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Ausstellung "Kreislauf 2" im Katharinenhof in Kranenburg eröffnet

Kunst rund um den Katharinenhof : Gehen entlang des Unerwarteten

Das Kranenburger Museum Katharinenhof lädt ab Sonntag zu der Ausstellung „Kreislauf 2“ ein. Im Museum und im historischen Ortskern sind Installationen von insgesamt 19 Künstlern zu sehen.

Der Elektromast steht nicht auf freiem Feld, ragt nicht in den Himmel, sondern bestimmt einen Innenraum. Seine Verstrebungen bedecken die Wände ohne Unterbrechung. Von Nahem betrachtet wirken sie zerbrechlich, ein unsicheres Konstrukt. Um ihn herum andere Gegenstände: ein Laptop, zwei Flugzeuge, Autos, eines davon auf dem Dach liegend, weitere Aggregate, die Energie benötigen oder erzeugen. Schließlich ist da ein Mensch, vermummt wie in großer Kälte, im Anschlag kein Gewehr, sondern einen Laubbläser, auf Niederländisch „Bladblazer“. So heißt die Installation der in Nijmegen lebenden Künstlerin Gabi Rets. Ihre Figurenreihen, hergestellt aus Zeitungspapier und Tapetenkleister, sind Bildergeschichten, die die Welt anders erzählen, und somit hinterfragen. Sie sagt, mit dem Laubbläser wolle der Mensch die Welt ordnen nach seinen Vorstellungen, weiter sei er auch ein Gerät, das Energie benötigt. „Wofür (ver)brauchen wir Energie?“, laute auch die Frage, die sie als Künstlerin stellen wolle.

Ihre Arbeit ist Teil der am Sonntag, dem 9. August, beginnenden Ausstellung „Kreislauf 2 Wanderer – Wunderer“ im Kranenburger Museum Katharinenhof. 19 niederländische und deutsche Künstler zeigen Installationen, Skulpturen und Gedichte sowohl im Museumsgebäude als auch entlang eines Rundweges (Kreislauf) um den historischen Ortskern der Grenzfeste. „Wir wollten Außen und Innen verbinden. Die Installationen sollen dem Betrachter, der den Weg entlanggeht, Unerwartetes zeigen“, sagt Peter Schünemann vom Kuratoren-Team. Nach „Kreislauf 1“ im Jahr 2018 ist es die zweite Ausstellung mit diesem Konzept. „Erst sah es so aus, als ob wir es ganz streichen müssen, dann haben wir entschieden, es doch zu tun, unter Einhaltung aller Hygieneregeln, auch als ein Wir-sind-noch-da-Statement“, so Schünemann.

Innen sind Radierungen von Brigitte Gmachreich-Jünemann zu sehen. Ihre grafischen Arbeiten sind alle ohne Titel. „Offen für den Betrachter, damit noch ein Geheimnis möglich ist“, sagt die Künstlerin, die seit vielen Jahren in Kranenburg lebt. Ihre Themen sind abstrakt, aber die Natur ist, wie sie betont, stets ihre Ausgangs-Inspiration.

Die Natur ist auch das Thema für den Niederländer Bart Nijboer. Seine Bewegungs-Installation befindet sich ebenfalls im Gebäude. Rotierende Flügel auf Metallstäben lassen jeden Betrachter innehalten. Sie wirken leicht und fragil, wie Schmetterlingsflügel. Im Eingang des Museums trifft der Besucher auf eine der ausgestellten Skulpturen von Frank Merks. Der „Kopfständler“ ist eine Konstruktion aus Holz und Metall. „Mein Thema ist der Mensch mit allem, was ihn ausmacht: Erfahrungen, Verletzungen, Glauben und Vorstellungen“, sagt er. Das Metall verwende er so, dass die Skulptur ohne dies nicht stehen könnte, eine Metapher für alles, was dem Individuum hilft, zu leben.

Der äußere „Kreislauf“ führt zum Mühlenturm, wo Martje Verhoeven eine rote Krankentrage aufgehängt hat. Rundherum weiße Krähen, Störche, Kraniche, mit rotem Kreuz auf der Brust. „Weiße Vögel“ heißt die Arbeit und zeigt Tiere als Helfer. Orangerot leuchtet in der Nachbarschaft im Wallgraben die riesige Skulptur „Clamor lugubris“ (lateinisch: trauriger Schrei) von Radovan Matijek, der aus Kroatien stammt. Das Albtraum-Wesen mit zwei langen Hälsen greift nicht nur in die beschauliche Idylle entlang der historischen Stadtmauer ein, sondern auch in die Gedanken des Spaziergängers. Dieser sollte sich beim Besuch der Ausstellung Zeit nehmen. „Kreislauf 2“ will einladen zur Verlangsamung.

Der Weg führt zum Waschwall, vorbei an „Balance – Steinbarke“ von Christoph Willsmen-Wiegmann, einem tonnenschweren Monument, das dort steht, wo aus Groesbeeker Bach und Steinwässerung Kranenburger Bach wird. Da hängt über dem Weg ein Netz aus 1850 metallischen Vierecken, wer genau hinschaut erkennt ein schreiendes Gesicht. „I scream, you scream“ heißt die Arbeit von Meg Mercx.

„Eine ganz fantastische Ausstellung“, sagt Angelika Petri vom Seewerk Museum Moers. Das Seewerk steht in regem Austausch mit dem Katharinenhof, einige Künstler stellen an beiden Orten fast zeitgleich aus.