Alles aus Stein Das ist die neue Ausstellung im Museum Kalkar

Kalkar · „Steinskulpturen“ heißt die Ausstellung im Kalkarer Museum. Sie wird am Sonntag eröffnet, ist bis 19. Februar in Kalkar zu sehen und zeigt Steinskulpturen und -bücher. Es ist eine kleine Retrospektive des verstorbenen Bildhauer-Teams.

 Blick auf die Steinbücher im Museum Kalkar

Blick auf die Steinbücher im Museum Kalkar

Foto: Markus van Offern (mvo)

Es ist immer wieder faszinierend, wie weich, wie samtig sich Stein anfühlen kann, wenn man ihn richtig bearbeitet. Dann werden aus dicken Pflastersteinen Handschmeichler, die befühlt, die entdeckt, die „gelesen“ werden wollen. Wie die Bücher aus Stein, die da voller Ruhe und starker stiller Kraft wie hingeschüttet auf dem Museumsboden liegen. Im Museum Kalkar sind es 18 dieser Brocken. Sie wurden aus dem Pflaster einer Wiener Straße herausgerissen und dann von Anna Kubach-Wilmsen und Wolfgang Kubach verwandelt: Vom geschundenen Straßenpflaster, vom ungeschlachten „Wackerstein“ zum Buch. Zum Buch, das einerseits von den Fuhrwerken und Fahrzeugen, den Menschen und Tieren erzählt, die über die Straße zogen. Das andererseits aber auch vom Stein zeugt, von den samtigen Oberflächen, von den Seiten, die rau und spitz vom harten Material und der Erdgeschichte berichten.

  RP-Foto: Markus van Offern

RP-Foto: Markus van Offern

Foto: mvo

Das Kalkarer Museum widmet dem bekannten Bildhauer-Team Anna Kubach-Wilmsen und Wolfgang Kubach eine Ausstellung, die geprägt ist vom Steinbuch, die aber auch von den frühen Arbeiten der beiden in Kalkar berichtet. Da ist der wunderbare Grundstein für die Grundschule in Altkalkar aus dem Jahr 1963, wie eine Reminszenz an den Bildhauer Brancusi stellten die beiden hier Lehrer und Schüler mit einem von beiden umschlungenen Buch zusammen, die sich darin vertiefen. Mit Blick auf das Buch, das die beiden halten, ist es für Anna Kubach-Wilmsen das allererste Steinbuch.

 Aus türkischem Marmor schlugen Kubach-Wilmsen die unendliche Säule. Links ein Bücherturm.

Aus türkischem Marmor schlugen Kubach-Wilmsen die unendliche Säule. Links ein Bücherturm.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Es sollten viele folgen über die Jahre. Kleine dicke wie Stundenbücher, große wie Folianten, eingebunden in geschliffene oder in Samt verwandelte Umschlägen aus Marmor und Granit, fassen sie die Geschichte vom Stein und der Erde. Ist es Marmor, gibt es grafische Bilder auf dem Buchdeckel, als seien sie für dieses Buch entworfen. Dazwischen Bücher aus Steinen, die aussehen wie alte speckige Pergament-Folianten aus dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit mit herausquillenden Seiten, andere, die aufgeschlagen auf dem Gesicht liegen. Manche sind zum Bücherturm getürmt, andere liegen einfach so auf der Erde oder sind sorgfältig in einer Vitrine verwahrt. Draußen vor der Tür des Museums verweist, 1,1 Tonnen schwer aus finnischem Granit, ein großes Steinbuch auf die Ausstellung von Kubach-Wilmsen.

Anna Kubach Wilmsen wurde 1937 in Kalkar geboren und arbeitete nach dem Studium seit 1968 mit ihrem Mann Wolfgang Kubach (1936 bis 2007) als Bildhauer-Team. Wie Christo und Jean-Claude, wie Bernd und Hilla Becher. Sie hatten sich während ihres Studiums in München kennengelernt, wo er Malerei und sie Bildhauerei studierten. Die Werke von Kubach-Wilmsen wurden auf der ganzen Welt gezeigt, so wie die Welt als Stein in ihr Werk einzog – als „Axis Mundi“ entstanden 2008 bis 2009 mit Steinen aus allen Kontinenten. Eine große Steinbibliothek von Kubach Wilmsen aus 316 Steinbänden hat beispielsweise die Nationalbibliothek in Paris. „Über einen Zeitraum von 40 Jahren widmeten sich die beiden vollständig und bedingungslos der Begegnung mit Steinen“, schreibt Claire Labye im Buch „Kubach-Wilmsen – unterwegs zum Stein“, das zur Ausstellung in Kalkar zu haben ist (ISBN 978-3-935516-92-1, 40 Euro). Anna Kubach-Wilmsen starb 2021.

Das Steinbuch steht seit Mitte der 1970er Jahre im Mittelpunkt ihres Schaffens. Und Kalkar gelingt es in der Ausstellung, diese Beispiele aufzuzeigen: Vom kleinen Buch aus einer Privatsammlung in mattschwarz schimmernden Granit bis hin zum unvollendeten Werk aus kühlem hellblauen Stein aus der Sammlung von Christoph Wilmsen-Wiegmann, das schon fertig geschlagen, aber noch nicht poliert ist. „Man glaubt, Anna stehe noch daneben mit dem ganzen Steinstaub um sie herum“, sagt der Bildhauer, Neffe von Anna Kubach-Wilmsen. „Anna Kubach-Wilmsen hat immer gesagt, ein Buch hält man mit den Händen und liest es mit den Augen, ein Steinbuch hält man mit den Augen und liest es mit den Händen“, erklärt Wilmsen-Wiegmann. Das bedeutet, dass man Kubach-Wilmsens Werke anfassen muss, um sie zu lesen: Man muss sie begreifen, um sie zu begreifen.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 11. Dezember, um 12 Uhr im städtischen Museum eröffnet, es sprechen Lioba Rochell, Bürgermeisterin Britta Schulz und die Kunsthistorikerin Simone Kubach-Wilmsen.

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