zum Detail zugunsten der Atmosphäre des Konzerts, das mit viel Applaus beschlossen und belohnt wurde.