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Kleve: Pierre Theunissen gestorben

Kleve : Pierre Theunissen gestorben

Der Künstler aus Kleve schnitzte in Palmholz und schuf monumentale Eisenskulpturen. Seine Werke sind in Museen wie Moyland, Kleve und Cannes.

KLEVE Pierre Theunissen ist tot – er starb fast 90-jährig in seiner Heimat in Südfrankreich. Pierre Theunissen lebt – in seinen in Holz geschnitzten wunderbaren Skulpturen, in seinen stählernen Monumenten, in seinen Werken in Kirchen oder in Privatbesitz, in Museen wie in Moyland und Kleve und Cannes. Und in den Geschichten, die der grandiose und gestenreiche Erzähler im Klever Heimatkalender veröffentlichte, die von der Zeit nach dem Krieg erzählten, von der Emanzipation aus dieser engen Welt, vom Weg aus der Provinz in die Metropole und schließlich in die Fremde, die zur Heimat wurde. Sie erzählen von einem Mann, der sich abarbeitete an harten Materialen wie Palmholz, aus dem er wundersam weiche Figuren schnitt, oder wie dem störrischen Stahl, der von ihm ausgeschnitten und aufgefaltet sich zu bewegen schien.

Sein Leben liest sich wie ein Film vom jungen Wilden, der ausbricht, der bei Hanns Lamers auf eine Bohéme mitten in der niederrheinischen Provinz trifft: auf Beuys und den Maler Schoofs, den Galeristen Bloch und den Fotografen Maywald, die Sammler van der Grinten. Das begann 1950. Nach verschiedenen Ausbildungen und Arbeit im Atelier von Bildhauer Sabisch studiert er an der Akademie in Düsseldorf. Fotos aus der Zeit zeigen ihn verwegen mit Kappe an seinem Studienort. In Berlin studiert er von 1956 bis 58 bei Hans Hartung. Dann geht er nach Paris. In der Seine-Metropole trifft Theunissen den Klever Fotografen Willy Maywald wieder, der ihn nach Grasse einlädt. Er begegnet Yves Klein, Jean Tinguely, Arman, nicht zuletzt Picasso. Dann Chagall. Das komplette „who is who“ der Nachkriegs-Avantgarde.

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Mit 15 hatte Pierre Theunissen beschlossen, Bildhauer zu werden, ging beim Steinmetz Kopetzky in die Lehre, es folgte eine Tischlerlehre bei Matenaer in Materborn, wo er „etwas Schreinerberuf“ lernte, wie er süffisant später anmerkte. Es waren die handwerklichen Fähigkeiten, die ihm in Frankreich zunächst den Lebensunterhalt sicherten. Eigentlich wollte er nach Afrika, aber er kam nur bis Les Veyans, baute eines der Häuser, das sich oben in den Berg krallt, aus. Dort lebte er mit seiner Frau, der Malerin Jeanine Einaudi, die er 1963 heiratete. 1965 wird er Franzose. Frankreich ehrt seinen neuen Sohn später mit einer großen Retrospektive in Cannes direkt an der Promenade.

Gäste waren dem Klever Franzosen immer willkommen: Max Ernst war hier und auch der schwere Bentley von Joseph Beuys tastete sich die schmale Straße hinauf: Beuys besuchte seinen Freund mit der ganzen Familie. Theunissens künstlerische Produktivität blieb über die Jahre ungebrochen, zuletzt kaufte ein Sammler große Teile seines Werkes.

Jetzt ist Pierre Theunissen tot. Er lebt in seinem Werk weiter.