Kleve: Museum Kurhaus kauft zwei Zeichnungen von Andreas Schmitten

Zeichnungen fürs Kurhaus : Museum Kurhaus kauft Schmitten an

Die Skulpturausstellung 2018 war ein großer Erfolg. Geblieben sind dem Klever Museum Papierarbeiten.

Ein junger Bildhauer hatte es den Klevern im vergangenen Jahr angetan: Die Skulpturen, die der Mönchengladbacher Andreas Schmitten im Sommer 2018 im Museum Kurhaus zeigte, haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Museumsmannschaft und Förderverein waren sich einig, dass es schön sein würde, etwas von Schmitten für das Museum zu erwerben. So ist es nun tatsächlich gekommen: Ein Werkkomplex, bestehend aus drei großformatigen Zeichnungen, wurde erworben und der Presse jetzt vorgestellt.

„Ohne Titel“ heißen die drei Arbeiten aus den Jahren 2017 bis 2019, und sie sprechen in der Tat für sich. Ein Mann und auf dem nächsten Bild eine Frau sind zu sehen, beiden wird mit einem mächtigen Messer der Kopf geöffnet. Nicht gespalten in einem Akt barbarischer Grausamkeit, sondern eher sachlich zum Zwecke des Hineinsehens. „Die Zeichnungen erinnern an Betriebsanleitungen“, meint Museumsdirektor Harald Kunde. So, als könne der Betrachter sich durch die Öffnung der beiden Schädel ein Bild von den Gedanken oder der Persönlichkeit der Betroffenen machen. „Die überaus nüchterne, aber auch tragikomische Art und Weise dieser Prozedur besitzt surrealistische Eigenschaften“, sagt Kunde.

Das dritte Bild ist die Synthese aus den vorangegangenen Arbeiten und zeigt Mann und Frau in einem. Was in ihrem gemeinsamen Kopf los ist, möchte man sich lieber nicht vorstellen. Die anonymen Figuren – sie leicht lächelnd, er völlig ausdruckslos – wurden nämlich nicht um Fehlendes ergänzt, vielmehr wurden die beiden unteren Kopfhälften zusammengefügt. Mag sein, dass nun Einigkeit zwischen den Geschlechtern herrscht, aber zu welchem Preis? Die drei gerahmt etwa lebensgroßen Arbeiten, mit Bunt- und Pigmentstift als Büsten auf Papier gebracht, können jetzt von allen Besuchern des Kurhauses betrachtet werden.

Die Galerie Schönewald in Düsseldorf, die Andreas Schmitten vertreibt, hat dem Klever Museum die dritte Papierarbeit geschenkt. Harald Kunde und seine Kollegin Valentina Vlasic sind stolz auf die Neuerwerbungen, denn sie halten Andreas Schmitten genauso wie seine Galeristin Ulla Ganzfort für einen Künstler mit ganz viel Potenzial. „Im Nachgang zu Kleve hatte Schmitten fünf weitere Ausstellungen, unter anderem in Erlangen und Düsseldorf“, berichtet Ganzfort. Und sie stellt fest, dass sich die Arbeiten, je nachdem, in welchem räumlichen und inhaltlichen Kontext sie gezeigt werden, immer wieder anders darstellen, das sei sehr spannend.

Da die Papierarbeiten Schmittens als Einführung in seine Bildhauerarbeiten zu verstehen seien, könne verschmerzt werden, dass das Kurhaus keine Skulptur behalten konnte, so Kunde. Er dankte dem Freundeskreis und der Förderstiftung, die es dem Museum ermöglicht hätten, innerhalb weniger Jahre große Strahlkraft zu enwickeln.

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