Bedburg-Hau: Premiere bei mini-art mit "Ein Schaf fürs Leben"

Premiere bei mini-art : Schaf schwärmt: „Was für ein Wolf!“

In einer Woche ist Premiere für das neue Stück des Theaters mini-art in Bedburg-Hau. „Ein Schaf fürs Leben“ von Maritgen Matter wird als Mischung aus Schauspiel, Erzählung, Figuren und Maskentheater inszeniert.

Kalt ist es. Das sieht man, weil die beiden auf der Bühne dick eingemummelt sind. Weil dort ein Schlitten steht und ein weißes Tuch von Schnee über allem ausgebreitet wird: Über große und kleine Koffer, die vom Stapel genommen über die Bühne verteilt und wieder gestapelt werden, die mit lautem, teils rhythmischen „Rumms“ hingestellt oder auf- und wieder zugeklappt werden. Die erste Szene des neuen Stücks von mini-art kommt ohne Worte aus. Bis einer der Zugemummelten als Erzähler sich nach dem kurzweiligen Hin- und Her der Koffer ans Publikum wendet und vom Winterabend erzählt. Vom Winterabend, der kalt und voller mit Schnee bedeckter Hänge ist. Und er erzählt vom Wolf, der sich missmutig durch den knietiefen Schnee bergauf wühlt, einen Schlitten hinter sich herziehend (man hört plötzlich ein Wolfsgeheul) und jeden Tritt mit einem knurrigen „Hunger, Hunger“ begleitet. Am Arm von Wolf leuchtet eine fette goldene Uhr im Mondlicht.

Doch was nutzt die fette Uhr, wenn man Hunger hat. Die Uhr am Arm kann man nicht essen, im Haus ist nur noch eine Flasche Wein. Also muss Wolf außer Haus dinieren. Er ist auf der Suche nach einem „Restaurant“ – und wird inmitten der Schnee-Landschaft fündig: Ein Häuschen mit warmen Licht oben auf dem Hang, ein Stall daneben. Der Stall, der ist für Wolf das Restaurant. Er öffnet die quietschende Tür, um sich Schaf zu widmen, das dort wohnt. Dass Wolf weder Heu noch Hafer mag, macht das naive Schaf nicht misstrauisch. Im Gegenteil – es ist fasziniert und schwärmt strahlend: „Was für ein Wolf!“

Es gibt auch Puppentheater im Stück: Wolf und Schaf stellen sich vor. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Noch sieben Tage haben Sjef van der Linden und Crischa Ohler Zeit, unter der Regie von Rinus Knobel ihr neues Stück einzuspielen. Grundlage ist das feine Bilderbuch von Maritgen Matter in der Übersetzung von Sylke Hachmeister, das die Geschichte vom hungrigen Wolf erzählt, der ein unbedarftes Provinzschaf zu einem Ausflug überredet: eine nächtliche Reise ins elegante „Erfahrungen“. Schaf ist begeistert und das Winter-Road-Movie entwickelt sich zu einer aufregend wie charmanten Beziehungskiste, in deren Verlauf Schaf Wolf sogar das Leben rettet. Kurz: Maritgen Matters „Ein Schaf fürs Leben“ ist wie gemacht für das Kinder- und Jugendtheater mini-art. Das interpretiert und inszeniert das auch schon an anderen Bühne bewährte Stück auf seine ganz spezielle Art als traumhafte Geschichte für alle Menschen ab fünf Jahren.

Sjef van der Linden, Rinus Knobel und Chrischa Ohler loten dabei alle Formen des Theaters aus – vom Erzähler über Darsteller bis zum Puppen-Theater darf der Besucher sich auf diverse Genres freuen, die in diesem Stück versammelt sind und die die Geschichte von Gerissenheit und Naivität erzählen, von Beziehungen zwischen Charakteren, die so gar nicht zusammenpassen wie Wolf und Schaf. Zumal Wolf das Schaf im Grunde gerne zum Essen eingeladen hätte – aber die Geschichte sei hier nicht verraten. Verraten sei aber, dass Wolf beinahe ertrunken wäre, dass Schaf ihn rettet und beide in einem einsamen aber warmen Haus Zuflucht finden. Und dass genau dort in diesem Haus die hinter Masken (Schaf und Wolf) agierenden Schauspielern von Puppen ersetzt werden. Die herrlichen Puppen sind von Puppenprofi Arne Bustorff. Für die Bühne verantwortlich zeichnet Crischa Ohler.

Die Mischung aus Schauspiel, Erzählung, Figuren- und Maskentheater erzähle das, was möglich sein kann, wenn man bereit ist, seine vorgefertigten Meinungen über den Haufen zu werfen, sagt Ohler. Eine Geschichte, die von Herzen kommt ohne rührselig zu werden.