Kleve: Jüdische Synagogenmusik in Willibrordkirche

Konzertkritik : Jüdische Synagogenmusik mit großem Projektchor

Konzert in der Willibrordkirche Kellen: Ein Schwerpunkt war die Chormusik des jüdischen Komponisten Louis Lewandowski (1821-1894).

Leider stand das Konzert „Jewish Prayer“ zu Beginn nicht unter einem guten Stern, da der zur Chorbegleitung vorgesehene Organist unmittelbar vor dem Konzert „ausfiel“. Da darf man von einem „Glücksfall“ sprechen, dass die als Sopransolistin verpflichtete Cornelia Burgers auch eine versierte Chorleiterin ist und sich spontan dazu bereit erklärte, das Dirigat des Chores zu übernehmen und so Kantor Michael Behrendt vom Dirigentenpult an die Orgel wechseln konnte.

Eine besondere Herausforderung auch für den Stifts- und Propsteichor Kleve und den Kirchenchor St. Willibrord Kellen, die sich mit einigen Gästen zu einem Projektchor gefunden hatten, sich – ohne gemeinsame Probe - auf die „neue“ Dirigentin einzustellen. Heinz-Theo Arntz führte in seiner Einführung den Konzertbesuchern eindrucksvoll vor Augen, welchen Anfeindungen die Juden gerade auch von christlicher Seite in den vergangenen Jahrhunderten ausgesetzt waren. Ein Schwerpunkt war die Chormusik des jüdischen Komponisten Louis Lewandowski (1821-1894).

Der Chor zeigte sich bestens vorbereitet, mit guter Aussprache und feinen dynamischen Abstufungen, musizierten die rund 50 Sängerinnen und Sänger die von Felix Mendelssohn-Bartholdy inspirierte Musik von Lewandowski. Trotz des räumlichen Abstandes zwischen Orgelbühne und Chor im Kirchenraum gelang es „Ad-Hoc-Chorleiterin“ Cornelia Burgers die aufmerksamen Sängerinnen und Sänger gut durch das anspruchsvolle Programm zu führen. Besondere Erwähnung verdient der Violinist Frederik Geene, Lehrer an der hiesigen Kreismusikschule, für sein außerordentlich einfühlsames Spiel. Eine gelungene Verbindung: Orgel (Harmonium) und Violine (Viola), die die besondere Eindringlichkeit der jüdischen Musik, die oft, ob der Geschichte des Volkes nicht verwunderlich, von einer Melancholie und Traurigkeit geprägt ist, in den Kirchenraum brachte.

Nicht zuletzt Respekt und Anerkennung an Kantor Michael Behrendt, der für das Konzertprogramm und die Gesamtleitung verantwortlich zeichnete und durch sein hervorragendes Orgelspiel wesentlich zum guten Gelingen des Konzertes beitrug.

Großer Beifall am Konzertende. Dechant Notz faßte es in seinen Dankesworten treffend zusammen: Es war ein Konzert mit Musik, die zu Herzen ging!

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