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Kalkar: Aaron Vidal Martinez malt Autos und Kennedy

Ausstellung in Kalkar : Als die Autowelt noch heil schien

Die Kunstgalerie Kalkar zeigt Bilder von Aaron Vidal Martinez. Vidal malt Collagen aus Bildern einer vergangenen Zeit mit mondänen Motiven und malt vor allem junge Oldtimer. Dazu zeigt Galerist Bottenbruch Autokarikaturen.

Der Bilder-Kanon, aus dem sich die Gemälde von Aaron Vidal Martinez zusammensetzen, ist bekannt: Szenen, die aus alten Technicolor-Filmen gekommen zu sein scheinen, und die Reichen, die Jungen und die Schönen zeigen. Im nicht zu knappen Bikini oder im Anzug mit schmalem Schlips, mit tiefdunkler Sonnenbrille, im Chanel-Kostüm. Es sind Bilder aus Filmen, aus den Magazinen und Illustrierten der 1960er und 1970er Jahre und aus Werbebroschüren. Diese Bilder fügt Vidal zu Collagen: Zunächst ausgeschnitten bunt aus Papier, exakt aufgebaut, klar gegliedert. Dann malt er die Collagen auf großem Format, in der Regel mit Acryl auf Leinwand. Vidal nimmt schwarz-weiß, malt lasierend, die Schärfen und Unschärfen der Vorlage verstärkend. Ab Samstag zeigt der Kalkarer Galerist Hans-Hermann Bottenbruch die Gemälde und Collagen des Spaniers. Die Ausstellung „Aaron Vidal Martinez“ wird am 18. August, um 18 Uhr eröffnet.

Auf Vidals Bildern überlagert sich Schicht um Schicht. Schichten von Farbe ebenso, wie die Schichten der Motive: Da steht eine junge Blonde im gelben Bikini im Vordergrund, schwebt über den anderen Figuren auf dem Bild. Und doch ist sie nur Beiwerk. Weil in dem präzise komponierten Bild eine Spanierin mit hochgeschlossener Rüschenbluse, schwarzem Jacket und schwarzem Hut, der von einer roten Kordel gehalten wird, automatisch im Fokus des Betrachters steht. Auch wenn ihr Platz links fast am Bildrand ist, kommt man nicht an ihr vorbei. Die Frau in der andalusischen Tracht, die Frau aus Cordoba, die überrascht, vielleicht erfreut aufschaut, ist der Mittelpunkt. Der Rest fügt sich zu Mustern, Kleidungsstücke setzen farbliche Akzente, die letztlich die Komposition tragen, so die Kunsthistorikerin Tina Lürs.

 Dazwischen manchmal versteckt, manchmal herausgehoben, Teile von Fahrzeugen aus dieser Zeit: Da blitzt der Überrollbügel eines Porsche 911-Targa, die Front eines Ferrari oder Maserati, die hinter einer Gruppe Menschen herauslugt, die Seitenscheibe eines Ford aus den 1960er Jahren. Ebenso Präzise gemalt, wie die anderen Szenen.

Autos sind eine Leidenschaft des 1972 in Teneriffa geborenen Malers, der in den 1990er Jahren in Barcelona studierte und heute in Hamburg lebt und arbeitet. Die Vorlagen stammen aus Werbebroschüren oder von Pressefotografien. Da sind ein Renault Dauphine, viele Käfer, der klassische Bulli, Citroens und BMW, Simca und auch Mercedes Staatskarossen, ein Jaguar E-Type oder die amerikanischen Straßenkreuzer. Fahrzeuge aus einer Zeit, als die Autowelt noch heil schien. Als man Benzin fressend Rennen fuhr mit schwarz bemalten Motorhauben oder weiche Autofahrerhandschuhe trug.

Doch gegen diese heile Welt stehen jene Bilder, die schwarz-weiß Zeitgeschichte aufarbeiten: Da ist eine Reihe von Gemälden, die den Mord an John F. Kennedy aufzeigen. Unscharf auf die Leinwand gesetzt, setzt das Gedächtnis vor dem geistigen Augen die Bilder sofort als Erinnerung an die Geschichte scharf. Vidal zeigt die Ankunft Kennedys in Dallas, dann den Präsidenten im offenen Wagen mit Jackie Kennedy, kurz bevor die Kugel Kennedy tötet. Das Chaos nach dem Schuss. Andere schwarz-weiß Bilder erzählen von Staatsbesuchen, zeigen farbig das Sowjet-Banner neben dem der DDR als Standarten auf einem offenen Wagen russischer Bauart, daneben Volkspolizisten auf dem Motorrad, zeigen die Queen neben dem Kanzler im offenen Mercedes.

Und weil die Ausstellung auch Teil von Kalkar genießen und der Oldtimer-Rallye ist, hat Bottenbruch auch Werke des Bildhauer-Karikaturisten Gullermo Forchino in die Galerie geholt. Prächtige Karikaturen von Mensch und Karosse aus einem Stein-Guss. Karikaturen vom Staatsmann im Rolls, vom Playboy im Motorboot oder von den beiden Künstlern in der Ente, von einem hoffnungslos überfüllten Mini.

Donnerstags bis sonntags 15 bis 19 Uhr. Bis 11. November.