Goch Museum zeigt Fotografie von Ursula Seitz-Gray

Ausstellung im Museum Goch : Unter den Brücken der Seine

Das Museum Goch feiert die Frankfurter Fotografin Ursula Seitz Gray und zeigt ihre Arbeiten aus den 1950er Jahren. Die Kabinett-Ausstellung entführt in das Paris der 1950er und erzählt von ambitionierter Schwarz-Weiß-Fotografie.

Eine Mittagspause neben der Seine mit Blick auf Notre Dame – kaum zu toppen. Vor allem, wenn man dann auch noch, die Beine übereinander geschlagen, gemütlich in die Sonne blinzeln kann. Aber allein schon der Blick auf die Hinterhöfe von Montmartre wecken Sehnsüchte – auch oder gerade weil es eben nicht nur irgendwelche Hinterhöfe sind, sondern just die des Intellektuellen- und Künstlerviertels der Seine-Metropole zu Beginn der 1950er Jahre, als Paris noch die Kulturhauptstadt war, und nicht New York. Als Berlin noch geteilt und zerbombt war und Paris synonym für alles Gute und Schöne galt, die Banlieue noch ein Fremdwort war. Das Quartier Latin ist dabei, die Gitter und Treppen rund um die Ile de France und immer wieder Notre Dame mit ihren mächtigen Türmen und immer wieder die Menschen auf den Straßen der Stadt. Allein ihren Schatten begleitend, in Gruppen, als Familien, als Paar oder eben in der Mittagsruhe die Beine übereinander geschlagen in die Sonne blinzelnd.

Es sind typische schwarz-weiß Fotos der frühen 1950er Jahre von der Frankfurter Fotografin Ursula Seitz-Gray. Man spürt als Vorbilder den Blick auf die Menschen von Cartier-Bresson oder Robert Doisneau, man spürt auch die Liebe zu den Kontrasten und zur Geometrie der Bauhaus-Fotografie. Man sieht aber auch den Willen zur eigenen Handschrift, die die junge Fotografin auf ihren Studienreisen in die Stadt der Liebe an den Tag legte, den feinen Umgang später bei der Vergrößerung mit den Schattierungen von Grau, die die Schwarz-Fotografie so interessant machen.

Ursula Seitz-Gray kam als junge Frau nach Paris, die in Köln Fotografie studierte. Sie zog aus, fotografierte das romantische Paris, sah aber auch die Menschen, die das nicht verkaufte Obst aufsammelten oder kärgliche Waren, sah die engen Straßen und die oftmals gar nicht so schmucken Häuser. Das Gocher Museum wählte jetzt 70 Fotos dieser Studienreisen aus und stellte sie in einer Kabinett-Ausstellung oben in den beiden Räumen unter dem Dach des Hauses zusammen, die in das Paris der 1950er Jahre entführt und von ambitionierter Fotografie erzählt. „Wir zeigen die authentische Geschichte einer Fotografin, die den romantischen Blick auf Paris pflegt und gerade erst aus der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs entkommen war“, sagt Stephan Mann, Direktor des Museums Goch.

Vielleicht ist dieser Blick auf die Schöne an der Seine auch die Flucht aus der zerstörten Welt daheim, aus der verlorenen Heimat. Seitz-Gray musste Anfang der 1950er Jahre mit ihrer Familie aus Polen fliehen und kam über Thüringen und Bamberg nach Frankfurt, wo sie blieb. Hier machte sie eine Ausbildung zur Fotografin und studierte anschließend an der Fachschule für Fotografie in Köln. „Mit Blick auf Paris ist Ursula Seitz-Gray ganz und gar ein Kind ihrer Zeit. In ihren Kompositionen spiegelt sich in erster Linie ein verklärt-romantischer Blick auf die Menschen und die Architektur der Stadt“, sagt Mann. Ein Blick in eine aus heutiger Sicht vergangene Zeit, in die einzutauchen jetzt das Gocher Museum einlädt.

Seitz-Gray, die bis zu ihrem Tod 2017 als freie Fotografin in Frankfurt am Main arbeitete, widmete sich aber später nur wenig der künstlerischen Fotografie. Sie sah ihr Arbeitsfeld, so Mann, als Museumsfotografin. Und als solche begleitete sie so manchen der Künstler, die in Frankfurt ausstellten, die dort arbeiteten und die in der alten Verbundenheit von Mann zur hessischen Bankenmetropole im Gocher Museum zu sehen waren. Sie fotografierte ihre Werke, sie porträtierte die Künstler. Aber das ist irgendwann mal ein anderes Feld. In Goch steht jetzt „Paris“ im Mittelpunkt, wie die Ausstellung also auch titelt. Damit sie nicht in Vergessenheit gerät, widmet Mann Seitz-Gray sein Museumskabinett.