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Kreis Kleve: So sollen Ältere zum Impfzentrum nach Kalkar kommen

Ehrenamtliche Mitfahrbörsen : So sollen Ältere zum Impfzentrum nach Kalkar kommen

Wer nicht selbst zum Impfzentrum fahren kann und auch niemanden kennt, der ihn bringen könnte, soll durch ehrenamtliche Fahrbörsen versorgt werden. Ansonsten setzen Kreis und Kommunen auf Eigenverantwortung.

Für die Entscheidung sollte es einen größtmöglichen Schulterschluss geben: Alle Bürgermeister im Kreis Kleve und Landrätin Silke Gorißen veröffentlichten am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung, in der es vor allem um das eine ging: Wie kommen Menschen, die keinerlei Möglichkeit haben, zu ihren Terminen ins Impfzentrum zu gelangen, trotzdem nach Kalkar? Menschen also, die selbst nicht mobil sind und auch niemanden kennen, der sie begleiten könnte. Die Antwort: Jede der 16 Kommunen im Kreis Kleve wird eine ehrenamtliche Mitfahrbörse anbieten. Ruft man dann bei der Kommune an, wird einem ein Freiwilliger vermittelt, der einen zum gewünschten Termin ins Impfzentrum bringt. „In jeder Kommune wird es dafür einen Ansprechpartner geben“, sagt Christoph Gerwers, Bürgermeister von Rees und Sprecher der Bürgermeisterkonferenz. „Wir haben zum Beispiel mit der Helferbörse in Rees zu Beginn der Pandemie sehr gute Erfahrungen gemacht und sind zuversichtlich, dass sich ausreichend Freiwillige melden, die diesen Dienst gerne übernehmen“, sagt Gerwers. Wie die Kommunen ihre Börsen organisieren, werden sie den Bürgern in den kommenden Tagen nach und nach erklären – auch die RP wird berichten.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) hatte am Mittwoch gemeldet, dass der Beginn des Impfzentrums für den 1. Februar vorgesehen ist. Als erste Gruppe werden die über 80-Jährigen das Impfangebot bekommen. Sie sollen in den kommenden Tagen per Post ein Informationspaket zugeschickt bekommen, das über den konkreten Ablauf informiert. Die KVNO will Anmeldungen für über 80-Jährige dann ab dem 25. Januar möglich machen, sowohl telefonisch als auch online. Wie genau, das werde in den Briefen erklärt, heißt es. Die KVNO weist wiederholt darauf hin, dass alle, die laut Coronavirus-Impfverordnung nicht zu dieser Gruppe gehören, nicht anrufen sollen, ehe auch für sie die Terminvergabe startet. „Sonst wird die Telefon-Hotline bei der zu erwartenden Zahl an Anrufern trotz gewaltiger Kapazitäten zum Nadelöhr“, sagte Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVNO am Mittwoch.

„Die Impfung von gut 312.000 Kreis Klever Bürgern ist eine Mammut-Aufgabe, die von uns allen in den kommenden Monaten viel Kraft und Ausdauer erfordert“, sagt Landrätin Silke Gorißen. Sie bedankte sich am Donnerstag ausdrücklich bei den Bürgermeistern für die Unterstützung. Mit der nun vorgestellten Lösung ist aber auch klar: Beim Weg ins Impfzentrum nach Kalkar wird es vor allem auf Eigenverantwortung und Eigeninitiative ankommen. „Wir leben in einem Flächenkreis mit intakten Netzwerken und großem sozialen Engagement. Darum bitten wir die jüngeren Menschen in unseren Städten und Gemeinden, einen wichtigen Teil zum Gelingen der nationalen Impfstrategie beizutragen“, sagt Gorißen. „Bieten Sie Ihren Eltern oder Großeltern, Ihrem Nachbarn oder der Freundin an, ihn oder sie zwei Mal zum Impfzentrum zu fahren, damit dort in den kommenden Wochen die  Impfungen erfolgen können“, sagt Gerwers.

Mit den Mitfahrbörsen, so hoffen Kreis und Kommunen nun, soll das Wunderland Kalkar auch für all jene erreichbar sein, die sonst nicht den Weg finden könnten. Auch in der Politik war diese Frage immer wieder gestellt worden, wenn es um die Standortfrage ging. Zuletzt hatte die FDP-Kreistagsfraktion einen elf Punkte umfassenden Fragenkatalog an die Landrätin geschickt, in dem es unter anderem auch um die Erreichbarkeit ging.

Für alle Beteiligten völlig unklar ist, in welchem Umfang die Angebote überhaupt genutzt werden müssen. Wie groß also der Anteil der Menschen ist, die keine Möglichkeit haben, nach Kalkar zu kommen. Es fehlt schlicht jeder Vergleich.

Vergleichen kann man die Lösung aber mit anderen Ansätzen: Im Nachbarkreis Wesel sind flächendeckende Börsen offenbar vorerst nicht geplant. Hier teilt man lediglich mit, dass gegebenenfalls die Möglichkeit besteht, dass die Krankenkasse die Kosten für die Fahrt zum Impfzentrum übernimmt, sofern der Hausarzt die Notwendigkeit der Fahrtkostenübernahme attestiert. Dafür kocht im Kreis Wesel wieder die Diskussion um ein zweites Impfzentrum hoch. Obwohl ein solches vom Land ausdrücklich nicht finanziert wird.