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Kreis Kleve: Vier Tage "Holland pur"

Kreis Kleve : Vier Tage „Holland pur“

Die Vierdaagse-Gruppe „Walking Stones meet Kandinsky“ ist an vier Tagen 120 Kilometer gewandert. Wir begleiteten die Gruppe auf der „Bergetappe“ durch die sieben Hügel von Groesbeek.

Der Morgen jedes Vierdaagse-Tages bietet ein ganz besonderes Panorama: Während sich die letzten beschwipsten Nachtschwärmer auf den Heimweg machen, starten 47.000 Wanderer mit dem Sonnenaufgang auf die Strecke. Das Traditionsevent sorgt eine Woche lang in Nimwegen und Umgebung für ein niederländisches Volksfest. Ob jung oder alt, ob sportlich oder nicht; Menschen aller Nationen feiern die sportlichen Leistungen, das Lebensgefühl und sich selber.

In diese Kulisse wanderte auch die 23-köpfige Gruppe „Walking Stones meet Kandinsky“ des Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums sowie des Kandinsky Colleges in Nimwegen. An vier aufeinanderfolgenden Tagen legte der internationale Schwarm unter der Leitung der Lehrer Rob Janssen und Michael Thölking jeweils 30 Kilometer zwischen Nimwegen, Wijchen, Beuningen, Arnheim und Groesbeek zurück. Die schönste und gleichzeitig berüchtigste Strecke ist die über die sieben Hügel von Groesbeek am dritten Tag.

Die „Bergetappe“ beginnt obligatorisch in Nimwegen um 6.30 Uhr. Die 50-Kilometer-Wanderer sind dann schon einige Stunden unterwegs, es ist eine der spätesten Startzeiten. Für das Aufwärmprogramm wird die Schülergruppe von einem japanischen Pendant eingeladen. „Ich bin und bleibe optimistisch, dass wir es alle schaffen“, sagt Lehrer Michael Thölking. Auf den ersten Kilometern durchqueren die Kinder im Alter zwischen elf und 16 Jahren die Innenstadtstraßen Nimwegens. Schon in den frühen Morgenstunden haben sich Tausende vor ihren Häusern versammelt, um anzufeuern und für das Wanderfrühstück zu sorgen. Rohkost, Marshmallows, belegte Brötchen.

Nach vier zurückgelegten Kilometern muss Thölking erstmalig den Unterschied zwischen einer Unterbrechung und einer Pause erklären: „Bei einer Unterbrechung haben wir nur wenige Minuten Zeit und gehen eben auf die Toilette. Bei einer Pause können wir uns in Ruhe hinlegen“, sagt er, während sich die gesamte Gruppe ins Gras legt. Drei Unterbrechungen und zwei Pausen legt Thölkings Team an diesem Tag ein, um Fußverletzungen zu versorgen und zu trinken. Passierte man morgens noch die bunt geschmückten Arbeiterviertel des Südens der Stadt, erreicht man am Nachmittag die gediegeneren westlichen Viertel, in denen die Straßen um das ausgelassenste Fest wetteifern.

Den emotionalen Höhepunkt ereilt die Gruppe in Groesbeek, wo alle Wanderer zusammenkommen und sich durch die engen Gassen der Stadt drängeln. Menschenmassen klatschen am Seitenrand, Musiker und Kapellen begleiten den Marsch. Die Gruppe wird von der Atmosphäre getragen: „Man merkt gar nicht, dass man wandert und die Beine schwer sind. Dafür hat sich das Training gelohnt“, sagt Lana Rütten (13). In Groesbeek warteten auf die Schüler nicht nur die Eltern mit einem umfangreichen Buffet, sondern auch Josef Gietemann, der als stellvertretender Bürgermeister der Stadt Kleve auf ein Eis einlud. „Schon seit vielen Jahren komme ich immer wieder hierher. Die Leute sind einfach positiv verrückt“, sagt er.

Besonderen Eindruck auf die Kinder machen die Militärgruppen, die nicht nur 50 Kilometer bezwingen, sondern dabei auch noch einen Zehn-Kilogramm-schweren Rucksack transportieren müssen. „Ich finde die Soldaten am spannendsten. Da ich das jüngste Gruppenmitglied bin, kommen sie immer wieder zu mir und klopfen mir auf die Schulter“, sagt Jan Schubert (11).

Am späten Nachmittag erreichen alle Teilnehmer das Ziel, die nächste Zwischenetappe ist erreicht. „So großartig habe sogar ich es mir nicht vorgestellt. Zweifelsfrei werde ich noch einmal mitlaufen“, sagt Schulleiter Timo Bleisteiner, der die Kinder einen Tag lang begleitete. Die gleiche Begeisterung teilt auch Thölking: „Das Charmante an der Vierdaagse ist, dass alle Sieger sind.“

Sein umfangreiches Trainingsprogramm hat sich gelohnt: Alle 23 Kinder haben die „Via Gladiola“ am Freitag erreicht.