Choral in der Kleinen Kirche Böllenstege

Serie Kirchenlieder : Beschwingt wie eine Hymne

Serie Weihnachtslieder und wo sie zu hören sind: Choral in der Kleinen Kirche

Wenn man über das Weihnachtslied „Herbei o ihr Gläubgen“ schreibt, so muss man bei „Adeste fideles“ beginnen. Allgemein wird angenommen, dass diese lateinische Ursprungsversion aus Portugal stammt; das Lied wird gelegentlich auch Portugiesischer Choral genannt, weil es oft in der Kapelle der Portugiesischen Botschaft in London gesungen wurde. Parallel dazu entwickelten sich aus „Adeste fideles“ die englische Version „Oh come, all ye faithful“ und die vierstrophige deutsche Version „Herbei, o ihr Gläubigen“.

Als deutsche Variante ist es ein protestantisches Kirchenlied; den Text schrieb der Theologe Friedrich Heinrich Ranke 1826 nach der lateinischen Vorlage, die Melodie schrieb John Reading bereits 1782 zur englischen Variante. Ranke war von der Erweckungsbewegung ergriffen und ist auch als Dichter des Adventslieds „Tochter Zion“ bekannt. Bei der Übertragung vom lateinischen Original wechselte der Rhythmus vom Dreiviertel- zum Zweiviertel-Takt. Und so singen wir heute dieses Lied wie einen feierlich fortschreitenden Marsch mit geradem Takt, der Ähnlichkeit mit mancher Nationalhymne aufweist.

Ranke hat sich an biblischen Zitaten orientiert: So klingt das Johannesevangelium in der vierten Strophe an, wenn es dort heißt: „fleischgewordnes Wort des ewgen Vaters“. Meist werden möglichst gegensätzliche Deutungen des Weihnachtsgeschehens gegenüber gestellt: Da werden das Kind aus Marien Schoß und der wahre Gott von Ewigkeit geboren in derselben Strophe besungen. „Herbei o ihr Gläubgen“: Denn der König der Engel, der Herrscher der himmlischen Heerscharen ist geboren. In jeder Strophe fordert eine Einzelstimme oder Einzelgruppe zum Einstimmen in den weihnachtliche Festgesang auf. Das erklingt überhaupt nicht wehmütig und auch nicht süßlich. Doch so aufmunternd das Weihnachtslied auch ist, es führt uns am Ende wie die Hirten, die drei Weisen und wohl auch Maria und Joseph selbst zur Krippe: „O lasset uns anbeten!“ In nahezu alle Sprachen, in denen Christen Gottesdienst feiern, ist es übersetzt worden; in etlichen Ländern avancierte es zu dem Weihnachtslied überhaupt und so wurde nicht nur der Text, sondern auch die Melodie oft an das jeweilige Sprachgefühl angepasst. Gerade in seiner weltumspannenden Verbreitung bringt es die Weite und Vielfalt des Glaubens zum Klingen. Auch im Popmusikbereich ist das Lied bekannt und findet sich auf den Weihnachtsalben vieler Musiker wie Bob Dylan, Bing Crosby, Mahalia Jackson, Elvis Presley, Mariah Carey oder Andrea Bocelli. Chorsätze des Liedes schufen u. a. Friedrich Silcher und Carl Thiel.

In Kleve erklingt es am 14. Dezember um 18.00 Uhr im Carol Service in der Kleinen Kirche an der Böllenstege, wo unter der Leitung von Thomas Tesche dreizehn Mitglieder des Vokalensembles der ev. Kirchengemeinde singen.