Konzertkritik: Bachs Goldberg auf Marimba

Konzertkritik : Bachs Goldberg auf Marimba

Quartett begeisterte beim 5. Reihenkonzert in der Klever Stadthalle

Mit dem Marimba -Quartett standen vier Musiker auf der Klever Bühne, die die ganz großen Bühnen der Welt kennen: Katarzyna Mycka (Marimba-Pionierin und -Professorin), Franz Bach (Solist des SWR-Sinfonieorchesters), Filip Mercep (Dozent in Kalifornien, an deutschen Universitäten sowie Kroatien) und Conrado Moya (Professor in Spanien, Deutschland, Kanada, USA und Japan). Gemeinsam spielten sie das gut besuchte 5. Reihenkonzert in der Stadthalle – auch die Konzerteinführungen können insgesamt einen Zustrom an Musikliebhabern verzeichnen.

Die „Performance“ an den vier Marimbaphonen gelang dann beeindruckend: Die erste Konzerthälfte galt ganz der Vielfalt der Instrumente und ließ an Unterhaltung keine Wünsche offen. Der Zuhörer lernte die Dynamik und Klangfacetten der aus Guatemala stammenden Aufschlaginstrumente und ihrer Holzklangstäbe kennen, die mit aus Wolle eng gegarnten Schlägeln bedient werden.

Vier Marimbisten bedienten bei Libor Simas „The Blues Thing“ dann jeweils ein Instrument und ließen rhythmische Elemente mit melodischen gekonnt verschmelzen. Der Schwung riss manchen Zuhörer zum Mitwippen hin. In virtuos fließenden Strukturen erfreut das folgende „Yeh gangga“ von Rüdiger Pawassar, ein gerade zwei Jahre altes Stück, für das sich die vier Musiker an zwei Instrumente postierten. Es ließ an Bali denke, an Wellen und Gamelan-Musik, und bei den impulsiven Läufen wurde das „Show-Element“, das das Marimba-Spiel mit sich bringt, deutlich: Der virtuose Umgang mit den 16 Schlägeln, die schönen Bewegungen der Musiker, bescherten Genuss für die Augen.

Für „Always, Never, Again“ (Jarrod Cagwin) wurden zwei Marimbas von beiden Seiten bespielt; eine spielerische Herausforderung, die „wie in einer guten Ehe“ Absprachen erforderte und eindrucksvoll funktionierte. Tranceartige, lange Phrasen, inspiriert von indischer Musik, brachten die Luft in der Stadthalle zum Schwingen.  In Daniel Nikolas Wirtz „Valse, Valse“ warfen sich die Musiker spritzig die Töne zu. Nach der Pause dann der titelgebende Höhepunkt: Bachs Goldbergvariationen, arrangiert für zwei Marimbas, meisterlich gespielt von Mycka und Moya. Marimba und Barock funktionierte erstaunlich gut – Bachs Idiom eignet sich für den rhythmischen Übertrag. Zugegeben: die Goldberg-Variationen in voller Länge, 30 Variationen und zweimalig die Aria als Grundmotiv – erfordern Durchhaltevermögen. Aber die Verbindung der konzentrierten Marimba-Choreographie mit der Transparenz bachscher Klangmuster und das Herausarbeiten der Details erfreute. Das vertraute polyphone Geflecht wurde wunderbar sicht- und hörbar gepaart mit der aparten Klangfarbe.

Mit einer schmissigen Zugabe verabschiedete sich das Marimba-Quartett unter großem Applaus von dem Klever Publikum.