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Kleve: Julia Moebus-Puck erforscht einen Nachlass zu Richard Long

Museum Kurhaus Kleve : Die Schatzsuche im Nachlass

Julia Moebus-Puck erforscht in Kleve den Nachlass des Niederländers Gerard Vermeulen, der seine umfangreiche Sammlung zum britischen Land-Art-Künstler Richard Long dem Museum Kurhaus vermachte.

Gerard Vermeulen war Sammler. Sammler all dessen, was irgendwie mit dem bekannten britischen Land-Art-Künstler Richard Long zu tun hatte. Der Niederländer war begeistert von dem Mann, der Kreise ins Grün der Landschaft schritt, Steinzeichen aufhäufte oder in einer Aktion die Loire entlang wanderte, bis er die erste Wolke am strahlend blauen Himmel entdeckte und daraus wunderbare Kunst machte. Kunst, die vor Ort entstand und irgendwann durch Wild und Witterung verschwand. Kunst, die Long von seinen Aktionen als Grafiken und Auflagen herausgab und nicht zuletzt die Kunst, die heutzutage in jedem Museum, das etwas auf sich hält, zu sehen ist: Steinkreise aus großen oder kleinen Brocken oder Wandgemälde aus Schlamm. Richard Longs Kunst ist auch Teil der Sammlung des Museums Kurhaus Kleve. Das Labyrinth aus Rhein-Schlamm an einer Wand des Kurhauses und vor allem die „Flint-Line“ aus Feuersteinen, die wie für das Kurhaus gemacht der Göttin Minerva zu Füßen liegt.

Long und Kurhaus und Vermeulen sind lange freundschaftlich verbunden, Long hatte zwei beachtliche Ausstellungen, von der die Grafik-Schau (mit den Wolken der Loire) auch in der Hamburger Kunsthalle zu sehen war. Gerard Vermeulen war zur Diskussion im Resonanzraum Kunst eingeladen und man erlebte sein scheinbar „allumfassendes“ Wissen über seinen Freund, den Künstler Richard Long. Vermeulen durfte sich sogar Assistent des Künstlers nennen. In Freundschaft zu Kleve vermachte er sein komplettes Archiv dem Museum, das es seit 2019 sein Eigen nennt. Das Archiv beinhaltet Korrespondenz mit Long, Einladungskarten, Flyer und andere Schriftstücke, Fotografien, Dokumente. 44 dicke Leitz-Aktenordner, in denen das Material versorgt ist,  hat der Niederländer gesammelt. Beginnend 1972 reicht es bis ins Jahr 2018.

Es ist eine Sammlung, in der so mancher Schatz stecken könnte. Kunstwerke seien darin nicht enthalten, räumt Kurhaus-Direktor Harald Kunde ein. Aber eben viel Wissen um das Werk des Briten, um seine Ausstellungen, seine Aussagen und die Entwicklung seiner Kunst. Ein Schatz, der für die Nachwelt gehoben werden sollte. Doch dazu bedarf es „Man-Power“. Die hat das Museum Kurhaus jetzt bekommen: Die Bonner Kunsthistorikerin Julia Moebus-Puck ackert sich derzeit durch die 44 Ordner und sucht nach Wissenswertem, Spannendem und Wichtigem, das zwischen den Aktendeckeln stecken sollte.

„Es ist in erster Linie eine Ausstellungsdokumentation“, sagt Moebus-Puck.  Vermeulen habe sogar nicht nur die Einzel-, sondern auch die Gruppenausstellungen gelistet. Es gibt Fotos unter anderem von einer Einrichtung im Stedelijk-Museum in Amsterdam, kleine Zeichnungen zwischen den Karten, und nicht zuletzt die Dokumentationen der Klever Long-Ausstellungen. „Wir werden viel über den Künstler erfahren, wenn wir den Nachlass von Gerard Vermeulen untersucht haben: Wie hat er ausgestellt, wie wurde er rezipiert – also wie Besucher und Medien mit seiner Kunst umgehen – und vieles mehr. Ich bin richtig gespannt“, sagt Moebus-Puck.

Die 35-Jährige hatte zunächst Fotografie studiert und als Foto-Assistentin in Paris gearbeitet, bevor sie in Bonn ein Studium der Kunstgeschichte begann. Sie arbeitet derzeit an ihrer Doktorarbeit über performative Kunst und wie diese, die flüchtige Darstellung, für die Nachwelt erhalten bleiben könnte. In Kleve wird Moebus-Puck den Vermeulen Nachlass sichten, auswerten und digitalisieren. Am Ende ihrer Arbeit soll eine Publikation stehen, sagt Kunde. Damit all das, was die Kunsthistorikerin zwischen den Deckeln der 44 Ordner entdeckt hat, dokumentiert ist.

„Wir sind froh, diese Verstärkung unserer Mannschaft bekommen zu haben“, sagt Harald Kunde, der zugleich deutlich machte, dass eine Stelle für ein Museums-Volontariat im Kurhaus zu seinen Wunschträumen zählt. Das Forschungsvolontariat finanziert das Land mit 90 Prozent, weil zum zentralen Auftrag der Museen neben dem Sammeln, Bewahren und Vermitteln auch die Erforschung ihrer Bestände gehöre. Dieses „Forschungsvolontariat Kunstmuseen Nordrhein-Westfalen“ unterstützt 17 wissenschaftliche Volontariate an 16 Kunstmuseen im Land. Die auf zwei Jahre angelegten Volontariate sind an Forschungsprojekte im Kontext der jeweiligen Sammlung geknüpft. „Da konnte die Stadt nicht Nein sagen, als wir das beantragt haben“, sagt Kunde.

„Mit den neuen Forschungsvolontariaten haben wir erstmals ein Ausbildungsprogramm aufgesetzt, das sich spezifisch der Erforschung von musealen Sammlungen widmet. Damit stärken wir den vielfältigen und traditionsreichen Museumsstandort Nordrhein-Westfalen“, sagt NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Das Förderprogramm ist Teil der Stärkungsinitiative Kultur des Landes und wurde gemeinsam mit den Kunstmuseen in Nordrhein-Westfalen entwickelt. Bis 2022 stehen Mittel in Höhe von 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. Koordinieren wird das Programm die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.