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Kleve: Beuys von A bis Z - das Handbuch zum Künstler

Das Handbuch zum Künstler : Beuys von A bis Z

Die ehemalige Direktorin von Museum Schloss Moyland, Bettina Paust, und Timo Skrandies von der Universität Düsseldorf haben im Jubiläumsjahr das Handbuch zum Künstler herausgegeben. Mit im Boot sind fünf Autoren aus dem Kleverland.

Das einzige, was fehlt, sind die Bilder der Werke. Ansonsten bietet der Band aus dem Metzeler-Verlag den ganzen Beuys-Kosmos: Von der Kindheit in Kleve bis zu seinen Aktionen und Werken und deren Wirkung. 100 Jahre alt wäre Beuys in diesem Jahr geworden. Passend zum großen Geburtstagsreigen in NRW legten Bettina Paust, die ehemalige Direktorin von Museum Schloss Moyland, und Timo Skandries, Professor für Kunstgeschichte an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf, das erste umfassende Kompendium zu diesem Künstler vor: „Joseph Beuys. Handbuch. Leben – Werk – Wirkung“ titelt das Buch, das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW und der Kunststiftung NRW gefördert wurde.

Die Facetten sind geradezu umfassend: Es gibt einen biografischen Überblick bis hin zu biographischen Mythen, es werden Werkformen und Zusammenhänge, die Etablierung des Werkes erklärt und das „Personal“ rund um Beuys vorgestellt. Das führt von unter anderen Heinrich Böll über Andy Warhol und Wilhelm Lehmbruck bis zu Rudi Dutschke. Es geht um Weltanschaunungen und Strömungen, um die Begrifflichkeiten zu Beuys wie den erweiterten Kunstbegriff und nicht zuletzt um die Rezeption des Werks.

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Das Beuys-Handbuch verfolge einen systematischen sowie interdisziplinären Anspruch, um dem systemübergreifenden Denken und Handeln von Beuys anhand aktueller geistes-, kultur- und kunstgeschichtlicher Methoden und Perspektiven gerecht zu werden. „Wir vermitteln dabei kein bestimmtes Beuys-Bild und erschaffen auch kein neues. Vielmehr beleuchten die Beiträge unserer Autoren einen Künstler und sein Werk aus verschiedenen Blickwinkeln, der das Verständnis von Kunst auf die Kreativität und Verantwortung des Menschen für eine humane und nachhaltige Gesellschaft erweitert und geformt hat“, resümieren Skrandies und Paust.

Und da findet man den Künstler, der mit seinen Aktionen in Italien oder mit „7000 Eichen“ so ungemein aktuell zu sein scheint. Man findet ebenso den jungen Mann, der als Sturzkampfflieger der NS-Luftwaffe verdächtig bleibt, wenn es um Fragen der Schuld geht und um die Freiwilligkeit, mit der er in den Krieg gezogen war, wie Eugen Blume in seinem Beitrag schreibt. Man kann nachlesen, dass Beuys 1970 längst auf dem Kunstmarkt etabliert war, als er mit anderen die Aktion „Wir betreten den Kunstmarkt“ durchführte“. Dabei war er „kein Gegner des Kunstmarktes  –  künstlerische Selbstvermarktung auf einem freien Markt war die Devise“, schreibt Ulli Seegers. Nicht vergessen werden darf der politische Beuys als Mitglied der Grünen, den Wolfgang Zumdieck vorstellt.

„Ihr wollt doch nicht etwa den Beuys berufen, der ist doch verrückt“, mit dem Ausspruch soll Ewald Mataré als sein ehemaliger Lehrer versucht haben, ihn als Professor an der Düsseldorfer Akademie zu verhindern, schreibt Valentina Vlasic vom Klever Museums Kurhaus in ihrem Beitrag zum Band. Die Kunsthistorikerin bringt damit das „Zitat“, wie viele seinerzeit über Beuys dachten, und stellt sein Verhältnis zu Mataré vor.

Valentina Vlasic ist eine der fünf Autoren aus dem Kleverland, die an dem umfassenden Werk mitgearbeitet haben. Spannend erzählt die Klever Musikwissenschaftlerin Sigrun Hintzen über Beuys und die Musik, erzählt vom musischen Beuys, für den auch Stimme und Körper musikalisches Material war. Alexander Grönert, Museum Schloss Moyland, erklärt, warum bei Beuys von Blöcken in seinem Werk die Rede ist. Lesenswert Grönerts Beitrag zur Antikunst: Beuys habe die radikale Kritik an der Kunst in der Nachkriegszeit zwar geteilt, aber nicht vollzogen: Für ihn habe die  Kunst als das Medium gegolten, die Gesellschaft zu verändern. „Aber das musste eine völlig neue Kunst sein“, so Grönert. Jean-Pierre Wils, der in Kranenburg wohnende Theologe und Ethiker, setzt sich mit Beuys mit Blick auf Christentum/Kunstreligion auseinander.

Letztlich haben Paust und Skrandies 80 Autoren versammelt, die etwas zu Beuys zu sagen haben. Herausgekommen ist ein 500 eng gedruckte Seiten dickes Kompendium, das dennoch handlich geordnet nicht nur ein gutes Nachschlagewerk für Kenner ist, sondern sich auch für Einsteiger lohnt.

Timo Skrandies/ Bettina Paust. Joseph Beuys Handbuch, 500 Seiten, keine Bilder J.B. Metzeler Verlag, ISBN 978-3-476-05791-4. Als e-book 79.99 Euro, als Hardcover 99,99 Euro.