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Kalkar und Kleve im Dreißigjährigen Krieg

Kalkar im Dreißigjährigen Krieg : Zwischen den Stühlen der Mächte

Das Klever Land und Kalkar im Dreißigjährigen Krieg: Vortrag von Hiram Kümper im voll besetzten Rathaussaal.

Die deutsche Ur-Katastrophe, der Dreißigjährige Krieg mit all seinen Verheerungen und Seuchen, den Plünderungen und Zerstörungen, diese Ur-Katastrophe ging am Land im Mittelpunkt der Mächte, dem Stammland der Klever Herzöge rund um die Schwanenburg, nahezu vorbei. Keine nennenswerten Verluste in der Bevölkerung, listet der Geschichtsatlas von Günther Franz über die Wirren dieses großen Krieges, der sich, so die jüngste Forschung, bis heute ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben soll.

Und doch waren es die Wirren des 16. und 17. Jahrhunderts, die das Kleverland und das einst reiche Kalkar in Armut stürzten und die manche Städte im Kleverland so weit zurück warfen, dass sie sich davon lange nicht mehr erholten. Nach dem klevischen Erbfolgekrieg war die Region vom Land im Mittelpunkt der Mächte, wie es in einer Klever Ausstellung hieß, zum Land zwischen den Stühlen der Mächte geworden, wie der Titel von Prof. Hiram Kümpers von der Uni Mannheim Vortrag titelte. Abseits gelegen von der neuen Weltpolitik, die sich anschickte, die europäischen Gewichte zu verschieben, und doch von den Auswirkungen der Kriege wirtschaftlich schwer getroffen.

Kümper zeichnete vor einem nahezu voll besetzten Saal im historischen Rathaus der Stadt den Freunden Kalkars und ihren Gästen ein Bild dieser Zeit, nachdem er in einem Parforce-Ritt die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und die Heerführer als wirtschaftliche Unternehmer vorgestellt hatte. Kümper skizzierte kurz, dass 1618 bis 1648 drei Kriege, der böhmisch-pfälzische (1618-23), der niedersächsisch-dänische (1624-29), der schwedische (1630-35) und schließlich der schwedisch-französische Krieg (1635-48) über die deutschen Lande fegte. Wobei letzterer eines deutlich machte: Um Religion ging es nur vordergründung: Denn der katholischste aller Könige der Franzosen unterstützte die protestantischen Schweden, damit der katholische Kaiser der Habsburger geschwächt werde.

Das Kleverland sei zwar nicht verheert worden, keine großen Seuchen haben es heimgesucht und keine Feldschlachten fanden hier statt - aber das Kleverland musste schon lange vorher die Auswirkungen des niederländisch-spanischen Krieges und natürlich des klevischen Erbfolgekrieges erleiden. Kümper rechnete auch vor, dass die Niederländer, die aus der Krisenregion flohen, im Kleverland die Bevölkerungszahlen konstant hielten. „Viele ihrer Nachnamen in dieser Region gehen garantiert auf diese Zeit zurück“, sagte Kümper. Er zeigte auch auf, dass Heere ein kostbares Gut waren und man es vermied, sie in einer übereilten Feldschlacht zu beschädigen: Moritz von Oranien und der Spanier Ambrosio Spinola lagen sich Anfangs des Krieges am Niederrhein gegenüber, wie die Karte aus der Sammlung Angerhausen (Museum Kuhaus) eindrucksvoll zeigt. Man nimmt sich gegenseitig die Städte weg: Moritz besetzt Kalkar. Und seit 1618 muss die Stadt kontinuierlich Schulden machen, um die Last der einquartierten Soldaten zu tragen. Beispiel: 1637 sucht der Marquis de Grana ein Winterquartier und fragt in Kalkar an. Die lehnen dankend ab. Also marschiert er eben ein, und Kalkar muss ihn und seine Soldaten bis 1640 durchfüttern. Dann kommen die Hessen...

Und mit dem Westfälischen Frieden 1648 war die Pein noch nicht vorbei: Immer noch zogen zurückgebliebene Rotten und Trupps durchs Land, erzählen die Archivalien. Kleve hingegen, so Kümper, sollte sich viel schneller erholen - als neue Residenzstadt der Brandenburger.