Kleve: Gedenkkonzert zum 100. Geburtstag von Walter Gieseler

Gieseler Gedenkkonzert : Gedenkkonzert zum 100. Geburtstag von Walter Gieseler

Konzert zum 100. Geburtstag von Walter Gieseler überzeugte im Museum Kurhaus Kleve.

Der Saal des Museums Kurhaus Kleve platzte aus allen Nähten, die Programmzettel wurden knapp: Die „kammermusikalische Gratulation“ zu Walter Gieselers hundertstem Geburtstag erhielt überwältigenden Zuspruch. Im Publikum saßen Familienmitglieder, alte Freunde und Kollegen sowie zahlreiche Klever, die sich dem Komponisten, Musikpädagogen und maßgeblichen Gestalter des städtischen Kulturlebens verbunden fühlten.

Eine lebendige Auseinandersetzung mit Walter Gieselers Werk sollte es werden – ganz im Sinne des neugierigen und experimentierfreudigen Meisters. Federführend beim Konzept war Jazzpianist und Komponist Daniel M. Ziegler, der gemeinsam mit Mirjam Hardenberg (Sopran, Violoncello) und Andreas Steffens (Saxophon, Electronics) ein kongeniales Trio bildete. Respektvoll und eigenwillig, verspielt und doch tiefgründig eigneten sich die drei im Museum Kurhaus Gieselers Musik an.

Neben kühnen Arrangements, Improvisationen und elektronischen Verfremdungen erklangen auch einige Originalwerke, wie die „Epigramme für Altsaxophon, Violoncello und Klavier“ oder die „Widmung“ für Streichtrio. Dabei war man immer wieder überrascht von der blühenden, expressiven Klangfülle – man spürte, dass Gieseler stets von der Melodie her dachte, dass er die Gefühle und das Herz seiner Zuhörer erreichen wollte.

Anrührend und hoch emotional etwa die „Vier Lieder nach Gedichten von Gottfried Benn“, in denen Ziegler und co. zur Original-Singstimme eine völlig neue Begleitung schufen. Mirjam Hardenbergs schlanker, kerniger Sopran erklomm mühelos gefährliche Höhen, mit viel Wärme gestaltete sie die melodischen Linien. Andreas Steffens am Altsaxophon antwortete mit wunderbar ausdrucksvollen Improvisationen über Zieglers traumverhangenen Klavierakkorden.

Spannende Echowirkungen ergaben sich im „Rezitativ“ für Klavier, das Ziegler auf einem Rhodes Electric Piano spielte, während zeitversetzt eine Aufnahme desselben Stückes auf „echtem“ Klavier lief. Einzig die Aneignung der Gieseler-Messe „Veni creator spiritus“, verzerrt auf Schallplatte abgespielt und mit Technobeats unterlegt, wirkte ein wenig gewaltsam – hier hätte das Original noch mehr zum Strahlen kommen dürfen.

Auch andere Komponisten kamen zu Wort: John Cage als Liebhaber von Zufall und Geräusch kontrastierte wirkungsvoll Gieselers exakt festgelegte Musik, Luca Lombardi sandte dem Klever Kollegen zum 75. Geburtstag einen freundschaftlichen „Gruß“ für Violoncello.

Als ergreifendes Schlussstück wählte das Trio Pablo Casals‘ „Song of the Birds“, ein katalanisches Weihnachtslied in schwermütigem Moll, das durch den großen Cellisten zur heimlichen Hymne spanischer Flüchtlinge wurde.

Walter Gieseler hatte das Stück immer wieder auf seine Programme gesetzt, mit Casals verband ihn die unermüdliche Suche nach Frieden und Demokratie.