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Kleve: Eröffnung Musiksommer Campus Cleve

Musiksommer in Kleve : Musikalische Entdeckungen

Erfreulich vielseitig und gegenwartsnah präsentierte sich der 12. Musiksommer Campus Cleve bei seinem Eröffnungskonzert in der Stadthalle Kleve. Kein einziges Mal standen die Pianistenlieblinge Frédéric Chopin und Franz Liszt auf dem Programm, dafür einige ganz unvertraute Namen des 20. Jahrhunderts.

Man begann zu ahnen, wie viel spannende Klavierliteratur es jenseits der berühmten Meister noch zu entdecken gibt – worauf die hervorragenden Interpretationen der jungen Künstler umso mehr Lust machten.

Eine motorisch-perkussive Toccata der polnischen Komponistin Grazyna Bacewicz (1909-1969) hatte etwa Naoko Aburaki aus Japan ausgewählt. Peiyun Xue (Niederlande) gestaltete mit viel Ruhe ein spätromantisch anmutendes Andante aus den „Songs of Moonlit Night“ des Tschechen Vítezslav Novák.

Bravourös meisterte der 16-jährige Philippe Gang, der schon in den vergangenen Jahren herausragte, das irrwitzige „Allegro tempestoso“ aus Sergej Prokofjews Klaviersonate op. 28, warf sich mit Leib und Seele hinein in die wuchtigen Toncluster und Perpetuum-mobile-Passagen.

Einen weiteren Höhepunkt bildete die traumverhangene „Romance“ des Japaners Toru Takemitsu (1930-1996), wunderbar interpretiert von Hortensia Hierro. Behutsam ertastete und formte die spanische Pianistin jeden Akkord, spürte den meditativen, obertonreichen Glockenklängen des Werkes nach.

Faszinierend auch eine komplexe, hochvirtuose Fuge aus der Sonate op. 26 von Samuel Barber (zu Unrecht fast ausschließlich für sein „Adagio for Strings“ bekannt). Aleandro Libano aus Italien schien ganz in dem Stück aufzugehen, sein Blick verlor sich in der Ferne und folgte der Musik auf ihren bizarr verschlungenen Wegen.

In diese Stimmung passte genau das spukhafte Scherzo aus Johannes Brahms’ Klaviertrio g-Moll op. 8 – sensibel und mit großer dynamischer Bandbreite musiziert vom „Roteblumen Trio“ (Spanien). Dass die Kammermusik beim Musiksommer immer mehr Raum einnimmt, ist der Geigerin und Dozentin Kristien Roels zu verdanken.

Bereits zum zweiten Mal bewährte sich die Stadthalle als würdiger Ort für das Eröffnungskonzert. Atmosphäre und Akustik entsprechen eher dem Anlass als das nüchterne Audimax der Hochschule Rhein-Waal, und der gut gefüllte Konzertsaal bot den Musikern einen angemessenen Rahmen für ihren fulminanten Festivalstart.