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Kleve: Die Sammlung des Museum Kurhaus von Beuys über Uecker bis Gerstch wird digitalisiert

Museum Kurhaus Kleve : Eine Sammlung geht digital

Das Museum Kurhaus Kleve macht seine Sammlung ab April digital zugänglich. Alle Kunstwerke werden beschrieben, fotografiert und können heruntergeladen werden. 5000 sind bereits erfasst und bearbeitet.

Es ist still im Kurhaus. Kein Mensch da. Lockdown. Im Doppelsaal beeindruckt Katharina Sieverdings monumentale Fotoarbeit „Die Sonne bei Mitternacht schauen“ aus der Sammlung Viehof die Leere im Saal. Im kleinen Ausstellungsraum oberhalb der grandiosen Fotoarbeit herrscht dagegen reges Treiben: Knallbunte Bauhaus-Keramik steht auf Bierzeltgarnituren gereiht, Kartons überall. Hier sortiert der Sammler Werner Steinecke seine fantastische Bauhaus-Keramik. Doch was wie analoge Inventarisierung, Einordnung und Beschreibung wichtiger Kunst- oder Kunsthandwerks aussieht, ist zugleich ein großer Schritt in die digitale Zukunft des Hauses: Werner Steinecke hat hier seinen kompletten Keramik-Bestand von 1905 bis 1935, die Schenkungen aus den Jahren  2012 und 2019 mit  1.643 Werken selbst online hochgeladen, erfasst und bearbeitet.

„Wahnsinn, oder?“, fragt Valentina Vlasic, Kuratin im Museum Kurhaus, mit Blick auf die bunte Vielfalt. Vlasic hat die Digitalisierung des Bestandes der Sammlung Kurhaus Kleve und seiner Freunde in der Hand und hat das Konzept erstellt. „Ich inventarisiere selbst am laufenden Band und arbeite auch alle Beteiligten ein und kontrolliere die Einträge“, sagt Vlasic. Und weil Corona ist, konnte das Museum viel Kraft in das zu 80 Prozent von Land und Landschaftsverband geförderte Projekt stecken. Die restlichen 20 Prozent der Kosten übernahm die Stadt.

Schon im April ist das Museum soweit, die Seiten scharf stellen zu können. „Man kommt  dann über einen Link auf unserer Homepage in das neue digitale Sammlungsverzeichnis“, erklärt Vlasic. Das ist eine andere, eine völlig neue Web-Seite, die so angelegt ist, dass auch niederrheinische Nachbarmuseen wie Goch oder Moyland in Kürze die Infrastruktur nutzen können, um ihren Bestand dort ebenfalls digital präsentieren zu können, wenn sie wollen. Für Kleve stammt das Layout der Seite von Haus-Entwerfer Ingo Offermanns, der von David Liebermann und Jana Reddemann unterstützt wird. Das Hamburger „Kurhaus-Team“ war also wieder am Zuge und hat ein schickes wie übersichtliches Outfit für die Seite geschaffen, die alleine dazu dient, die Sammlung zu zeigen und zugänglich zu machen.

Großen Wert hat Vlasic darauf gelegt, dass die Kunstwerke als Download in entsprechender Größe zur Verfügung stehen. „Das sind vor allem unsere älteren Werke, Mittelalter und Barock, Renaissance, die Werke aus der Sammlung Angerhausen“, sagt die Kunsthistorikerin. Der Besucher der Seite bekommt das Foto, erfährt das Wichtigste vom Künstler oder der Werkstatt und bekommt oftmals einen beschreibenden Text zu jedem Werk. Kunstwerke, die durch ein Copyright gebunden sind, gibt es nur in kleiner Auflösung zur Ansicht. Damit die Seite barrierefrei ist, sollen einzelne Texte auch eingesprochen werden.

Man kann die Seite nach Ortschaften, nach Künstlern, nach Neuerwerbungen oder einfach nach Sammlungs-Highlights durchforsten. Sie ist ebenso für den Wissenschaftler ein wichtiger Fundus wie für den digitalen Flaneur ein Ort, sich von Kunst und Geschichte überraschen zu lassen. Zumal auch große Kataloge aus dem Kurhaus oder davor von Haus Koekkoek gescannt und für alle greifbar sein sollen – wie der Band „Land im Mittelpunkt der Mächte“. 4000 Kunstwerke hat das Team schon erfasst – von den Karikaturen Flinterhoffs über die Kupferstiche der Sammlung Angerhausen bis zu Beuys Capri-Batterie und Gertschs Silvia oder Ueckers Nagelbild. Alles drin.

„Das ging auch so schnell, weil im Corona-Lockdown ein großes Team daran arbeiten konnte“, sagt Vlasic, Alexandra Eerenstein, Annegret Gossens und Gerd Borkelmann konnten letztes Jahr aus dem Fördertopf des Digitalisierungsprojekts geringfügig bezahlt fast sechs Monate am Bestand arbeiten. Anne Gossens hat quasi das komplette Inventar neu photographiert, erklärt Vlasic. Jonathan Mandel und Alexandra Eerenstein haben den kompletten Mataré-Bestand eingestellt und bearbeitet. Susanne Seidl hat Photos von Fritz Getlinger eingefügt, Julia Moebus-Puck arbeitet am Nachlass von Richard Long und Regine Witt wie Hiltrud Gorissen-Peters haben während des Lockdowns Katalog-Texte eingescannt. Die Ehrenamtlichen Xing Xie, Carmen Gonzalez und Stella Hufschmidt arbeiten mit und nicht zuletzt Thomas Bovenkerk und Werner Stein. „Wir sind schon sehr weit  - fertig sind wir noch nicht. Aber es kommen täglich neue Werke hinzu“, sagt Vlasic.