Kleve. Luzia und Cosmas (beide vor 1500) fürs Museum Kurhaus gewonnen

Museum Kurhaus mit spektakulärer Neuerwerbung : Luzia und Cosmas sind die neuen Stars

Durch die finanzielle Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Rudolf-August Oetker-Stiftung für Kunst konnte das Museum Kurhaus zwei spektakuläre Heilige aus Holz von 1474 und 1500 gewinnen.

Luzia hält mit schlanken eleganten Fingern das aufgeschlagene Buch in der Hand. Weich fallen ihre langen Locken über die Schulter, der Blick ist ins Buch vertieft, es scheint, ihr Mund lächle angesichts des Textes, den sie liest. Ein reich verziertes Band hält ihr Haar, so dass es ihr nicht ins Gesicht fällt und beim Lesen stört. Sie hat einen Mantel aus schwerem Stoff umgelegt, der in vielen Falten geschlagen die schlanke Figur umhüllt. Ihr Kleid ist am dezenten V-Ausschnitt reich verziert, über den eine Kordel den Mantel zusammenhält. Die linke Hand ist abgespreizt als unterstreiche sie mit leichten Bewegungen der Finger den Fluss des gelesenen Wortes. Das Wort, das bei Gott war, denn es ist die Bibel, die Heilige Schrift, in der Luzia so ganz und gar vesunken ist.

Luzia ist ein in Eichenholz geschlagenes Meisterwerk. Sie gehört jetzt zu den Stars der Klever Mittelaltersammlung und steht unter gewienerter Glasvitrine mitten im Katharina-von-Kleve-Saal. Zusammen mit dem Heiligen Cosmas kann sie dank finanzieller Unterstütztung der Ernst von Siemens Stiftung und der Rudolf-August Oetker-Stifter für Kunst (Cosman) als Neuzugang des Museums Kurhaus von Direktor Harald Kunde, Kuratorin Valentina Vlasic und der stellvertretenden Vorsitzenden des Freundeskreises, Jutta Tönnissen, vorgestellt werden.

Im Hals der Heiligen steckte einst ein Schwert. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die Heilige aus Holz ist über 500 Jahre alt und aus der Hand von Meister Arnt von Kalkar und Zwolle, der die Heilige um 1474 geschnitten haben soll. Damit gehört sie ins Umfeld des Chorgestühls der Minoritenkirche in Kleve, das zur gleichen Zeit entstand. Arnt Beeldsnider ist zu dieser Zeit in Kalkar nachweisbar und arbeitet am Hochaltar von St. Nicolai. Er hat auch den dortigen Georgs-Altar geschaffen. Und eben die Luzia, die Heilige des Lichts, die Heilerin, die auch Augenkrankheiten bessern konnte. An ihrem Namenstag am 13. Dezember ziehen in Schweden Prozessionen mit Kerzen durch die Straßen, erzählt Kunde.

Valentina Vlasic, Harald Kunde und Jutta Tönnissen (v.l.) im Katharina-von-Kleve-Saal. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Luzia soll sich um 300 der Kirche verschrieben und ihren Erbanteil an die Armen gegeben haben. Nachdem sie deshalb ihre Verlobung löste, wurde sie dem römischen Richter vorgeführt. der wollte die keusche Jungfrau ins Bordell stecken, erzählt die Legende. Aber weder tausend Männer noch ein Ochsengespann noch siedendes Öl konnten die Frau bewegen. Also stieß ihr ein Henker ein Schwert durch den Hals.

Das Schwert im Hals der hölzernen Luzia hat die letzten Jahrzehnte nicht überdauert – es gibt aber aus der Sammlung Langenberg ein Foto, wo es noch in ihrem Hals steckt. So wie sie im 15. Jahrhundert von Meister Arnt geschaffen wurde. Die Mordwaffe des Henkers ist verloren gegangen, nachdem sie zunächst in die Sammlung Langenberg und dann um 1930 in die Sammlung Helfer kam.

Die Sammlung Helfer hat damit bis auf wenige Stücke im Klever Museum eine neue Heimstatt. Denn auch Cosmas stammt aus dieser Sammlung. Die Figur wird dem Umfeld oder der Werkstatt Arnts zugerechnet und soll um 1500 geschnitzt worden sein. Cosmas ist Arzt und sein Attribut ist das Uringlas. Er tritt meist zusammen mit Damian auf . So betilte Josef Beuys einmal auf einer Postkarte die vernichteten New-Yorker Twin-Tours als Cosmas und Damian. Bis heute ist es nicht gelungen die Figur eindeutig einzuordnen, da sie 1902 das letzte Mal öffentlich zu sehen war und danach nur in bürgerlichen Wohnzimmern stand. Auch Cosmas hat einen Ehrenplatz inmitten des Saales bekommen.

Begutachtet haben die Figuren die Mittelalterspezialisten Moritz Woelk vom Schnütgen Museum in Köln (das bereits eine Luzia aus der Sammlung Helfer hat) und Guido de Werd (Köln), der frühere Direktor der Klever Museen. Über den Preis schweigt man sich aus, da die Rudolf-August Oetker-Stiftung grundsätzlich keine Auskünfte erlaubt. Blickt man auf die Heiligen Drei Könige von Douverman, dürften die Figuren im sechstelligen Euro-Bereich gelegen haben. Es ist ein immens wichtiger Ankauf für das Museum Kurhaus, den die Freunde des Museums mit Kunde und Vlasic in kurzer Zeit organisiert haben. Will man den „Zauber des Originals genießen“ (so Kunde) muss man sich beeilen: Die beiden Figuren gehen als Leihgabe für eine Ausstellung ab April ans Schnütgen-Museum nach Köln.