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Kreis Kleve: Silke Gorißen wird NRW-Landwirtschaftsministerin​

Landrätin des Kreises Kleve : Silke Gorißen zur NRW-Landwirtschaftsministerin ernannt

Die ehemalige Kreis Klever Landrätin ist überraschend zur neuen Landesministerin ernannt worden. Sie kümmert sich künftig um das Ressort Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Verwaltungsgeschäfte übernimmt Zandra Boxnick. Im Kreis steht eine Neuwahl an.

Von Ludwig Krause

Kreis Kleve Es ist eine politische Sensation im Kreis Kleve. Silke Gorißen (CDU) ist fortan nicht mehr Landrätin - sie wurde von Hendrik Wüst in das neue NRW-Kabinett berufen. Dort ist sie künftig Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Um  kurz nach 14 Uhr leistete sie im Düsseldorfer Landtag ihren Amtseid: „Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe.“ Die Entscheidung für Gorißen fiel vollkommen überraschend.

Wüst erklärte seine Wahl kurz zuvor: Für das Amt brauche es Kompetenz, Durchsetzungsstärke und einen klaren Kompass. „All das hat unsere zukünftige Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Sie ist eine ausgewiesene Verwaltungsmanagerin mit umfassender kommunalpolitischer Erfahrung im ländlichen Raum, sie kommt aus dem ländlichen Raum, sie kennt den ländlichen Raum und sie genießt das Vertrauen des ländlichen Raums. Ich bin daher sehr froh und dankbar, dass ich sie in unserem Zukunftsteam begrüßen darf.“ Für Gorißen folgte direkt am ersten Amtstag ein Vorgeschmack auf die künftigen Geschäfte: Bis in den späten Abend saß sie in ersten Sitzungen.

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Fest steht aber auch: Durch die Berufung zur Ministerin wird Silke Gorißen künftig nicht mehr Landrätin des Kreises Kleve sein. Es wird also eine Neuwahl im Kreis geben, für den plötzlich anstehenden Wahlkampf werden sich jetzt auch die Parteien neu sammeln müssen. Hierzu werde es nach Abstimmung mit den übergeordneten Behörden zeitnah eine ausführliche Mitteilung der Kreisverwaltung geben, wie es am Mittwoch hieß. Die Allgemeine Vertreterin der Landrätin, Zandra Boxnick, wird die Verwaltungsgeschäfte ab sofort weiterführen. Die vom Kreistag gewählten Stellvertreter sollen nach Möglichkeit die repräsentativen Termine wahrnehmen.

Für Silke Gorißen ist die Berufung zur Ministerin der bisher größte Sprung ihrer politischen Karriere. Viel Zeit zum Überlegen blieb nicht - die Anfrage kam sehr kurzfristig, wie es aus Parteikreisen heißt. Wüst und Gorißen kennen sich schon seit JU-Zeiten, sollen auch darüber hinaus einen guten Draht zueinander gehalten haben. Die 50-jährige Juristin und langjährige CDU-Chefin in Bedburg-Hau war 2020 zur ersten Landrätin im Kreis Kleve gewählt worden. Parteiintern hatte sie sich damals gegen Dominik Feyen durchgesetzt, in der Stichwahl schließlich siegte sie gegen den Kandidaten Peter Driessen. Gorißen war nur eine von drei CDU-Landrätinnen in NRW.

Der Kreisvorsitzende der Partei, Landtagsabgeordneter Günther Bergmann, gratulierte Gorißen zur Ernennung. „Wir freuen uns, dass der Kreis Kleve eine Ministerin und eine Staatssekretärin stellt“, sagte er. Am Mittwoch war ebenfalls bekannt geworden, dass Daniela Lesmeister aus Kleve Staatssekretärin im Innenministerium von Herbert Reul wird. So schön die Berufung von Gorißen auch sei, stelle sie die Politik nun auch vor Herausforderungen, sagte Bergmann. „Wir müssen jetzt alles für eine kurzfristige Wahl vorbereiten, aber wir haben gute Leute in der Partei.“ Dass die Wahl auf die Landrätin gefallen ist, wundere ihn nicht. „Hendrik Wüst und Silke Gorißen kennen sich schon lange. Sie ist gut vernetzt im Land und kann sich in jeden Themenbereich einarbeiten. Ich habe da überhaupt keinen Zweifel.“

Es ist die erste Ernennung einer NRW-Ministerin aus dem Kreis Kleve seit Helmut Linssen (CDU) aus Geldern, der von 2005 bis 2010 Finanzminister im Kabinett von Jürgen Rüttgers war. „Wenn man so einen Anruf bekommt, kann man nicht ablehnen“, sagte der Fraktionsvorsitzende der CDU im Klever Kreistag, Paul Düllings. „Eine Ministerin in Düsseldorf ist eine große Chance für den Kreis Kleve. Aber ich finde es auch sehr schade, weil Silke Gorißen eine hervorragende Landrätin war“, sagte Düllings.

Gerade erst als Abgeordneter aus dem Kreis Kleve in den Düsseldorfer  Landtag eingezogen ist Volkhard Wille von den Grünen. Dass er mit der ehemaligen Landrätin künftig als Ministerin zusammenarbeiten wird, daran wollte er am Mittwochmorgen zunächst gar nicht glauben. „Als ich ein erstes Foto von einer Namensliste gesehen habe, dachte ich noch an eine Fälschung“, sagte er. Dann entpuppte sich die Liste aber als echt – und die Landrätin als Ministerin. „Als ich sie dann später gesehen habe, habe ich sie direkt angesprochen und ihr gratuliert. Ich wünsche ihr alles Gute“, sagte Wille. Schließlich sei man künftig im gleichen Thema unterwegs – und werde daher weiter regelmäßig miteinander zu tun haben. Ein entsprechendes Programm habe die neue Koalition vorgelegt.

Der neuen Landesregierung sei wichtig, dass der ländliche Raum immer mitgedacht werde, betonte Ministerpräsident Wüst am Mittwoch. „Gerade das gute Miteinander von Stadt und Land macht unser Land aus und stark. Es muss unser aller Anliegen sein, dass unser ländlicher Raum lebenswert bleibt, dass er seine vielfältigen Potenziale zur Geltung bringen kann.“ Zudem sei das Thema Ernährungssicherheit durch den Krieg in der Ukraine noch einmal in besonderer Weise in unser Blickfeld geraten. All das liegt künftig in der Hand von Silke Gorißen.