1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Kultur

Kleve: Günther Zins Ausstellung Präzision und Leichtigkeit

Museum Kurhaus Kleve : Präzision und Leichtigkeit

Das Museum Kurhaus Kleve zeigt zum 70. Geburtstag des Klever Bildhauers Günther Zins eine große Retrospektive, die den Weg von den ersten Malereien bis zu den schwerelosen präzisen Stahlarbeiten nachvollzieht.

Am Anfang stand das Ende: Günther Zins hatte sein Studium der Freien Malerei in Köln Mitte der 1970er Jahre gerade abgeschlossen, als ihm klar wurde, dass die Malerei für ihn keine Zukunft hat. „Ich hatte das Bedürfnis, räumlich zu arbeiten“, sagt er heute. Räumlich und abstrakt.  Also begann er die Linien und Schwünge aus der Fläche zu lösen, zog Fäden durch die Leinwand, spannte Drähte darüber oder montierte Päckchen auf farbige Quadrate. Er ritzte lange Linien mit lachenden Gesichtern in die dick auf der Leinwand stehenden Farbe.

„Ich hatte das Bedürfnis, räumlich zu arbeiten“, sagte Zins und machte sein Bedürfnis zum Credo. Ein nächster großer Schritt, die Linie mitten in den Raum zu bringen, waren Plexiglas-Flächen, auf die er malte. Blaues Kreuz heißt eines der Hauptwerke dieser Arbeiten auf Plexiglas, eine Installation, die im Museum Kurhaus einen ganzen Raum ausfüllt. „Der Raum ist wie gemacht für diese Arbeit“, sagt Zins. Die Arbeit wirkt hier mit den vielen Figuren auf dem Plexiglas gleichzeitig dicht und transparent, voller Leichtigkeit, wie die dicken roten und blauen Striche und Kreuze und Winkel da durch den Raum schweben.

 Eine frühe Installation mit farbigen Linien und Kreuzen auf Plexiglas.
Eine frühe Installation mit farbigen Linien und Kreuzen auf Plexiglas. Foto: Markus van Offern (mvo)
  • „Die Badewanne“ von Joseph Beuys ist
    Wiedereröffnung in zahlreichen NRW-Städten : Endlich wieder ins Museum
  • Die Klever FDP beantragt eine Städtepartnerschaft
    Kleve : Klever FDP beantragt Partnerschaft mit einer Stadt aus Israel
  • Das Trendgetränk fand vor einigen Jahren
    Neuer Laden eröffnet im Sommer : Bubble Tea kehrt nach Kleve zurück

„Günther Zins. Präzision und Leichtigkeit“ heißt die Geburtstagsausstellung  für den international arbeitenden Klever Künstler im Museum Kurhaus Kleve, die bis September zu sehen ist und gefühlt das ganze Werk Zins’ vom Ende der Malerei bis heute zusammenträgt.

Wie die Arbeiten auf Plexiglas, die auch  übereinander gehängt wie ein sehr räumliches Bild wirken: Auf der hintersten Fläche noch klar geordnete Linien in Reih und Glied, die auf den vorderen Folien immer freier werden. Das geht vom geordneten System ins Chaos. „Es ist ein faszinierendes Frühwerk“, sagt Kurhaus-Direktor Prof. Harald Kunde.

Nicht weniger faszinierend sind die bemalten Felsen in der Bretagne, die das Kurhaus als Zins-Fotos zeigt: Grandiose Linien zogen sich da mit Bootslack auf den Granit gemalt über die Küste, zeichneten die Schichtungen des Gesteins nach, wurden zum eigenständigen, wie vor der Küste stehenden Bild. Eine Woche malte Zins mit Bootslack die Linien der Felsen nach. Am westlichen Ende Europas war man so begeistert von seiner Kunst, die er ohne Absprache spontan in die Natur malte, dass er eine Einladung zu einer Gruppenausstellung bekam. Die Linien verschwanden mit den Jahren: Sie hatten gegen die Gischt und das Salzwasser keine Chance. Sollten sie auch nicht - es waren gedachte Linien, Linien, die vergehen.

Heute arbeitet Günther Zins mit Edelstahl, der nicht vergeht: Er nutzt den Raum als das Material, mit dem er seinen Skulpturen Volumen verschafft. „Er schneidet die Form aus dem Raum“, wie der Kunsthistoriker Uwe Max Rüth schreibt.  Doch der Weg dahin war lang. Und im Rückblick ausgesprochen spannend, wie der Weg von den Abschlussarbeiten mit den  schweren Treckerspuren in Öl auf Leinwand bis hin zu brandneuen haushohen Wandskulpturen im Doppelsaal des Hauses zeigt.

Inzwischen haben seine Arbeiten ein klar geordnetes System, haben die Linie im Raum zur Perfektion gebracht. Auch das macht die Ausstellung deutlich, weil die Blickbezüge von den frühen Arbeiten immer auch auf die gegenwärtige Kunst weist. Doch die Annahme, in seinem Werk herrsche allein noch akribische Ordnung ist trügerisch: Das zeigen die Wurfskulpturen von in die Luft geworfenen Stahlrohren, die sich ihre ganz eigene, zufällige wie chaotische Ordnung machen. Aufgezeichnet in seriellen Fotografien.

Hat man die Wurfbilder vor Augen, scheinen die sich auch schon in frühen Tusche-Arbeiten anzukündigen. Immer wieder findet man diese Bezüge aus dem Frühwerk in die Gegenwart „Das ist eben die volle Packung Zins, vom Frühwerk bis heute“, sagt Kunde: Tatsächlich hat es einen Überblick in einem solchen Umfang zu dem international arbeitenden Künstler noch nicht gegeben. 

Es sei ein Werküberblick, der zeige, wie Günther Zins seinen Weg suchte und fand, den russischen  Konstruktivisten Tatlin streifte, wie er wie der Amerikaner Calder die Schwerelosigkeit untersuchte und sie perfektionierte und wie zwischenzeitlich auch ein bisschen Pop-Art in seiner Kunst vorbei wehte, so Kunde. Bis er zum Edelstahl fand, der in seinen filigranen Figuren changierend von glänzend bis stumpf nicht nur die Schwerelosigkeit aufzuheben scheint sondern scheinbar auch noch die Geometrie.