Die Malerin Elizabeth Weckes stellt in Kalkar aus

Malerei-Ausstellung : Weckes surreale Vögel im Kalkarer Museum

Die Malerin Elizabeth Weckes zeigt ihre oft großformatigen Gemälde im Stufengiebelhaus hinter dem Rathaus. 

Auf der einen Seite ist sie von der Technik fasziniert. Wie von die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven, einem schwenkbaren Stahl-Ungetüm aus der Gründerzeit. In die elegant geschwungene Konstruktion schaut Elizabeth Weckes direkt hinein. Fast wie eine Zentralperspektive wirkt das Bild und entwickelt einen ungemeinen Sog. Zumal die untergehende Sonne eine Wolke hinter der Brücke in magisches Licht taucht und die geometrischen Streben der Konstruktion im sonnigen Gold schimmern lässt. Von den Wegen und Fahrbahnen hat die Malerin die Brücke befreit, es stehen nur Streben und Pfeiler und die geschwungenen Querverbindungen. An die klammern sich aber überdimensionale Miesmuscheln, teils mit Seepocken bewachsen. An die Muscheln vorbei führt der Weg in das surreale Nichts der magisch leuchtenden Wolke.

„Wilhelmshaven“ titelt das Bild und erinnert die Malerin nicht an den Sonnenuntergang, sondern an einen total verregneten Aufenthalt in Deutschlands Norden. Sie sei vor Ort gewesen und habe Aquarell-Studien von der Brücke und dem Hafen gemacht. Alles sei Nass in Nass gewesen - und das nicht nur auf den Skizzenblättern, erzählt die 51-Jährige, die 1988 an der Kunstakademie Münster studierte und 1992 Meisterschülerin wurde und 1993 das Max Ernst Stipendium der Stadt Brühl erhielt. Zurück in ihrem Atelier in Frechen komponierte sie dann die Wilhelmshaven-Gemälde, die jetzt in Kalkar zu sehen sind. Das städtische Museum hinter dem Rathaus widmet den Bildern der Willicher Malerin die nächste Ausstellung. „Skygarden. Elizabeth Weckes“ heißt es ab Sonntag in Kalkar.

Zu den Wilhelmshaven Bildern gehört auch ein fast mannshoher Blick in den kühl-blauen Himmel, wo sich im Flug eine Truppe Möven um irgendwas streitet. Darunter greifen dunkel die Arme der Hafenkräne in die Luft. Wieder sind Technik und Natur im Bild vereint.

Den Menschen gibt’s allenfalls als Schemen, Technik, Natur und Landschaft bestimmen ihre Bilder, oft auch Natur pur. Allerdings legen hier Tannenwälder ein technisches Gitter auf die Leinwand, durch das wieder magisch ein gelbes Licht strahlt. Zwischen den Stämmen liegt ein Schneckenhaus und ein mystischer Vögel mit Widderhorn sitzt auf den Ästen.

Elisabeth Weckes schaffe in ihren Arbeiten eine Parallelwelt voll eigener Kraft und Poesie, schreibt Hans-Georg Sehrt vom Kunstverein Halle/Saale im Kataolg, der zur dortigen Ausstellung erschien und auch in Kalkar ausliegt. Es sind Bilder, die auf den ersten Blick realistisch sind. Die Tauben sind Tauben, Möven sind wunderbar wie in der Bewegung aufs Bild gesetzt. Und doch haben die Bilder Weckes etwas „Gefährliches, letztlich auch Bedrohliches“ (so Sehrt) in sich, sind magisch-mythisch verwirrend.

Die Motive findet Weckes in der Regel auf Reisen, aber auch in den Reihen der „Kappes-Felder“, wie sie in Kalkar erzählt. Es sind Bilder aus Paris in grauem Licht der winterlichen Seine-Metropele, aus Lissabon in warmer Abendsonne. Und immer wieder Vögel - vor Pflanzen oder auf Drähten der Oberleitung.

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