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Kleve 60 Jahre Museum Haus Koekkoek mit Beuys, Mataré und Mittelalter

B.C. Koekkoek-Haus : 60 Jahre Museum im Malerpalais

Plakate schreiben Geschichte: 60 Jahre Museum Haus Koekkoek mit Beuys, Mataré und Mittelalter. Und immer wieder mit seinem Namengeber B. C. Koekkoek. Ursula Geisselbrecht-Capecki erinnert mit Kabinett-Ausstellung an die Zeit.

Es war der 10. Mai 1960, als das frisch renovierte Haus Koekkoek ganz der Kunst zur Verfügung stand und als städtisches Museum unter der Leitung von Stadtarchivar Friedrch Gorissen eröffnet wurde. Der Zweite Weltkrieg mit seinen Schrecken stand allen Klever Bürgern noch ganz nah vor Augen. Trümmergrundstücke gaben täglich Zeugnis von Tod und Zerstörung in der erst in Teilen wieder aufgebauten Stadt.

Vier Haager Grafiker wurden 1959 präsentiert. Foto: Matthias Grass

Der 10. Mai war ein symbolisches Datum: Es war der Tag der Überfalls der deutschen Truppen auf die Niederlande genau auf den Tag 20 Jahre zuvor. Gorissen hatte das Datum bewusst gewählt, erinnert sich sein Nachfolger Guido de Werd. Der Klever Historiker sah die Kunst und die Kultur Kleves eng mit der der Niederlande verbunden und hatte nicht von ungefähr den Namen „Niederrheinlande“ geprägt. Galt eine seiner ersten Ausstellungen im Untergeschoss des noch als Rathaus genutzten Hauses Koekkoek 1958/1959 noch Goyas Schrecken des Krieges, so war die Eröffnungsschau ganz der niederländischen Romantik gewidmet. Und die Delegation aus Nimwegen hatte ein entsprechendes Gastgeschenk mitgebracht: Ein kleine Zeichnung von Eugène Joseph Verboeckhoven. Man ging aufeinander zu.

2002 erinnerte Nelly an die Anfänge der Fotografie. Foto: Matthias Grass

60 Jahre Museumsgeschichte sind auch 60 Jahre Ausstellungen – und die lässt die künstlerische Leiterin des Hauses, Ursula Geisselbrecht-Capecki, jetzt in einer kleinen Kabinett-Ausstellung im Obergeschoss von Haus Koekkoek Revue passieren: Mit einer Auswahl von Plakaten der Ausstellungen, die das Museum zeigte. Unter Gorissens Leitung, unter der von Guido de Werd und schließlich unter Ursula Geisselbrecht-Capecki.

Flints Zeichnungen und RP-Karikaturen im Haus Koekkoek. Foto: Matthias Grass

Da sind die feinen typographischen, teils rein auf Schrift basierenden Plakate von Gorissen, da ist das wunderbare Bild von den Bildschneidern, die in „gotischen“ Buchstaben dunkelrot über einen geschnitzten Engel stehen, da sind die  Niederländer der Haager Schule. Dem jungen Beuys widmete Gorissen schon 1961 eine inzwischen legendäre Ausstellung – mit Werken aus der Sammlung van der Grinten. Dazu gab’s von Beuys ein auch an seinen Lehrer Mataré erinnerndes Plakat. Natürlich ist der, Mataré, gleich mehrfach im Obergeschoss vertreten: 1985 in der von de Werd organisierten Ausstellung über den toten Krieger, in dem Plakat zu den Holzschnitten. „Nach der Verabschiedung von Friedrich Gorissen 1976 wurde das Haus und seine Dauerausstellung durch seinen Nachfolger Guido de Werd 1978/79 umgebaut und zu diesem Zweck zehn Monate geschlossen, um dann mit einer neuen Ausstellung wieder eröffnet zu werden“, erzählt Geisselbrecht-Capecki.

Der tschechische Kupferstceher Wenzel Hollar entführte ins Barock. Foto: Matthias Grass

Zur Wiedereröffnung erkannte man, wie die Klever Sammlung gewachsen war. Eine Sammlung, die de Werd zu der des heutigen Museums Kurhaus ausbauen sollte, das jetzt von Harald Kunde als Direktor geleitet wird. Es sollte die Kunst Matarés sein, die den Weg für das große Museum Kurhaus ebnete, in dem das städtische Museum 1997 überging. 1997 wurde Haus Koekkoek zur Stiftung: Das Malerpalais blieb der Kunst erhalten, Kleve hatte - ungewöhnlich für eine Stadt mit damals nicht einmal 50.000 Einwohner – zwei Museen. Ein Glücksfall.

Beuys bekam nicht nur eine frühe Ausstellung, auch kurz nach seinem Tode widmete sich Haus Koekkoek dem Mann, der von hier aus als Künstler die Welt eroberte: „Ohne die Rose tun wir’s nicht“, hieß es Ende der 1980er Jahre. In diese Zeit fielen auch die von de Werd organisierten Schauen „Land im Mittelpunkt der Mächte“ zu den Klever Grafen und Herzögen und „Soweit der Erdkreis reicht“, die den Statthalter Johann Moritz wieder  auf den Sockel stellte.

Man darf sich an Han Triers spontan gestischen Strich auf dessen Plakat erfreuen, an die farbenfrohen Plakate Walter Flinterhoffs, an die vielen feinen Plakate zu Koekkoek-Zeichnungen, mit dem so vieles begann im Haus, Das schöne Blatt zur Pariser Schule steht zentral auf einer Staffelei. Man darf nicht die Gartenlust-Ausstellung zu Bad Cleve vergessen, die Lust aufs Kurhaus machen  sollte. Oder an Nelly, deren wunderbare Fotos vom neuen Medium Fotografie erzählten und vom modernen Tanz: Aufbruch in eine neue Zeit. 1997 sollte auch für Haus Koekkoek eine neue Zeit anbrechen. Da gab es wunderschöne Modelle von Bäderlandschaften in der Balnea-Schau. Die gehört zu den jüngeren Ausstellungen, die in einer Reihe hängen.

Am 10. Mai, dem eigentlichen Tag der Eröffnung vor 60 Jahren wird es noch eine Sonderveranstaltung geben, sagt Ursula Geisselbrecht-Capecki. Bis dahin kann man die Zeit mit den Plakaten Revue passieren lassen.