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Kleve: Museum Kurhaus kauft Stillleben-Serie von Evelyn Hofer

Museum Kurhaus Kleve : Moderne barocke Lebensfreude

Das Museum kauft mit Hilfe des Landes NRW und des Freundeskreises eine Stillleben-Serie der amerikanischen Fotografin Evelyn Hofer an. Die acht Werke werden im Rahmen der Viehof-Ausstellung „Freischwimmer“ gezeigt.

KLEVE  Satt ist die Farbe, samtig wirken die Oberflächen, warm der Ton der Bilder, die wie aus dem Barock kommend in der Moderne gelandet zu sein scheinen. Herrliche Trauben türmen sich neben wie gemalte Äpfel, Zitronen schimmern in perfekter Ausführung. Die Zinnkanne mit kühlem Wasser steht griffbereit daneben, der Henkel leuchtet vor tiefdunklem Hintergrund. Auberginen liegen vor einer mattgrünen, samtgriffigen Flasche Cognac oder Armagnac. Stillleben wie gemalt, wie aus dem Barock.

Doch es sind Fotos aus der Moderne, Mitte der 1990er Jahre im Studio in New York gemacht von der 2009 verstorbenen deutschstämmigen Fotografin Evelyn Hofer. Deren Familie floh vor den Nazis über Südamerika in die USA. In den 1960er Jahren machte sie nach einer klassischen Fotografenausbildung  Karriere als Reportage-Fotografin für große US-Magazine. Das Museum Kurhaus Kleve hat die acht Bilder umfassende Serie jetzt für seine Sammlung mit Hilfe des Landes NRW und des Freundeskreises der Klever Museen angekauft. Zu sehen sind sie im Rahmen der Viehof-Ausstellung „Freischwimmer“.

Evelyn Hofer war eine Pionierin ihres Fachs, eine der ersten Frauen, die  von diesem freien Job leben konnten und anerkannt waren. Es ist das Spätwerk der Fotografin, die jüngst im Klever Museum eine große Ausstellung hatte. Dass die Fotos die gemalte Anmutung haben, sei, so Susanne Breidenbach von der Galerie m in Bochum, nicht nur der aufgewendeten Zeit geschuldet, mit der Hofer die Szenerie einrichtete. Sie habe auch eine Foto-Linse aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts im Spiel und ein besonderes Druckverfahren, mit dem Fotos abgezogen wurden.

Kleves Museumsdirektor Harald Kunde sah die Serie erstmals in einer großen Schau des spanischen Barockmalers Francisco de Zurbarán im Düsseldorfer Museum Kunstpalast, denen der damalige Kunstpalast-Chef Beat Wismer jene Bilder Hofers gegenüberstellte. Kunde war begeistert von den späten Fotos der 1922 in Marburg geborenen Künstlerin. Er  organisierte die große Hofer-Ausstellung Anfang 2019. Immer auch mit dem Blick auf das Spätwerk, die barocken Lebensbilder, die einerseits perfekt in die fotografische Sammlung des Museums passen und die andererseits den Bogen zur Barockkunst in der Museumssammlung schlagen.

Ein Ankauf stand im Raum und wurde beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft beantragt. Rund 80.000 Euro waren zu finanzieren, davon übernahm das Land 80 Prozent, der Freundeskreis 20 Prozent. Jetzt gehören die Bilder im Besitz des Freundeskreises zur Sammlung des Museums, wie sich die stellvertretende Vorsitzende der Freunde, Jutta Tönnissen, freute.

„Diese Stillleben stehen im Gegensatz zur Schnappschuss-Ästhetik moderner Street-Fotografie. Sie zeigen die Präzision des bildnerischen Aufbaus, wie wir sie auch in den frühen Stadtporträts Hofers finden“, sagt Kunde. Es sei eine fotografische Präzision, die hier zu Ende geführt worden sei: Sowohl im sorgfältigen Aufbau des Motivs als auch in der perfekten fotografischen und  technischen Umsetzung von Aufnahme bis Abzug. „Wir haben es hier mit klassischer analoger Fotografie zu tun“, sagt Kunde. Es seien Bilder, wie für die Ewigkeit gemacht. So fehle auch bei Hofer der Vanitas-Gedanke an die Vergänglichkeit, der die barocken Gemälde beherrsche. „Sie will das Wesen der Dinge erfassen und verewigen. Da ist keine Vanitas, da ist eher die Sehnsucht nach Unsterblichkeit“, sagt er.

Die Bilder Hofers sind so genannte Vintage-Abzüge, also Fotos, die im Beisein der Künstler angezogen und später von ihr signiert wurden, sagt er. Wie viele Abzüge es von den einzelnen Bildern gebe, wisse man nicht. Aber das Kurhaus sei das einzige Museum, das die komplette Serie habe.