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Gemälde im B.C.-Koekkoek-Haus in Kleve: Wald statt Virus

Weiße Weihnachten : Wald statt Virus

Die Menschen haben Wald und Natur in Zeiten von Corona wiederentdeckt: zur Entspannung, als Abwechslung, weil alles andere geschlossen ist. Vom romantischen Winterwald erzählen die Gemälde im Klever B.C.-Koekkoek-Haus

Wald und Natur werden in Zeiten wie diesen wiederentdeckt – für die Abwechslung vom Lockdown und weil hier draußen die Ansteckungsgefahr nicht so groß ist. Und weil fast alles andere geschlossen ist„Der Wald ist im Corona-Jahr tatsächlich wieder zu einem Zufluchtsort der anderen Art geworden“, sagt Ursula Geisselbrecht-Capecki, die künstlerische Leiterin des B.C. Koekkoek-Hauses in Kleve. In ihrem Museum ruht die Natur, auf Bildern romantisch überhöht. Geisselbrecht-Capecki gewährt in Zeiten von Corona einen Blick in die Schubladen des Grafikdepots und holt ein Landschaftsbild heraus, das genial zu Weihnachten passt.

Es zeigt ein „Hexenhäuschen“ mit spitzem Dach, das auf einer Anhöhe unter knorrigen Bäumen liegt, deren kahles Astwerk in den kalten Himmel greift. Rundherum scheint Brennholz gestapelt, links liegt das Ofenhaus mit rußgeschwärzter Öffnung, hinter dem Hexenhäuschen steht eine Bauernkate mit lang-geschwungenen Dach. Vorne auf dem Bild steht dick eingemummelt ein Junge mit seinem Hund und scheint auf einen Mann, seinen Vater vielleicht, zu warten. Der schreitet aus der Niederung herauf und wird freudig vom Hund begrüßt. Der Blick geht weit in diese Niederung hinein, links im Hintergrund am Wegesrand schon hinter der Biegung leicht verdeckt eine weitere Kate, unten auf der Ebene Kopfweiden und paar kleinere Häuser am Rande eines Buschs. Man kann regelrecht sehen, wie still es in der vom Schnee bedeckten Landschaft ist.

Andreas Schelfhout hat das Bild gemalt. Er gilt als Meister der niederländischen Winterlandschaft, was er genial auf dem kleinen romantischen Blatt unter Beweis stellt. Das ist mit einer Feder aufs Blatt gezeichnet und laviert, also mit einer ganz dünnen Farbschicht wie mit Schnee überzogen. „Gefrorene Flussauen“ titelt das wunderschöne Blatt, das seit 1957 im Depot von Haus Koekkoek schlummert und bis heute noch nirgends abgebildet wurde. „Nur wenige Zeichnungen von seiner Hand sind in der Sammlung, unter anderem auch eine Ansicht von Kleve mit dem Belvédère Koekkoeks. Koekkoek, der bei seinen Zeitgenossen als Meister der Waldlandschaft galt, erwähnt Schelfout in seinen Buch ,Herinneringen en Mededeelingen’ 1841“, sagt Geisselbrecht-Capecki auf der Suche nach wenig bekannten Blättern oder Gemälden, die ein bisschen aus dem Corona-Stress in die romantische Malerei des 19. Jahrhunderts in eine heile Welt entführen. So wie das Bild Schelfhouts mit Junge, Hund und  Vater vor idyllischer Winterlandschaft. Auch wenn dies, real betrachtet, eine harte Zeit war.

Die Härte der Zeit, die Armut der Menschen steht auch im Hintergrund der Winterlandschaft von Willem Bodeman (Amsterdam 1806-1880 Bussum) aus dem Jahr 1836. Öl auf Leinwand in dickem Goldrahmen. „Bodemann war ein langjähriger Wegbegleiter Koekkoeks und war auch in Kleve“, sagt Geisselbrecht. Das so wunderbar romantisch-idyllsch scheinende Gemälde erzählt von den „Houtsprokkelaers“: „Die Holzsammler waren ein typisches Bild in den Wäldern des 19. Jahrhunderts und sind insbesondere in die Kunstgeschichte der niederländischen Malerei eingegangen. Das Reisigsammeln war eine Möglichkeit des Zubrots für arme Leute“, sagt Geisselbrecht. Vor allem im Winter.  Da wird die Überhöhung der die Menschen umgebenen Natur auf dem Gemälde doppelbödig.

Das kalte Winterlicht scheint auf die kleine Gruppe Menschen im Wald, ein älterer Herr mit Stock und Hund, der auf eine Frau mit ihren beiden Kindern trifft. Während sich Mann und Frau unterhalten, streichelt das Mädchen den Vierbeiner. Bodemans Gemälde bringt ein bisschen romantische weiße Winter-Weihnacht ins Wohnzimmer.

Original zu sehen ist es derzeit leider nicht. Wegen Corona sind die Museen geschlossen. Es ist mit einem Gemälde vom „Reichswald im Sommer“ auf der Ausstellung „Koekkoek op bezoek“ im Kasteel Doorwerth.