Kalkar Museum zeigt Werke von Poppe Folkerts

Museum Kalkar : Der Marinemaler aus Norderney

Von „Meer, Fluss, Land und Leuten“ heißt die Ausstellung im Museum Kalkar mit Werken des See- und Landschaftsmalers Poppe Folkerts, der an den Akademien Berlin, Königsberg und Düsseldorf studierte.

Wäre es nicht dieses Licht des Nordens, könnte man meinen, die Boote mit den schneeweißen und dunkelblauen Segeln stechen ins Mittelmeer und nicht in die See. Es ist ein freundlicher Tag, an dem der Maler Poppe Folkerts wahrscheinlich auf der Düne oder einer Promenade am Strand steht und an einer Buhne entlang aufs Meer schaut, auf dem sich die Boote versammelt haben. Leicht plätschern die Wellen auf dem Sand, die hellen Segel strahlen im Licht, der Himmel leuchtet ausnahmsweise blau und das sonst so graue Meer auch.

Folkerts ist der Maler der Nordsee. Er kennt auf seinen Bildern die tiefgrauen fast schwarz tosenden Brecher, vielleicht sogar die Kaventsmänner der mörderischen See, er kennt die Wolkenberge über dem Meer, die karge wie schöne Landschaft. All das hat der See- und Landschaftsmaler auf seinen Bildern versammelt. Und eben auch die schönen Tage wie an jenem Sommertag 1928 als er die Ausfahrt der Fischerflotte geradezu französisch-impressionistisch auf die Leinwand setzt. Doch Folkerts bleibt nicht nur bei der Landschaft, er schuf dazu wunderbare Porträts – von Frauen und bärtigen Seebären und von seiner Familie.

Junge Fischerin, 1932 gemalt. Foto: Matthias Grass

Das Museum Kalkar hat jetzt eine beachtliche Schau des 1875 geborenen Malers aus Norderney eingerichtet, die alle Säle des Stufengiebelhauses an der Grabenstraße füllt, und die auf 60 mittelformatigen Gemälden und vielen Zeichnungen einen schönen Überblick über das Werk des 1949 verstorbenen Malers gibt. Aber wie kommt ein Norddeutscher Marinemaler an den Niederrhein? „Ganz einfach“, sagt Lioba Rochell, die zusammen mit Ludger Seesing die Ausstellung eingerichtet hat. „Karl Welbers war ab 1979 Stadtdirektor auf Norderney. Welbers stammt aus Kalkar, hatte Kontakte zu Hubert Umbach und Karl-Ludwig van Dornick“, sagt die Designerin.

Lioba Rochell in der Ausstellung von Oppe Folkerts. Foto: Matthias Grass

Folkerts Enkel war bei der Einrichtung der Ausstellung dabei, die einmal nicht den Blick der Marinemaler aus der großen Koekkoek-Familie aufs Wasser zeigt, sondern die Generation danach. Folkerts hatte auf Norderney einen Malerturm, ein gläsernes Atelier. „Aber am liebsten malte er seine Bilder draußen, vor der großen Natur, im ersten Wurf fertig: nur den letzten Pinselstrich sozusagen tut er im Atelier. – Sieben Bilder dann in vier Tagen – bei zwei durchwachten, durchsegelten Nächten, bei Meeresleuchten, sprühenden Ruderschlägen und feurigen Schlangen vorn am Bug. Das zeugt von Entschlossenheit und Produktionskraft. ,Een Düvelskeerl, de Popp‘, de Maler’, schreibt der ostfriesische Dichter Arend Dreesen 1925 über seinen Freund nach dem Erlebnis eines gemeinsamen Segeltörns entlang der ostfriesischen Küste.

Folkerts hatte als 15-Jähriger eine Malerlehre gemacht und dann, als man sein Talent entdeckte, in Berlin an der Akademie der Künste Malerei studiert, war an der Kunstakademie in Königsberg und lernte bei von Gebhard an der Kunstakademie Düsseldorf das Porträtmalen. 1906 stellte er im Rahmen der Künstlergruppe „Schleswig-Holstein“ gemeinsam mit Emil Nolde, Hans Arp und Hans Peter Feddersen in der Kieler Kunsthalle aus, in Paris studierte er die französischen Impressionisten. Seine Bilder sind impressionistisch und farbenfroh, aber auch gedeckte Landschaftsmalerei mit blasseren Farbtönen, wie die älteren im unteren Saal in Kalkar – hier auch ein Bild von Rees.

Eine Tjalk in der See. Foto: Matthias Grass

1940 bricht die Wehrmacht den Malerturm bis aufs Erdgeschoss ab – sie braucht Schussfeld und nimmt keine Rücksicht auf den Maler. Poppe Folkerts zieht zu seiner Tochter nach Köln-Rodenkirchen, malt den Rhein und kommt 1949 zurück. Er stirbt im gleichen Jahr in seinem Malerturm. 1950 wird er auf See beigesetzt.

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