Kleve Jugendtheater in der Stadthalle mit Stück von Juli Zeh

Jugendtheater in Kleve : Jugendtheater mit Stück von Juli Zeh

„Good morning Boys and Girls“ setzt sich mit dem thema Amok auseinander

Juli Zeh gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen der gegenwart in Deutschland, manche Kritiker feiern in ihr gar die Rückkehr des Konzepts politischer Autorschaft im Stil von Grass oder Böll. Mit kompositorisch dichten Romanen wie „Spieltrieb“ oder „Corpus Delicti“ konnte sie sich als Aufklärerin und Verteidigerin der humanistischen Werte etablieren, auch in ihren Stücken zieht Zeh hinein in ein unberechenbares Spiel, inszeniert virtuos die Gegenwart zwischen Tiefsinn und Leichtigkeit, Verstörung und Optimismus. Ihre Stücke sind intensiv, aber nie zu laut, oft feinsinnige Satire.

In ihrem dritten Theaterstück „Good morning Boys and Girls“, das Amokläufe an Schulen thematisiert, verknüpft sie geschickt Realität und Fiktion, dass es dem Zuschauer schwerfällt, die Wahrheit von Vorurteilen zu unterscheiden. „Good morning Boys and Girls“ steht am Dienstag, 24. September um 11 Uhr in der Stadthalle auf der Bühne. Ein Stück vor trauriger Realität: Am Valentinstag 2018 erschießt der 19-jährige Nikolas Cruz an seiner ehemaligen Schule in Parkland 14 Schüler und drei Erwachsene. Am 11. März 2009 sterben bei einem Amoklauf an einer Realschule in Winnenden 16 Menschen, darunter der Amokläufer. 2002 tötet ein ehemaliger Schüler am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 13 Lehrer, zwei Schüler, einen Polizisten und sich selbst. Am 20. April 1999 töten zwei Jugendliche 13 Menschen in der Oberschule von Columbine. Amok ist ein Phänomen, das seit über 200 Jahren erforscht wird. Bereits 1770 beschreibt Captain Cook mit dem Begriff eine erschreckende Kampftaktik aus Malaysia, bei der sich Sklaven mit dem Kampfschrei »amuk« gegen ihre Herrscher blutig zur Wehr setzten und danach als Helden gefeiert wurden. Seit den 1990ern hat es einen massiven Anstieg von minutiös geplanten Schulmassakern gegeben. Auch Jens, aka »Cold«, hat sich in seiner Fantasie seine 15 Minuten Ruhm bis ins kleinste Detail ausgemalt.

Weil es vor ihm schon andere Amokläufer gab, muss seine Tat noch mehr Fassungslosigkeit hervorrufen als alles bisher Dagewesene. Er hört in seinem Kopf schon, wie seine Eltern CNN Interviews geben, wie seine Mitschüler ihn als typischen Außenseiter beschreiben, wie sein Bild als junger Mann im schwarzen Trenchcoat durch alle Medien geistern wird. Doch die Begegnung mit seiner Mitschülerin Susanne ändert alles. Nichts ist sicher, und noch nicht mal das ist sicher.

Die Schriftstellerin studierte zunächst Jura und später Europa- und Völkerrecht. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« wurde zu einem Welterfolg und in 35 Sprachen übersetzt. Außerdem hat Zeh Kinderbücher, Erzählungen, Essays  veröffentlicht. Juli Zeh wurde für ihre Werke vielfach ausgezeichnet.

Karten zum Preis von 5 Euro an der Information des Rathauses oder an der Tageskasse erhältlich.

(RP)
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