Kleve: 30 Jahre Cinque im Spiegelzelt

Spiegelzelt : 30 Jahre: Cinque feiert im Spiegelzelt

Der Klever Kleinkunstverein lädt an vier Tagen zu Veranstaltungen ins Spiegelzelt ein: Am 24. Juni wird das gute Stück aufgebaut, drei Tage später beginnt der Reigen der Vorführungen zum Geburtstag mit Dave Davis.

Als der Klever Kleinkunstverein Cinque vor 30 Jahren gegründet wurde, war die Kabarett- und vor allem die Comedy-Szene am Unteren Niederrhein noch in den Kinderschuhen. Jetzt organisiert Cinque in der Klever Peripherie alle zwei Jahre das größte Freiluft-Kabarettfestival der Region – die Sommernacht.

Und wenn keine Sommernacht ist, dann kommt alle zwei Jahre das Spiegelzelt. Auch zum 30. Geburtstag hat der Klever Kleinkunstverein unter seinem Vorsitzenden Bruno Schmitz das 80 Jahre alte Großzelt aus Belgien an der Niederrhein sowie sich und vor allem seinen Gästen ein ansehnliches Geburtstagsprogramm nach Kleve geholt: Auf die Wiese hinter dem Tiergarten, zu der die „Cinque“-Allee führt, die natürlich an einem solchen Tag illuminiert wird. Vier Tage Programm gibt es in dem Zelt, das mit seinen Kabinetten und dem glitzernden Spiegelglas auf Stützen und Zwischenwänden ein bisschen an ein altes Cabaret-Theater erinnert.

Das Cinque-Team um Bruno Schmitz (2. v. rechts) auf der Wiese am ehemaligen Schützenhaus. Foto: Matthias Grass

Am Montag, 24. Juni, wird das gute Stück aufgebaut, Donnerstag, 27. Juni, 20 Uhr, steigt der erste Abend mit Dave Davis und seinem Programm „Genial verrückt“. Die Angst vor allem Fremden, der kleine Rassismus im Alltag und der große Rassismus im Osten ziehen sich wie ein roter Faden durch das zweistündige Programm des in Köln geborenen Uganders. Sein Appell: die Deutschen müssen fröhlicher werden. Und die AfD sich in Afrikaner für Deutschland umbenennen, bevor man sie ernst nehme.

Zum wortgewaltigen Polit-Kabarett lädt dann am Freitag, 20 Uhr, Wilfried Schmickler ins Zelt ein. Er zählt zu den Granden des politischen Kabaretts in Deutschland und für ihn gibt es „Kein zurück“, wie der Titel des Abends lautet. Schmickler ist oft Gast am Niederrhein, ist er doch der „Ankermann“ des Kabaretts aus dem Sacklager, „Hart an der Grenze“. Am Samstag, 29. Juni, lädt schließlich Cinque zur Geburtstagsfeier ein, dann heißt es ab 20 Uhr Let’s Party. und das nicht nur für die Cinque-Freunde, denn auch die Klangfabrik hat Geburtstag, sie wird 20 Jahre alt. und die Klangfabrik Allstars, die im Spiegelzelt Premiere hatten, wie sich Schmitz erinnert, feiern ihr Zehnjähriges und „spielen auf“. Lokalmatador Ludger Kazmierczak bringt niederrheinisches Kolorit ins Zelt. Sein Programm „Nix für ungut“ am Sonntag ist ausverkauft. Eine Vormittagsveranstaltung gibt’s leider nicht. „Das ist schade, denn das Zelt steht ja bereit“, sagt Schmitz. Kleves Wirtschaftsförderer Joachim Rasch habe kurzfristig abgesagt, hier das Unternehmerfrühstück in besonderer Atmosphäre machen zu können, grantelte Schmitz. Wer ins Zelt kommt, wird auch Cinque-mäßig ordentlich verwöhnt: Barbara Jakobs vom Cinque-Team bietet Snacks, Bio-Wein, Bier, auch  einen Prosecco und auch ein Piccolöchen, sagt sie. Wer etwas früher kommt, für den hält man auch gerne einen Kaffee parat.

„Wir stemmen das alles, auch das Spiegelzelt, ehrenamtlich“, fügt Schmitz an und verweist auf sein zehnköpfiges Team, das die Arbeit an den Tagen macht und das Fest vorbereitet hat. Auch der Kostenrahmen, den Cinque stemmen muss, ist für einen Kleinkunstverein ordentlich: „Das alles zu organisieren kostet eine ordentliche Stange Geld“, sagt Bruno Schmitz.

30.000 Euro hat Cinque veranschlagt, 10.000 Euro alleine für das Zelt, das aber von einem Sponsor finanziert wird. 3000 Euro und eine Ausfallbürgschaft gibt die Stadt, der Rest muss über den Kartenverkauf hereinkommen.

Zuhause ist der Kleinkunstverein seit zwei Jahren provisorisch in der Aula der Beuys-Gesamtschule. Doch hofft Cinque, dass sich in Kleve ein Kulturzentrum für die freie Szene umsetzen lässt. Das müsse auch, so Schmitz, an einen konkreten Ort festgemacht werden.

Ein Ort, der ein schönes Theaterkabarett biete und dazu auch Räume für die anderen Kulturtreibenden der freien Szene in Kleve vorhalten. Schmitz hofft, dass man das in Kleve anvisieren kann und ist guter Dinge. Schließlich habe Cinque auch nach der Gründung im Café Lensing eine gute Spielstätte gefunden, als im Jahr 1994 des Café schloss.

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