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Kleve: Die Chronik der Stadt Köln von 1499 und Glaubenskriege in Europa

Ausstellung Museum Kurhaus : Blick auf die Glaubenskriege in Europa

Die Ausstellung „Original & Kontext. Die Sammlung analog + digital“ zeigt auch teils über 500 Jahre alte Folianten aus der Sammlung Angerhausen, die vom Barock erzählen. Von Krieg und Köln und der Natur in Brasilien.

Das Buch machte ihn berühmt und trieb ihn zugleich in den Ruin. Es kostete Johann Koelhoff zunächst das Haus und später wahrscheinlich sein Geschäft. Denn Johann der Jüngere hatte wohl nicht das Händchen für Werke, die gewinnbringend herausgegeben und gedruckt werden konnten, wie sein Vater. Der hatte Verlag und Druckerei groß gemacht. Johann der Jüngere legte sich mit seinem Projekt auch noch mit dem Kölner Rat und der Kirche an. Das bedeutete vor über 500 Jahren dann das Aus.

Dabei war „Die Cronica van der hilliger Stat van Coellenes“ die erste gedruckte Chronik der rheinischen Metropole Köln, die Johann Koelhoff der Jüngere 1499 herausbrachte, nachdem er fünf Jahre zuvor mit dem Buchprojekt begonnen hatte. Dass er in der Zeit sein Haus verkaufen musste, ist belegt, dass das Geschäft verloren ging, höchstwahrscheinlich, weil es bald nicht mehr genannt wird. 250 Exemplare des mit seinen 368 kolorierten Holzschnitten bis heute ausgesprochen kostbaren Werkes wurden 1499  gedruckt. 150 sind sogar  bis heute erhalten oder bekannt. Die Stadt Köln hat eines im historischen Archiv und im Stadtmuseum, das Rheinische Landesmuseum Bonn und das Rheinische Bildarchiv haben eines. Ein weiteres der wertvollen und sehr schönen Bücher ist im Besitz der Sammlung des Museums  Kurhaus Kleve. 20 Stück sind noch in Privatbesitz, wo Preise bis zu 40.000 Euro für den Band aufgerufen werden sollen. „Der Verfasser des etwa um 1494 begonnenen Werkes ist nicht bekannt, spätere Quellen nennen den Kölner Dominikaner Hammelman oder den Magister Johann Stump aus Rheinberg“, sagt Valentina Vlasic vom Klever Museum. Beginnend mit der biblischen Schöpfungsgeschichte verfolge die Chronik die Ereignisse in der Stadt Köln bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, so die Kuratorin.

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Denn das Klever Exemplar der „berühmten Koelhoff’schen Chronik der Stadt Köln aus dem Jahr 1499“ (so Vlasic) ist jetzt in der Ausstellung „Original & Kontext. Die Sammlung analog + digital“ zu sehen, die in allen Räumen des alten Kurhotels und in der Wandelhalle einen Blick in die Depots des Museums gewährt. Eingerichtet wurde die durch alle Räume des Kurhotels und der Pinakothek sich ziehende Ausstellung von allen drei Kuratoren des Museums zusammen. Aufgrund der weit gefächerten Sammlung ergibt sich in diesen Räumen eine vielfache Schau.

Die Koelhoeffsche Chronik  ist in der kleinstem Ausstellung dieser Vielzahl zu sehen: Es reicht eine Vitrine, um die Welt des ausgehenden Mittelalters und des frühen Barocks aufleben zu lassen: Die Zeit, in der die Buchkunst sich rasant verbreitete, die Zeit, in der der Wille wuchs, die Welt zu entdecken und zu erforschen. Eine Zeit aber auch, die von Krieg geprägt war. Ein Krieg mit einer unfassbaren Brutalität gegen die Zuvilbevölkerung in den Städten, die den Eroberern hoffnungslos ausgeliefert war, wenn sie fielen. Männer und Frauen und Kinder wurden gefoltert oder ohne Gnade abgeschlachtet, wie die zeitgenössischen Holzschnitte in den Büchern anschaulich zeigen.

Letztlich sind es nur vier Folianten aus der großen Bibliothek der in dickes Leder oder Pergament ähnlichem Papier gebundenen Bücher meist aus der Sammlung Angerhausen, die diese Zeit aufscheinen lassen und die in der Vitrine im Obergeschoss aufgeschlagen gezeigt werden. Franz Hogenbergs Geschichtsblätter waren zunächst als Flugblätter gedacht, erschienen dann aber auch in Sammelbänden, die diesen Krieg, der Land über die Jahre hinweg frei ganz und gar verheeren sollte, thematisieren.

„Das Hauptthema der Hogenberg’schen Bildfolgen bilden die Glaubenskriege des 16. Jahrhunderts in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden. Sie wurden auch als Illustrationen zu Geschichtswerken verwandt“, sagt Vlasic. Etwa um 1570 sei Franz Hogenberg als Glaubensflüchtling aus Mecheln nach Köln übergesiedelt und habe mit der Herausgabe einzelner Flugblätter begonnen. Die Reihe wurde nach seinem Tod von seiner Witwe Agnes und seinem Sohn Abraham fortgeführt. 1610/11 gab die Werkstatt Hogenberg, wohl aus Anlass des Waffenstillstandes zwischen Spanien und den Niederlanden im Jahre 1609, Sammelbände mit diesen Flugblättern heraus. Es sind zwei Bände davon in der Vitrine.

1658 wurde der Foliant gedruckt, der zeigt, wie Naturwissenschaften vor 350 Jahren verstanden wurde: Zunächst einmal als Beschreibung und Abbildung dessen, was man fand. Willem Piso (1611 bis 1678) als Hauptautor und Georg Marcgraf de Liebstad (1610 bis 1644) als Mitarbeiter befassten sich mit der Natur in dem neuen Land, das Johann-Moritz von Nassau-Siegen verwaltete, bevor er Statthalter in Kleve wurde. „Bei dem Buch handelt es sich um die überarbeitete Ausgabe der ,Historia Naturalis Brasiliae’, die 1648 in Amsterdam erschien“, sagt Vlasic. Der erste Teil, verfasst von Piso selbst, handelt von der Naturgeschichte Brasiliens. Im zweiten Teil finden sich Texte über Topographie und Meteorologie des Landes sowie über die Einheimischen und ihre Sprache. Auch ein Aufsatz über medizinische Erfahrungen in Ostindien von Jacob de Bondt und ein Abschnitt über aromatische Kräuter sind in dieser Ausgabe enthalten (zu sehen bis Ende Februar).