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Kleve: Arnt der Bildschneider im Museum Schnütgen Köln

Arnt der Bildschneider : Arnt der Bildschneider

Das Museum Schnütgen in Köln lädt zur ersten Einzelausstellung über Arnt von Zwolle und Kalkar ein, der zwischen 1460 und 1491 am Niederrhein und in den Niederlanden arbeitete. 60 Meisterwerke sind dort versammelt.

KLEVE/KÖLN Wie zum Greifen nah: Georg der Drachentöter, der Lindwurm, die Prinzessin, die vom Ritter gerettet wird. So nah kommt man dem grandiosen Georgsaltar in der Kalkarer Nicolaikirche nie: Aug’ in Aug’ mit den Heiligen und Henkern, den Rittern und Damen und der Stadt im oberen Teil des Altars mit dem Rathaus, das so an Kalkar erinnert. In der Kirche ist derzeit eine Lücke, wo der Altar sonst stand: Er ging zur Restaurierung nach Köln und steht jetzt zentral in der Ausstellung des Schnütgen-Museums über den Schöpfer des Altars, dem Meister Arnt von Kalkar und Zwolle. Der arbeitete zwischen 1460 und 1491 am Niederrhein und in den Niederlanden und seine geradezu genialen Kunstwerke gehören in den hiesigen Kirchen zum Alltag.

Meister Arnt ist vor allem am Niederrhein und in den Niederlanden bekannt. Aber seine Werke, seine „beseelten Skulpturen“ (so der Untertitel der Kölner Ausstellung) haben mehr verdient, sagen Moritz Woelk, Direktor des Museum Schnütgen, und Guido de Werd, ehemaliger Direktor des Museum Kurhaus. So kam es trotz aller Corona-Schwierigkeiten zur ersten großen Einzelausstellung mit 60 Werken aus der Werkstatt des Meisters in dem Kölner Museum. Nicht nur die Kalkarer Kirchengemeinde gab ihre guten Stücke nach Köln. Aus Frankreich kam trotz aller Probleme mit der Pandemie die wunderbare, noch in originaler Fassung (Bemalung) erhaltene Beweinung Christi (Musee de Cluny, Paris), das Rijksmuseum Amsterdam gab seine besten Stücke, das Museum Kurhaus und viele Kirchen zwischen Kalkar und Zwolle.

Vorne an bei den Leihgebern steht die Kirchengemeinde Kalkar, die nicht nur den großen, fast fünf Meter breiten Georgsalter auslieh, sondern auch die Predella aus dem Hochaltar mit der Fußwaschung Christi gab. Das ist gut so, denn hier lässt sich im direkten Vergleich zwischen Arnt und Jan van Haldern die Genialität des Schnitzeres erkennen. Nach dem Tod Arnts Ende des 15. Jahrhunderts blieb der Altar als Fragment zurück und van Haldern arbeitete später daran weiter. Die Unterschiede der wie lebendigen, in ihren Bewegungen zugleich auch psychologisch gezeichneten Figuren Arnts und denen van Halderns sind frappant. So frappant, dass die Kalkarer später van Haldern den Auftrag entzogen und den Marburger Ludwig Jupan beauftragten, den Altar fertig zu machen.

Mit dabei aus Kalkar sind auch Schlüsselwerke wie der verstörende Christus im Grabe aus Kalkar, der in seiner Realität des getöteten Menschen Christus das um 1520 entstandene, gleichnamige Gemälde Holbeins vorweg zu nehmen scheint, von dem später Dostojewski in seinem Roman Der Idiot schreibt, diese Darstellung des Leichnams Christi im Grabe habe die Kraft, den Glauben auszulöschen. Arnts Figur des geschundenen Erlösers bringt einiges von der Kraft dieses Bildes mit.

De Werds Vorgänger im Amt des Klever Museumsdirektors, Friedrich Gorißen, war es, der dem bis nach dem Zweiten Weltkrieg unbekannten Meister des Georgsaltars endlich eine reale Person zuordnen konnte: nämlich Arnt der Bildschneider, wie Arnt von Zwolle und Kalkar auch bezeichnet wurde. Bald konnten ihm viele Werke zugeschrieben werden, wurde seine Schule ausgemacht, die sich jetzt im großen Ausstellungssaal im Kölner Museum Schnütgen so nah präsentiert in der zwar fensterlosen, aber mit der gut gesetzten Beleuchtung ansprechend inszenierten Ausstellung, die Kalkar und den Niederrhein mitten in die rheinische Metropole trägt. Und mit bewusstem lautmalerischen Klang zu Tilman Riemenschneider, dem süddeutschen Schnitzer, von Arnt der Bilderschneider und seinen beseelten Skulpturen erzählt.