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Künstler Wilfried Porwol hat das Kriegerdenkmal in Kalkar angemalt

Protest-Aktion von Polizei beendet : Kriegerdenkmal in Kalkar bei Kleve erneut „umgestaltet“

Die Anzeige hat er einkalkuliert, denn Wilfried Porwol geht es darum, mit seiner Aktion Aufmerksamkeit zu erregen. Dass noch immer kein erklärendes Schild am Kalkarer Denkmal mit dem Hitler-Zitat steht, sei eine Schande.

Einmal mehr ist das umstrittene Kalkarer Kriegerdenkmal am Wochenende unerlaubt bemalt und beschriftet worden. Und diesmal sehr umfassend. „Make love not war“ steht da geschrieben, der Reichsadler ist rosa angestrichen, auf seinen Flügeln prangt zum einen eine Blume, zum anderen ein Kalkarer Stadtwappen mit Hitler-Gesicht – auf der Rückseite gibt’s das noch mal als Totenkopf. Wer dahinter steckt, ist kein Geheimnis: Wilfried Porwol aus Kleve, Pazifist und geübter Demonstrant, findet es unerträglich, dass der 8. Mai, der Tag der Befreiung, einmal mehr begangen werden konnte, ohne dass die Stadt Kalkar sich de facto von einer üblen Inschrift auf ihrem Kriegerdenkmal getrennt hat.

Seit Mai 2015 ist öffentlich bekannt, dass auf der Rückseite der monumentalen Gedenkstätte ein Spruch nach einem Zitat aus Hitlers „Mein Kampf“ eingraviert ist. Viele Bürger warten auf die historisch einordnende Tafel, die die Stadt nach entsprechender politischer Beschlussfassung an Ort und Stelle anbringen will. Bislang kann man Erläuterungen zum Thema lediglich auf der Internetseite der Kommune nachlesen.

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Wilfried Porwol nennt seine Aktion „Umgestaltung des Nazi-Kriegerdenkmals zu einem Friedensmahnmal“. Vorgenommen hat er sie am 9. Mai, beendet wurde die Aktion von der Polizei, die von Zeugen gerufen worden war. Einmal mehr hat Porwol es jetzt mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung zu tun. Für ihn ein „kalkuliertes Risiko“, wie er sagt. „Unseren Helden“ steht auf dem Denkmal mit den Namen gefallener Soldaten aus Kalkar. Bei der Einweihung 1936 wurden die des Ersten Weltkriegs verzeichnet, die Opfer des Zweiten Weltkriegs werden durch ein ergänzendes Relief „1939-1945“ einbezogen. Seit die belastende Inschrift auf der Rückseite („Mögen Jahrtausende vergehen man wird nie von Heldentum reden können ohne des deutschen Soldaten im Weltkrieg zu gedenken“) als Hitler-Zitat entlarvt ist, lehnt es Kalkars Bürgermeisterin Britta Schulz ab, vor der Skulptur der Toten zu gedenken. Das geschieht seitdem auf dem Soldatenfriedhof. Das Denkmal mit seinen Inschriften sei „eine keinen Tag länger hinzunehmende Verhöhnung der Opfer und Glorifizierung des verbrecherischen rassistischen Vernichtungskrieges der deutschen Wehrmacht“, sagt Wilfried Porwol. Angesichts wieder erstarkender rassistischer Hetze sei die öffentliche Zurschaustellung von Nazi-Propaganda unverantwortlich und skandalös.

Der Historiker Hans Hesse hatte über Kriegerdenkmäler im Rheinland geforscht und die Stadt über die Urheberschaft des Zitats informiert. Die öffentliche Empörung kam nach der RP-Berichterstattung auf. Seitdem warten Interessierte auf eine klar wahrnehmbare Distanzierung, die nicht nur über den Umweg Internet erlebbar sein sollte. Weil ihm die Umsetzung des Vorhabens zu lange dauerte, hatte Porwol am 27. Juli 2019 begonnen, das Monument künstlerisch zu einem Friedensmahnmal umzugestalten. Ein Polizeieinsatz verhinderte die Beendigung der Aktion, das Denkmal wurde gereinigt, gegen Porwol gab’s eine Strafanzeige. Gleich am nächsten Tag erneuerten Unbekannte die „Friedensbotschaften“ auf dem Denkmal; sie wurden wiederum entfernt.

Und nun? Bürgermeisterin Britta Schulz sagt, die Reinigung sei beauftragt und werde dem Verantwortlichen in Rechnung gestellt. „Als künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema kann ich die Aktion nicht betrachten, es ist nicht in Ordnung, fremdes Eigentum zu beschädigen, um seine Meinung kund zu tun.“ Das Schild mit der historischen Einordnung des Denkmals sei beauftragt und werde in Kürze angebracht.