Kultur im Hallenbad : Das ist die perfekte Welle

Die „Kulturwelle“ bietet zwei Wochen volles Programm. Mit Kunst, Konzerten, Theater und Comedy und einer Ausstellung wird das alte Klever Hallenbad im Januar von der freien Szene verabschiedet.

Mit einer ausladenden Bewegung und einem leuchtenden Strahlen im Gesicht weist der Jazzer mit einer Halbdrehung und ausgestreckter Hand in die vage Richtung hinter sich: „Da kommt die Bühne hin“, sagt Daniel Ziegler. „Da“, da ist jetzt noch Wasser, und „Da“, da wird auch später noch Wasser sein. Nur nicht mehr ganz so viel. Denn „Da“, das ist das Schwimmerbecken des alten Klever Hallenbades, das jetzt geschlossen ist und von dem sich die freie Klever Kulturszene gebührend verabschieden will. Mit der Klever „Kulturwelle“.

Ziegler trägt Bademantel und Haare auf den Beinen – so, wie alle anderen der freien Szene rund um Bruno Schmitz auch. Denn die stellten Montag bei fast tropischen Innentemperaturen die perfekte Welle für das Klever Bad vor. Eine Welle aus geballter Kultur. Denn ein „less is more“ á la Bauhaus-Architekt Mies van der Rohe kommt für die Freie Klever Kulturszene nicht in Frage. Sie mag lieber geballten Barock im Überschwang, vielleicht ganz im Sinne des in Kleve immer noch verehrten Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen, dessen Büste trotz Sklavendiskussion im Klever Museum ja stehen bleiben durfte.

Barocker Überschwang: Das heißt zwei Wochen lang jeden Tag mindestens einen guten Grund zu haben, lebendige Kultur im alten Bad zu erleben: Kleinkunst von Cinque mit – na klar – Bademeister Schaluppke. Konzerte von der Singgemeinde, dem Weltmusikchor und nicht zuletzt von der Tonstörung, eine Klanginstallation von Daniel Ziegler mit improvisierter Musik zu elektronischem Sound, darunter auch Aufnahmen aus dem Schwimmbetrieb des Bades. Es gibt hier einen Film am Mittwoch der Tichelpark-Cinemas von Reinhard Berens. Theaterimprovisationen vom Theater im Fluss rund um Harald Kleinecke. Oder einen Abend am Strand bei wiederum tropischen Temperaturen mit Musik unter anderen von Thomas Geisselbrecht und Steph Rausch, die mit ihren Gitarren an die bekanntesten Strände weltweit entführen und zum Cocktail einladen. Die Jazzfreunde werden hier gastieren, die Kreis Klever Musikschule und das Haus Mifgash mit KleFor und Bandena, wie Ron Manheim betont. Es wird eine Krimi-Lesung geben und DJ Mike lädt ein zur Disco von „Abba bis Zappa“. Es kommt das Mokes Trio und schließlich die EinKlangBand mit Christoph Frauenlob.

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Frauenlob wird auch eine wunderbare Ausstellung rund um das Klever Bad einrichten. Entlang der Treppen und Wände erzählt er in Fotos und Gegenständen die Geschichte des Bades seit 1908 (alle, die alte Fotos, Badeanzüge oder andere Accessoires haben, bitte melden: www.frauenlob.org). Max Knippert möchte mit den Türen aus dem Bad eine Brücke hinaus bauen und Steph Rausch und Daniel Ziegler werden eine Wand- bzw. Bodeninstallation in der Herren- bzw. Damendusche einrichten

Harald Kleinecke hat, damit die Kulturwelle im Hallenbad möglich wird, formhalber für das Theater im Fluss einen Bauantrag gestellt, das Bad in eine Veranstaltungsstätte zu verändern. David Wiederhold von der Planwerkstatt in Bedburg-Hau, das eine lange Erfahrung mit vorübergehender Architektur von Event-Stätten hat, plant Bühne und Tribüne. „Wir werden im Schwimmerbereich eine rund fünf mal acht Meter große Bühnenfläche bauen. Die Bühne wird 2,2 Meter hoch werden“, erklärt der Architekt. 1,8 Meter im Bad werden dann wieder geflutet. Genau so viel, dass der Nichtschwimmerbereich des Beckens trocken bleibt. Das muss er auch, denn dort entsteht die Tribüne für die Gäste. Hans Bernd de Graaff wird darauf eine Traverse für Licht und Ton errichten, an die eine große Videoleinwand hängt – bereit für Bilder im Bad. Die Bühne schwebt einen halben Meter überm Wasser.

Daniel Ziegler arbeitet an seiner Instalation, die noch mit Kunstharz übergossen werden soll. Foto: Markus van Offern (mvo)
Daniel Ziegler arbeitet an seiner Installation, die noch mit Kunstharz übergossen werden soll. Foto: Markus van Offern (mvo)

„Wir werden hier eine Bühne im Wasser wie in Bregenz haben“, sagt Bruno Schmitz im barockem Überschwang. Schließlich steht auch die James-Bond erprobte Bregenz-Bodensee-Bühne im Wasser. In Kleve beginnt das Festival auf der Badbühne am Samstag, 19. Januar, 19 bis 22 Uhr, mit einer Ziegler-Klanginstallation, die Eröffnung ist am 20. Januar ab 11 Uhr mit einer Begrüßung durch die Stadtwerke und die Bürgermeisterin, schließlich haben Stadtwerke und Stadt das Unterfangen Kulturwelle bezuschusst. Dazu tritt der MGV Materborn auf, Thomas Geisselbrecht und Anja Willkin und das Duo Vollrausch. Die Abschlussfeier ist am Sonntag, 3. Februar, ab 11 Uhr mit dem Theater im Fluss und mit Tangomusik.