Joseph Beuys Hasengräber im Museum Schloss Moyland

Museum Schloss Moyland : Joseph Beuys ist ein Hase

Die Ausstellung „Joseph Beuys. Hasengräber“ zeigt vier der sieben „Gräber“, weitere plastische Bilder, Grafik und Fotos.

Wie ein Heiligenschein steckt eine große blecherne Scheibe in dem Haufen Unrat, der sich da mitten im Raum unter einer Glashaube aufzutürmen scheint. Tatsächlich ist dieser Haufen aus einem scheinbar umgekippten Abfalleimer aber ein Grabhügel. Bei genauerem Hinschauen sieht man, dass hier mitten im Moyländer Dämmerlicht ein toter Hase aufgebahrt ist. Und auch der Schutt ist nicht nur eine eine Schüttung aus Abfall, sondern ein vielleicht sogar sorgfältig getürmter Hügel der den toten Hasen, über dessen Kopf der Heiligenschein sitzt, begräbt.

Uhu-Tuben leuchten gelb aus dem Haufen heraus, der Propeller eines Kinderspielzeugs liegt wie hingefallen darüber. Als Grabbeigaben hat der Hase mit Heiligenschein auch acht Zündkerzen. Sie könnten von Beuys Bentley stammen. Denn der „Unrat“, also die Zutaten zu dem Grabhügel, stammen aus der direkten Umgebung des Künstlers, seinem Atelier. Und sie sollen, so erzählte seine Frau Eva,  gezielt ausgesucht worden sein. Auf jeden Fall sind alle Teile ganz genau fixiert, geklebt, damit sie genau da bleiben, wo Joseph Beuys sie hin haben wollte.

„Hasengrab IV“ heißt das tischgroße Ensemble und wurde von Joseph Beuys um 1964 geschaffen. Es gibt sieben Hasengräber, vier davon sind im Besitz der Stiftung Museum Schloss Moyland. Und diese vier hat Kurator Alexander Grönert jetzt aus der ständigen Sammlung im Souterrain des Schlosses oben in die Säle auf die Beuys-Etage im Schloss Moyland geholt. Grönert stellt die vier Plastiken in der neuen Ausstellung „Hasengräber“ in neue Zusammenhänge und versucht mit dem Hasengrab den Beuys zu erklären. So geht es in einem Saal  um die Bedeutung vom Hasen, in einem anderen um die Künstlerkollegen und schließlich steht da auch noch im dritten Raum die Erfindung der Fettecke zur Diskussion wo Beuys zwischen „Form und Antiform“ steht, so der Moyländer Kunsthistoriker.

Beuys und der Hase jedenfalls waren innig verbunden, erfährt man: Der Hase gilt ihm als Symbol für Lebenskraft, Begierde und Fruchtbarkeit, im christlichen Sinne als Symbol für die Auferstehung. Aber auch als Festtagsbraten, mit dem Beuys nicht nur Galeristen bewirtete. Über die Freundschaft Beuys - Hase verkündet über „Hasengrab IV“ eine Grafik: „Beuys is a hare“ (Beuys ist ein Hase). Das hat der Künstler selbst in Druckschrift auf die Gafik aus dem Jahr 1968 gekrakelt und sie zudem mit seinem bekannten Beuys-Stempel versehen.

Unter der Grafik liegen in einem leuchtenden Objektkasten „Reliquien aus der Aktion ,Wie man dem Hasen die Bilder erklärt’“ (so der Kurator). Bei dieser Aktion 1965 in der Galerie Schmela in Düsseldorf hatte Beuys seinen Kopf mit Blattgold bedeckt und hielt einen toten Hasen auf dem Arm, mit dem er von Bild zu Bild geht, während draußen vor der Glastüre die Besucher der Galerie darauf warten, eingelassen zu werden. Der Objektkasten erinnert damit auch an den Beuys der Aktionen. Und bei den Aktionen tauchte der Hase eben immer wieder auf. Den Hasen gab’s auch auf Filz, wie die Ausstellung zeigt, sowie auf zahlreichen Zeichnungen. Und sogar als im Beuys-typischen weichen Strich gezeichnetes, gebücktes Bunny-Häschen. Es fehlt auch nicht „White Rabbit“, das ins bodenlose fallende weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland, auf  einem von Beuys signierten und gestempeltes Zuckerpapier aus China aus dem Jahr 1979.

Grönert hat also für die Hasengrab-Ausstellung  tief in den Bestand von Moyland gegriffen, wunderbare Zeichnungen herausgesucht und die vier so unterschiedlichen Gräber mit anderen plastischen Arbeiten, Bildern, Fotos und Grafiken kombiniert. Das passt und hebt jedes einzelne der Werke heraus, wie die Geschichte vom Hasen auf Filz. Weil dazu aber auch viel Grafik gehört – und Grafik ist eben der Hauptbestandteil der Moyländer Beuys-Sammlung – bleibt auch für die Objekte im Schloss das Licht gedämpft.

Mehr von RP ONLINE