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Kleve: Corona trifft Museum Kurhaus und Ausstellung von John Akomfrah

Museum Kurhaus Kleve : Museum ohne Besucher

Nur zwei Tage war die grandiose Ausstellung „Purple“ des in London lebenden ghanaischen Künstlers John Akomfrah zu sehen. Dann schlossen die Corona-Verfügungen das Kurhaus.

Still ist es in den Räumen. Keine Besucher lassen sich von den eindringlichen Filmen des in London lebenden ghanaischen Film-Künstlers John Akomfrah berauschen. Eine Ausstellung, die die Fragen der Zeit eindrucksvoll auf den Punkt bringt, die die Geschichte vom Menschen und der Erde, von der Schönheit und der Zerstörung in berückenden Bildern, unterlegt mit einer idealen Geräusch-Musik-Sound-Komposition, erzählt.

Ein Ausrufezeichen hatte Kleves Museumsdirektor Harald Kunde mit der Präsentation dieses einen Werkes setzen wollen (für das die komplette Wandelhalle umgebaut werden musste, für das teure Klang- und vor allem Projektionssysteme gemietet werden mussten). Doch es kam anders. Nur zwei Tage war die Präsentation bis jetzt zu sehen, dann kamen die Corona-Verfügungen und das Museum Kurhaus Kleve ist seitdem geschlossen. Nun ruhet alles in Stille: Corona machte auch hier allen Plänen einen Strich durch die Rechnung.

„Ansonsten geht unsere Arbeit natürlich weiter, eine Kollegin arbeitet im ,Homeoffice’, wir anderen verteilen uns in den Weiten des Hauses, so dass die Ansteckungsgefahr sehr gering bleibt“, sagt Kunde. Das Haus ist mit seinen über 2500 Quadratmetern Fläche groß genug, um auf Abstand zu bleiben. Jetzt müssen Rechnungen für die laufende Ausstellung bearbeitet werden, die kommenden Ausstellungen müssen bearbeitet werden und mit den Leihgaben hat man zusätzliche Probleme. „Wir hatten den Himmelfahrts-Christus von Meister Arnt schon vom Sockel geholt und für einen Transport nach Köln vorbereitet – er soll da ja in der großen Meister-Arnt-Ausstellung gezeigt werden“, sagt Kunde. Doch jetzt steht der Christus wieder auf seinem angestammten Platz im Katharina-von-Kleve-Saal. Köln weiß noch nicht, wann die Ausstellung wirklich eröffnet werden kann.

Das gleiche gilt für eine Reihe von Aquarellen von Ewald Mataré, die ins Macke-Haus sollten. Auch sie sind fertig für den Transport. Aber auch in Bonn weiß man noch nicht, wann und wie die geplante Ausstellung, in der die Aquarelle gezeigt werden sollten, eröffnet wird.

Derweil geht die Digitalisierung der Sammlung und die damit später verbundene Zugänglichkeit über das Internet weiter. „Dort wird jetzt in zwei Schichten gescannt“, sagt Kunde. Jedes Kunstwerk soll abgebildet werden – also werden die Bilder direkt eingescannt, digitalisiert und gelistet. Das geht jetzt zügiger voran, weil dabei Mitarbeiter eingesetzt werden konnten, die sonst andere Tätigkeiten hatten. Trotzdem trifft die Corona-Krise gerade die freien Mitarbeiter des Museums hart, die beispielsweise Kurse oder Führungen gegen Honorar anbieten – und jetzt bei geschlossenem Haus so gut wie keine Einnahmen haben.

Damit das Kurhaus nicht völlig abgeschaltet ist, denkt Kunde darüber nach, vielleicht regelmäßig ein wichtiges Bild aus der Sammlung auf der Internetseite des Museums zu zeigen und zu beschreiben – falls die Corona-Sperren länger dauern sollten. Denn virtuelle Rundgänge, wie sie große Häuser derzeit schon anbieten, hat das Museum noch nicht. An der Digitalisierung arbeitet derzeit Kuratorin Valantina Vlasic mit Hochdruck. Daran ändert auch die Virus-Krise nichts.

Ob Harald Kunde die John-Akomfrah-Ausstellung wird verlängern können, steht in den Sternen. „Das ist natürlich auch mit Kosten verbunden, dann müssen wir die Miete für die Geräte beispielsweise weiter bezahlen“, sagt der Museumsdirektor. Allerdings ließe sich die folgende Ausstellung mit Werken aus der bedeutenden Sammlung Viehof (man darf sich also auf ein weiteres Ausrufezeichen freuen) um die von Akomfrah besetzte Wandelhalle herum inszenieren. „Man sieht, wir arbeiten dran, können aber nichts versprechen“, sagt Kunde.

Das gleiche gilt für die neue Einrichtung der Sammlung und dem Geburtstagsraum für den Schweizer Maler Franz Gertsch, der im März 90 Jahre alt wurde. Kunde hat die bedeutenden Gertsch-Werke aus der Sammlung im Oberlichtsaal versammelt. Und steht jetzt allein zwischen dem Gemälde „Silvia“ und dem monumentalen Holzschnitt „Schwarzwasser“. Denn Besucher dürfen derzeit nicht ins Museum.