Kleve: Bauhaus im Museum Kurhaus

Kurhaus : Keramik aus dem Bauhaus im Kurhaus

„Als der Kaffeetisch zur Galerie wurde“ heißt es ab Sonntag im Klever Museum Kurhaus.

Wie ein Stück Architektur gestaltete Werner Gothein 1931 den türkis-blauen, großen Reliefteller für die staatliche Karlsruher Manufaktur. Es ist ein wunderbares Stück, das dort in der Vitrine im Spiegelsaal des ehemaligen Friedrich-Wilhelm-Bades zwischen anderer Keramik glänzt. Vier kantigen „Einbauten“ hat die große Schale, wie Häuser um einen Platz geordnet im türkisfarbenen Rund, markante schwarze Streeifen unterstreichen das grafische Design.

Es ist die Kunst der Keramik im Sinne des Bauhauses, die dort von einem neuen Verständnis dieser Gebrauchsgegenstände kündet, von einer Abkehr der barocken, verspielten Formen des 19. Jahrhunderts, die mit der Arts-and-Crafts-Bewegung begann und schließlich im Bauhaus einen Höhepunkt hatte, als geometrische Formen zur bestimmenden Formel fürs Design, für Architektur und für Kunst wurden. Als die Form der Funktion folgte und die barocke Verspieltheit einer kühlen Noblesse wich, die manche später als kalt empfanden. Dennoch: Das Gros der Arbeiten wirkt bis heute neu, modern, überhaupt nicht aus der Zeit gefallen. Im Gegenteil: „Mit vielen der Teile kann man heute noch gut leben“, sagt Kleves Museumsdirektor Prof. Harald Kunde.

Wie ein Stück Architektur:  Reliefteller von Werner Gothein. Foto: Matthias Grass

„Als der Kaffeetisch zur Galerie wurde. Keramik um 1930“ heißt es jetzt ab Sonntag bis zum Herbst im Museum Kurhaus. Eine Ausstellung aus Anlass des 100jährigen Bauhaus-Jubiläums. Dazu hat das Museum tief in den Fundus der 2012 von Sammler Werner Steinecke ans Museum gegebene Keramik-Sammlung gegriffen und ungezählte Stücke auf Tische und in die Vitrinen gezaubert. Nicht ohne dass Steinecke nochmals selber tief in seine schier unerschöpfliche Sammlung griff und nochmals etliche sehenswerte „Pöttkes“, wie er liebevoll seine Töpfe und Teller und Schalen und Tassen nennt, hervorholte. Die werden dann auch noch als generöse Schenkung (so Kunde) rund um die ausgewählte Bauhaus-Keramik ebenfalls ans Klever Museum gehen.

„In der Ausstellung ist eine erlesene Auswahl einzelner Form-Meister wie Eva Stricker-Zeisel, Ursula Fesca, Hildegard Delius, Hedwig Bollhagen, Margarete Heymann-Loebenstein, Marguerite Friedländer-Wildenhain zu sehen“, schreibt Valentina Vlasic, die zusammen mit Steinecke die Ausstellung kuratiert hat. Oft ist die Kunst am Bauhaus orientiert. Oder, wie mit den Werken von Marguerite Friedlaender-Wildenhain, stammen sie von einer Bauhaus-Meisterin, die mit ihrer Auffassung von keramischer Form das Bauhaus mit prägte und Porzellanen-Ikonen der Moderne schuf.

Später musste die 1896 in Lyon geborene Friedlaender fliehen. Sie war Jüdin und die Nazis setzten ihrer Karriere abrupt ein Ende – wie die bei vielen anderen Architekten, Künstlern und Keramikern des Bauhauses. Wobei andere, wie Steinecke bissig berichtet, durchaus auch für die neuen Machthaber weiterarbeiteten. „Das Bauhaus ist keine Einheit - nicht künstlerisch und nicht politisch“, sagt er. Friedlaender emigriert über Holland in die USA.

1930 heiratet sie den gebürtigen Leipziger und Bauhaus-Absolventen Franz Rudolf Wildenhain, von dem sie sich 1950 wieder scheiden lässt. Steinecke hat wunderbare Exponate Friedlaender-Wildenhains in den Spiegelsaal gestellt. Ihr Beispiel ist eine von vielen spannenden Biografien, die sich hinter den prächtigen Keramiken verbergen. Von einigen zeigt Steinecke auch die komplette Entwicklung von der Bauhäuslerin bis zur Ikone im Design der 1950er Jahre. Und das wirkt komischerweise dann doch irgendwie von Gestern.

Wie grafisch, wie modern und abstrakt das Design auf Teller und Schalen ist, zeigt sich gleich hinter dem Eingang im Kurhaus: Blickt man die lange Achse des Flurs entlang in Richtung Wandelhalle, bleibt der Blick fasziniert an einer Wand mit scheinbaren Wandarbeiten hängen.

Die Ausstellung selbst in den Sälen des Friedrich-Wilhelm-Bades überrascht: Auf der einen Seite die Stücke in den Vitrinen, einige auf hohen Borden an der Wand und auf der anderen Seite dann hinter den Glastüren die ganze Fülle auf einem Sammelsurium von Tischen. Ohne die 30-seitige Broschüre, die es zur Ausstellung an der Kasse gibt, kann man den Überblick verlieren. Die Broschüre gibt’s kostenfrei an der Kasse.

Die Eröffnung ist am Sonntag, 14. Juli, 11.30 Uhr im Museum Kurhaus. Es sprechen Harald Kunde und Werner Steinecke. Das Duo Stock/Wettin aus Weimar spielt Bauhaus-Collagen.

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